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28.05.2014

22:15 Uhr

Börse New York

Wall Street schließt im Minus

Die US-Börsen schalten nach dem gestrigen Höhenflug einen Gang herunter. Die Wall Street notierte am Mittwoch im Minus. Bei den Einzeltiteln konnte die Baugesellschaft Toll Brother punkten.

Börsianer analysieren an der Wall Street die neuesten Marktentwicklungen. ap

Börsianer analysieren an der Wall Street die neuesten Marktentwicklungen.

New YorkDie New Yorker Aktienmärkte haben am Mittwoch eine Verschnaufpause eingelegt. Angesichts eines Mangels an neuen Konjunkturdaten hielten sich die Börsianer überwiegend zurück. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab bis zum Schluss rund 0,3 Prozent auf 16.633 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P 500 sank 0,1 Prozent auf 1909 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 0,3 Prozent auf 4225 Punkte.

In Frankfurt ging den Dax-Anlegern kurz vor der 10.000er Marke die Puste aus. Der deutsche Leitindex schloss mit 9939,17 Punkten einen Hauch niedriger, obwohl er zuvor noch mit 9957,87 Punkten eine neue Rekordmarke gesetzt hatte. "Es ist wie beim Marathon: Die letzten Meter sind immer die schwersten", fasste Jens Klatt, Marktanalyst von DailyFX zusammen.

Bei den US-Einzelwerten gaben die Aktien des Botox-Herstellers Allergan mehr als fünf Prozent nach. Der kanadische Pharmakonzern Valeant erhöhte die Barkomponente seines nun knapp 50 Milliarden Dollar schweren Angebots. Das Management der Amerikaner betonte, die Offerte zu prüfen und in Erwägung zu ziehen. Mit Valeant und Allergan würden sich zwei mittelgroße Gesellschaften zusammenschließen, die beide in der Haut- und Augenmedizin aktiv sind.

Wie der Wall Street Handel lief

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Die Papiere der Baugesellschaft Toll Brothers stiegen rund zwei Prozent. Luxushäuser sind in den USA gefragt. Das Unternehmen verkaufte von diesen Immobilien mehr zu höheren Preisen, was am Markt gut ankam.

Google will die Entwicklung eines selbstfahrenden Autos vorantreiben und könnte damit klassischen Herstellern wie Daimler gefährlich werden. Der US-Konzern will in den kommenden Jahren einen Wagen ohne Lenkrad sowie Gas- und Bremspedale auf die Straße bringen. Die Pläne rissen die Börsianer jedoch nicht vom Hocker. Die Google-Aktie ließ 0,8 Prozent Federn.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 627 Millionen Aktien den Besitzer. 1579 Werte legten zu, 1460 gaben nach und 137 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,75 Milliarden Aktien 1019 im Plus, 1599 im Minus und 127 unverändert.

Am Rentenmarkt sorgte die Aussicht auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik dagegen dies- und jenseits des Atlantiks für einen Run auf Staatsanleihen. Der Euro zahlte die Zeche und rutschte erstmals seit Februar unter 1,36 Dollar.

An den amerikanischen Kreditmärkten gewannen die zehnjährigen Staatsanleihen 21/32 auf 100-16/32. Die Rendite sank auf 2,4413 Prozent. Der 30-jährige Bond kletterte 1-14/32 auf 101-19/32 und rentierte mit 3,2909 Prozent. Händler erklärten die Aufschläge auch mit Käufen von institutionellen Investoren zum Monatsende.

Geht die Börsenrally weiter?

Wie reagieren die Börsen auf den Wahlausgang in Europa?

Die Anleger scheinen recht unbeeindruckt von den Wahlerfolgen der Eurokritiker. „Das ist sicherlich ein Schock für Europa“, sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. „Für das Europäische Parlament als gesamtes gilt aber: Die etablierten Parteien verfügen über mehr als zwei Drittel der Sitze. Der pro-europäische Kurs in Straßburg ist also nicht gefährdet.“ Der Eurokurs stieg am Tag nach der Wahl, an wichtigen europäischen Börsen ging es aufwärts, der Dax erreichte am Montag zwischenzeitlich ein Rekordhoch. Kornelius Barczynski vom Brokerhaus GKFX hält es sogar für möglich, dass der deutsche Leitindex noch in dieser Woche über die 10 000-Punkte-Marke springt.

Was bedeutet das Wahlergebnis für den Fortgang der Euro-Schuldenkrise?

Zunächst ändert die neue Zusammensetzung des EU-Parlaments nicht viel am Brüsseler Krisenkurs. Akuten Handlungsbedarf gibt es derzeit ohnehin nicht. Die Sorgenkinder Spanien, Irland und Portugal haben den Euro-Rettungsschirm bereits verlassen. Sie und andere potenzielle Krisenländer kommen am Kapitalmarkt längst zu deutlich günstigeren Konditionen an frisches Geld, als in der Hochzeit der Krise. Griechenland ist zumindest symbolisch an die Finanzmärkte zurückgekehrt. Selbst wenn Athen weitere Hilfe benötigen würde, läge die Entscheidung darüber bei den Mitgliedsstaaten und nicht beim EU-Parlament.

Können Eurokritiker die bisherige Politik woanders stören?

Interessant dürfte es werden, wie die französische Regierung auf den Erfolg der rechten Front National reagiert. Präsident François Hollande wird sich überlegen müssen, wie er enttäuschte Wähler zurückgewinnt. Ließe er sich von den Rechten in Eurofragen zu Untätigkeit verleiten, könnte das auf absehbare Zeit die gesamte EU lähmen. Denn Frankreich hat seit geraumer Zeit selbst Probleme mit seiner Staatsverschuldung - und leidet zugleich unter einer ausgeprägten Konjunkturschwäche.

Haben die Wähler in den Eurokrisenländern der EU einen Denkzettel verpasst?

In Griechenland ist es bei der Europawahl eindeutig so gekommen: Die EU-kritische, radikallinke Syriza wurde stärkste Kraft. Europafeindlich ist Syriza allerdings nicht: Sie kritisieren zwar scharf die internationalen Sparvorgaben, wollen aber zum Beispiel nicht mehrheitlich aus der Eurozone austreten. Im ebenfalls wirtschaftlich nicht gerade florierenden Italien entschieden die Wähler anders: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, holte die Partei des als reformfreudig und proeuropäisch geltenden Premierministers Matteo Renzi mehr als 40 Prozent der Stimmen. Der italienische Aktienindex legte daraufhin kräftig zu, italienische Staatsanleihen waren bei Anlegern gefragt.

In der Ukraine gewann der Petro Poroschenko die Präsidentenwahl deutlich. Sind die Börsen erleichtert?

Ja, das eindeutige Votum hat für Entspannung an den Märkten gesorgt. Zum Beispiel gab der Ölpreis merklich nach, was Händler vor allem als Folge der Entspannung zwischen Kiew und Moskau werteten. Die Ukraine ist ein wichtiges Transitland für Energielieferungen in den Westen. Deshalb reagiert der Ölmarkt stark auf die Entwicklung im Ukraine-Konflikt. Der relativ klare Ausgang der Präsidentschaftswahl in dem Land dürfte die Stimmung stützen, sagte Jan Bottermann, Chefvolkswirt bei der National-Bank.

Was treibt die Märkte im Moment am meisten?

Entscheidender Treibstoff für die Aktienkurse sind weiterhin Spekulationen über weitere geldpolitische Lockerungen der EZB. In der kommenden Woche könnte Zentralbankchef Mario Draghi eine weitere Senkung der Leitzinsen verkünden. Andeutungen in diese Richtung macht Draghi bereits seit Tagen. Damit würde noch mehr billiges Geld in Umlauf kommen. Die EZB fürchtet, dass die extrem niedrige Inflation in eine gefährliche Deflation umschlägt - weil Investoren und Konsumenten in Erwartung weiter sinkender Preise weniger kaufen und investieren. Das könnte die - in weiten Teilen Europas ohnehin lahmende - Wirtschaft weiter schwächen. Für Anleger bedeuten niedrigere Zinsen vor allem steigende Aktienkurse. Den denn wenn Staatsanleihen, Sparbuch und Festgeld fast nichts mehr abwerfen, sind Aktien stärker gefragt.


Von

rtr

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