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29.12.2016

22:31 Uhr

Börse New York

Wall Street schließt kaum verändert

Die Frage, die wohl alle an der Wall Street umtreibt: Wann knackt der Dow Jones die technisch und psychologisch wichtige 20.000-Punkte-Marke? Am Donnerstag notierte der Index noch deutlich darunter.

Der Dow-Jones-Index hat im laufenden Jahr knapp 14 Prozent zugelegt und damit etwa doppelt so viel wie der Dax. Reuters

New York Stock Exchange

Der Dow-Jones-Index hat im laufenden Jahr knapp 14 Prozent zugelegt und damit etwa doppelt so viel wie der Dax.

New YorkDie New Yorker Börsen haben sich am Donnerstag kurz vor dem Jahresende kaum bewegt. Zweifel über die Nachhaltigkeit der Rally seit der Wahl von Donald Trump zum künftigen US-Präsidenten dämpften die Kauflaune der Anleger zuletzt wieder. Es bleibe abzuwarten, welche Taten Trump seinen markigen Worten folgen lasse, sagte Konstantin Oldenburger, Marktanalyst bei CMC Markets. „Eine mögliche Steuersenkung, wie bereits vor und nach dem Wahlkampf angekündigt, spielt hier eine wichtige Rolle. Ein interessanter Januar steht uns also bevor. Es wird eine Art Wettkampf zwischen Zweiflern und Optimisten werden, die den neuerlichen Kursanstieg einzuordnen versuchen.“ Trump tritt sein Amt am 20. Januar 2017 an.

Der Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,1 Prozent tiefer auf 19.819 Punkten. Damit gelang es dem Index erneut nicht, die Marke von 20.000 Punkten knacken. Der breiter gefasste S&P-500 trat bei 2249 Zählern in etwa auf der Stelle. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,1 Prozent auf 5432 Punkte.

Bei den Einzelwerten legten die Aktien von Johnson & Johnson 0,3 Prozent zu. Der US-Konzern erwägt Insidern zufolge bei einer Übernahme von Actelion eine Aufspaltung des Schweizer Biotechnologieunternehmens. Die Forschungsaktivitäten könnten in eine separate börsennotierte Firma ausgelagert werden, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen. Im Zuge dessen würde der Pharma- und Konsumgüterriese aus New Jersey etwa 260 Dollar in bar je Actelion-Aktie bieten. Das ist etwas mehr als vor wenigen Wochen, als J&J vorübergehend aus dem Übernahmepoker ausgestiegen war.

Welche politischen Stolperfallen Anlegern 2017 drohen

Aktien

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax im Schnitt bis Ende 2017 bei rund 11.470 Punkten. Das wäre in etwa auf dem Niveau vom Jahresende 2016 "Die Dividendenrendite ist im Vergleich zu den Anleihe-Renditen weiterhin so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist in Ordnung", sagt Lars Thörs, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft Danske Capital. Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkaufe zurückgreifen.“

Über weite Strecken kam der Dax 2016 kaum vom Fleck. Das Plus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn geht zum größten Teil auf die Kursentwicklung im Dezember. Anfang des Monats übersprang der Dax die 11.000er Marke.

Als großen Risikofaktor für die Aktienmärkte sehen Börsianer die Wahlen in Deutschland, Frankreich den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien. „Die Welle der populistischen Ergebnisse ist für Europa 2017 eine große Bedrohung“, sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Ein zunehmender Nationalismus könnte der Anfang vom Ende der Euro-Zone sein.

Anleihen

An den Rentenmärkten werde es 2017 kaum etwas zu verdienen geben, ist sich Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim sicher. „Bei zehnjährigen Bundesanleihen gehen wir von einer negativen Gesamtrendite von etwa einem Prozent aus.“ Wenig besser dürfte es Anlegern mit US-Staatsanleihen ergehen: Hier sei eine Nullrendite zu erwarten. Die Ökonomen der Rabobank geben sich ähnlich skeptisch: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Donald Trumps Politik der Wirtschaft nachhaltigen Schub verleiht.“ Mögliche politische Spannungen könnten zudem die Attraktivität deutscher und US-Bonds als relativ sichere Anlagen erhöhen und damit die Renditen drücken.

Wegen der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit rund 0,3 Prozent etwa halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Ihre US-Pendants rentieren mit knapp 2,3 Prozent zwar höher als Anfang 2016. Jenseits des Atlantik erwarten Börsianer aber auch eine Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Staatsanleihen sind seit Jahren für Investoren ein schlechtes Geschäft, da die großen Notenbanken diese Papiere in großem Stil aufkaufen. Damit sollen die Finanzierungskosten für Staaten niedrig gehalten und die Konjunktur angekurbelt werden.

Devisen

Wegen der unterschiedlichen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik ist der Euro den Analysten der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank zufolge 2017 auf dem Weg zur Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei Kursen um die 1,04 Dollar - rund vier US-Cent weniger als Anfang Januar. Die Experten der Rabobank sagen dagegen ein Ende des Dollar -Höhenfluges voraus. Der konjunktur- und damit inflations- und zinstreibende Effekt höherer Infrastruktur-Investitionen in den USA werde voraussichtlich durch eine restriktivere Handelspolitik zunichte gemacht.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan wird dem Commerzbank-Analysten Peter Kinsella zufolge weitergehen. „Der Yuan gilt zwar als künstlich billig, doch ist er die mit Abstand teuerste Schwellenländer-Währung.“ Um Börsenturbulenzen zu vermeiden, werde China seine Valuta aber nur behutsam abwerten. Kinsella sieht den Dollar Ende kommenden Jahres bei 7,15 Yuan. In den vergangenen Monaten kletterte er um rund sechs Prozent auf etwa 6,90 Yuan. Anfang 2016 hatte eine rasche Abwertung der chinesischen Währung ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Erdöl

Im Januar treten die niedrigeren Förderquoten für die Opec-Staaten in Kraft. Viel hängt davon ab, ob sich die Mitglieder des Export-Kartells sowie Russland an die Vereinbarung halten. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass (159 Liter). Danach werden die Preise der US-Bank Goldman Sachs zufolge aber fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Dank der geplanten Kürzung der Fördermengen durch die großen Exportländer verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 56 Dollar je Barrel (159 Liter).

Andere Rohstoffe

Auf Kursverluste müssten sich Anleger an den Metallbörsen einstellen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Zwar steige durch die geplanten Infrastruktur-Investitionen in den USA und China die Nachfrage, gleichzeitig wachse aber auch das Angebot. Außerdem sei die Rally nach der US-Präsidentschaftswahl überzogen gewesen. Weinberg sieht den Kupfer -Preis bis Ende 2017 bei rund 5600 Dollar je Tonne. Seit September ist der Preis für das wichtige Industriemetall um ein Fünftel auf rund 5538 Dollar gestiegen.

Die Nachfrage nach der „Anti-Krisen-Währung“ Gold wird Analysten zufolge wegen der politischen Unwägbarkeiten anhalten. Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Ende 2017 auf rund 1300 Dollar von derzeit etwa 1150 steigt. 2016 verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent.

In Frankfurt haben sich die Börsenanleger am Donnerstag auf den Gewinnen der letzten Monate ausgeruht und vereinzelt Kasse gemacht. Der Dax fiel um 0,2 Prozent auf 11.451 Punkte, der EuroStoxx50 kam ebenfalls kaum vom Fleck. Die andauernde Scheu der Wall Street vor neuen Höchstständen drücke auf die Stimmung, sagte ein Händler.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 590 Millionen Aktien den Besitzer. 1725 Werte legten zu, 1221 gaben nach und 147 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,26 Milliarden Aktien 1411 im Plus, 1454 im Minus und 199 unverändert.

Die US-Kreditmärkte waren als sicherer Hafen gesucht und legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 7/32 auf 95-26/32. Die Rendite sank auf 2,4806 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 1/32 auf 95-29/32 und rentierte mit 3,0848 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (1)

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29.12.2016, 17:46 Uhr

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