Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.07.2012

22:40 Uhr

Börse New York

Wall Street schließt mit deutlichen Gewinnen

Positive US-Konjunkturdaten, sowie Aussagen von EZB-Präsident Draghi sorgen für Auftrieb. Um die Aktien von Zynga und Facebook machten Anleger erstmal einen großen Bogen.

Händler an der NYSE: Die Anleger reagieren erleichtert auf die Aussagen von EZB-Chef Draghi. Zudem sorgten gute US-Konjunkturdaten für Auftrieb. (Foto:Richard Drew/AP/dapd) dapd

Händler an der NYSE: Die Anleger reagieren erleichtert auf die Aussagen von EZB-Chef Draghi. Zudem sorgten gute US-Konjunkturdaten für Auftrieb. (Foto:Richard Drew/AP/dapd)

New YorkEZB-Präsident Mario Draghi hat mit seinen Äußerungen zur Krise in der Euro-Zone am Donnerstag für Zuversicht bei den Anlegern in New York gesorgt. Er schürte die Hoffnung auf ein stärkeres Eingreifen der Europäischen Zentralbank im Kampf gegen die Schuldenkrise. "Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten", sagte der Italiener in London. Dies werde ausreichen. Zudem versetzten unerwartete positive US-Konjunkturdaten Investoren an der Wall Street in Kauflaune.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging mit einem Plus von rund 1,7 Prozent auf 12.887 Punkte aus dem Handel. Er pendelte zwischen den Marken von 12.680 und 12.931. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 1,65 Prozent auf 1360 Zähler. Der Nasdaq legte um 1,4 Prozent auf 2893 Stellen zu. Der Dax ging 2,75 Prozent fester bei 6582 Zählern aus dem Handel.

Fragen und Antworten zur Kreditwürdigkeit

Warum sind Bonitätsnoten für ein Land wichtig?

Die Noten der drei führenden Agenturen S&P, Moody's und Fitch sind maßgeblich für die Finanzierungskosten der Staaten am Kapitalmarkt. Die Faustregel: Je besser die Bonitätsnote, desto günstiger das Zinsniveau, zu dem ein Land Geld aufnehmen kann.

Gilt diese Faustregel immer?

Es gibt Ausnahmen: So haben die USA trotz immenser Verschuldung und einer Herabstufung durch S&P im vergangenen Sommer nach wie vor keine Probleme, günstig Mittel einzusammeln. Die weltgrößte Volkswirtschaft gilt weiter als „sicherer Hafen“, weil der US-Dollar die globale Leitwährung ist und die Notenbank Fed bereit ist, ihn in unbegrenzten Mengen zu drucken. Diese Quasi-Versicherung gegen einen Zahlungsausfall für US-Staatsschulden überzeugt internationale Gläubiger bislang noch - zumal die Alternativen rar sind.

Welche Konsequenzen hat die S&P-Drohung für die „AAA“-Euroländer?

Die Wahrscheinlichkeit liegt nun laut S&P bei 50 Prozent, dass die verbleibenden Euro-Staaten mit Spitzenbonität ihre Bestnote in den kommenden 90 Tagen verlieren. Das sind neben Deutschland Frankreich,Österreich, Luxemburg, die Niederlande und Finnland. Frankreich, das bereits seit längerem unter Abwertungsdruck steht, könnte sogar gleich um zwei Bonitätsstufen abgesenkt werden. Zudem hat in Moody's auch die zweite große Ratingagentur das Land auf dem Kieker. Für die Euro-Rettung ist dies äußerst brisant: Mit Frankreich wackelt die zweitwichtigste Finanzierungssäule des Krisenfonds EFSF.

Was wird ohne Top-Rating aus dem Euro-Rettungsschirm?

Für den EFSF hätte ein Verlust der Spitzenbonität weitreichende Folgen. Die Topnoten der Ratingagenturen sind Voraussetzung, damit der Krisenfonds mit maximaler Schlagkraft agieren kann. Eine Herabstufung der wichtigsten Garantiegeber Deutschland und Frankreich würde auch die Note des EFSF gefährden und damit das Aus des Rettungsschirms in seiner bisherigen Konstruktion bedeuten.

Wie begründet S&P seine Entscheidung?

Der Ratingagentur zufolge haben die Probleme im Euroraum ein Maß erreicht, das die Währungszone als Ganzes unter Druck setzt. S&P kritisiert auch unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politiker. Es gebe zudem das Risiko, dass die Eurozone im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Auch Deutschland könnte nach Einschätzung der Agentur in den Abwärtssog geraten.

Ist der Rundumschlag der Ratingagentur angebracht?

Experten sind sich uneins: Die Commerzbank-Analysten bezeichnen den Vorstoß als „aggressiv“, aber vertretbar. Er unterstreiche, „dass es in dieser Krise kein Entrinnen gibt - nicht einmal für die absoluten Top-Credits in der Eurozone“. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, hat dagegen kein Verständnis. Angesichts der jüngsten Entspannung in der Schuldenkrise liefere S&P in seiner Begründung „schlichtweg und ergreifend Unwahrheiten“.

Warum droht S&P direkt vor dem nächsten EU-Gipfel mit Abstufungen?

Damit setzt die Ratingagentur die Euro-Retter unter Handlungsdruck. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Gipfel-Ergebnisse entscheidend für die weitere Bewertung der Länder der Eurozone seien. Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy könnte die Drohung zur Unzeit sogar in die Karten spielen. Merkel liefert sie Argumente dafür, die europäischen Verträge zugunsten von mehr Haushaltsdisziplin und automatischen Schuldenbremsen zu ändern. Sarkozy stärkt sie innenpolitisch den Rücken, um die Sparanstrengungen zu forcieren.

Welche Länder haben überhaupt noch Top-Bonitätsnoten?

Weltweit verfügen noch nicht einmal 20 Staaten über ein „AAA“-Rating von S&P, dazu zählen aber auch einige Steueroasen und Zwergstaaten. In Europa verfügen - noch - zwölf Länder über ein Top-Rating. Von den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) sind es fünf. Dazu gehören Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien. Industriegiganten wie die USA („AA+“), China („AA-“) oder Japan („AA-“) sind nicht darunter. Investoren reagieren jedoch häufig erst auf Herabstufungen, wenn mindestens zwei Agenturen sie vornehmen. Die USA beispielsweise werden von Fitch und Moody's bislang noch mit „Triple A“ bewertet.

Worauf gründen Ratingagenturen eigentlich ihre Entscheidungen?

Grundsätzlich legen die großen Agenturen ihre Methodik nicht im Detail offen. Kritiker bemängeln besonders im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum, dass die Ratingunternehmen lediglich den Marktentwicklungen folgen und auf neue Zuspitzungen reagieren, auch wenn diese fundamental nicht immer gerechtfertigt seien. Experten sehen den harten Kurs allerdings auch im Zusammenhang mit den laschen Bewertungsstandards während der US-Hypothekenkrise waren. Damals mussten sich die Bonitätsprüfer häufig den Vorwurf gefallen lassen, riskante Papiere tendenziell zu positiv zu bewerten.

Draghi habe mit seinen Äußerungen Anleger beruhigt und den Markt gestützt, sagte Art Hogan von Lazard Capital Markets. Die EZB allein könne die Krise aber nicht lösen. Draghi werde die Unterstützung Deutschlands benötigen. "Und wir werden ja sehen, ob das kommt." Auch andere Analysten sahen die Äußerungen Draghis als positive Überraschung.

Zur guten Stimmung trugen zudem positive Daten vom sonst eher schwächelnden US-Arbeitsmarkt bei. In der vergangenen Woche füllten 353.000 Amerikaner einen neuen Antrag auf Arbeitslosenhilfe aus - 35.000 weniger als in der Woche zuvor. Gemischte Signale kamen aus der US-Industrie. Sie zog im Juni 1,6 Prozent mehr Aufträge für langlebige Güter wie Maschinen und Fahrzeuge an Land - viermal so viel wie erwartet. Getrübt wird das Bild aber dadurch, dass das kräftige Plus vor allem der starken Nachfrage nach Flugzeugen zu verdanken ist.

Zu gefragten Papieren zählten etwa Sprint-Nextel -Papiere, die um mehr als 20 Prozent zulegten. Der US-Mobilfunkanbieter sprüht vor Zuversicht für das Gesamtjahr und hob seinen Ausblick an.

Auch die Anteilscheine des Ölkonzerns Exxon Mobil verteuerten sich, und zwar um 1,5 Prozent. Trotz des gesunkenen Ölpreises glänzte der Marktführer im zweiten Quartal mit einem Gewinnsprung von 49 Prozent auf 15,9 Milliarden Dollar.

Um mehr als zwölf Prozent stiegen die Aktien von InterOil. Der Unternehmen stellt verflüssigtes Erdgas her und verhandelt mit Royal Dutch Shell über den Verkauf von Lizenzen und eines Terminals in Papua-Neuguinea.

Um die Aktien des Internetkonzerns Facebook machten die Anleger einen großen Bogen. Der Internetspiele-Anbieter Zynga wird für seinen Partner Facebook zum Ballast. Nach einem schwachen Quartal musste das Zynga-Management seine Geschäftsziele drastisch stutzen: Die Kundschaft gibt weniger Geld aus, und die Investoren laufen in Scharen weg. Die Papiere des weltweit größten sozialen Netzes notierten 8,5 Prozent im Minus. Zynga-Aktien verloren etwa 37,5 Prozent. Nach Börsenschluss gab Facebook einen Quartalsverlust bekannt. Der Umsatz stieg aber um ein Drittel. Die Aktie fiel im nachbörslichen Handel weiter.

Die Aktien des größten US-Chemiekonzerns Dow Chemical gaben 3,6 Prozent nach. Denn beim BASF -Rivalen brach der Gewinn im zweiten Quartal um 34 Prozent ein. Dow Chemical begründete die Talfahrt mit der weltweit schwächelnden Nachfrage. Vor allem in Europa seien die Geschäfte in der Schuldenkrise schwierig.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 900 Millionen Aktien den Besitzer. 2201 Werte legten zu, 819 gaben nach, und 83 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,95 Milliarden Aktien 1614 im Plus, 851 im Minus und 133 unverändert.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×