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13.12.2016

22:27 Uhr

Börse New York

Wall Street setzt Rekordjagd fort

An der Wall Street griffen die Anleger am Dienstag bei Aktien zu. Grund: Die Märkte hofften auf positive Impulse durch die Trump-Regierung. Da tritt der am Mittwoch fällige Fed-Zinsentscheid in den Hintergrund.

Die US-Anleger setzen auf Donald Trumps Wirtschaftspolitik. Die Kurse steigen weiter. dpa

Wall Street

Die US-Anleger setzen auf Donald Trumps Wirtschaftspolitik. Die Kurse steigen weiter.

New YorkAm Tag vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der Notenbank Fed haben die US-Börsen erneut zugelegt. "Der Markt ist immer noch im 'Trump-Modus', in dem er Wirtschaftswachstum und positive Impulse für den Arbeitsmarkt durch die neue Regierung erwartet", sagte Andre Bakhos, Geschäftsführer des Vermögensberaters Janlyn. Unter Börsianern gilt als sicher, dass die Fed den Leitzins am Mittwoch um ein Viertelpunkt anhebt. Die große Frage sei aber, wie rasch sie 2017 die geldpolitischen Zügel anziehen werde, betonte Kaneo Ogino, Manager beim Analysehaus Global-Info. Bislang rechnen Anleger für das kommende Jahr meist mit zwei Schritten nach oben.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,6 Prozent höher auf 19.911 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 0,6 Prozent auf 2271 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verbesserte sich um 0,9 Prozent auf 5463 Punkte. Alle drei Indizes markierten neue Allzeithochs.

Wie der Wall Street Handel lief

Wall Street erwartet Leitzinserhöhung

Wie der Wall Street Handel lief: Wall Street erwartet Leitzinserhöhung

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Bei den Einzelwerten brachen Inovalon um 35 Prozent ein. Der Anbieter von Datenanalyse für Pharma- und Medizintechnikfirmen stellte für das Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von 426 bis 428 Millionen Dollar in Aussicht. Analysten hatten bislang knapp 473 Millionen Dollar erwartet. Die Anteilsscheine von Eli Lilly verteuerten sich dagegen um 1,5 Prozent, nachdem der Pharmakonzern eine Dividendenerhöhung angekündigte.

Angeführt von den Finanzwerten setzten die europäischen Börsen ihre Weihnachtsrally fort. In der Hoffnung auf eine schnelle Sanierung der angeschlagenen Institute stiegen Investoren vor allem bei italienischen Banken ein. Deren Branchenindex stieg um 5,8 Prozent. Der Dax markierte in Frankfurt mit 11.300 Punkten zeitweise ein Zwölf-Monats-Hoch und verabschiedete sich mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 11.284 Zählern in den Feierabend. Der EuroStoxx50 legte 1,3 Prozent auf 3239 Punkte zu. Der europäische Banken-Index gewann 1,2 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 910 Millionen Aktien den Besitzer. 1764 Werte legten zu, 1207 gaben nach und 125 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,06 Milliarden Aktien 1610 im Plus, 1278 im Minus und 184 unverändert.

Die US-Kreditmärkte legten im Vorfeld der Zinsentscheidung zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 1/32 auf 95-27/32. Die Rendite sank auf 2,4732 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 17/32 auf 95-1/32 und rentierte mit 3,1328 Prozent.

Was die Fed mit ihrer Zinserhöhung bewirkt

Was ist der Leitzins der US-Zentralbank?

Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich US-Banken untereinander Geld leihen, um ihre Reserven bei der Zentralbank auf der gesetzlich vorgeschriebenen Höhe zu halten und den sogenannten Mindestreservesatz einzuhalten. Dabei verleihen Banken, die gerade einen Reserveüberschuss bei der Fed haben, Geld an Banken, die für die Kreditvergabe auf ihre Reserven bei der Fed zurückgreifen mussten. Dabei wird häufig von Übernachtkrediten gesprochen.

Warum ist der Leitzins derzeit so niedrig?

Als die US-Wirtschaft 2007 ins Stocken geriet, senkte die Fed den Leitzins drastisch in zehn Schritten: Von 4,75 Prozent im September 2007 auf ein Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent im Dezember 2008. Damit wollte die US-Notenbank eine komplette finanzielle Implosion verhindern. Erst im Dezember 2015 gab es wieder eine Anhebung.

Warum wird der Leitzins geändert?

Leitzinsänderungen wirken sich auf die Wirtschaft aus, sie beeinflussen die Zinssätze für kurzfristige und langfristige Anleihen, den Wechselkurs des Dollar und eine Menge anderer Faktoren, darunter die Beschäftigung und Verbraucherpreise. Für die Zentralbank ist der Leitzins ein Instrument, um die Entwicklung von Konjunktur und Preisen in einer Volkswirtschaft zu beeinflussen. Liegt die Wirtschaft am Boden, können die Zentralbanker über niedrige Zinssätze und damit billiges Geld das Wachstum anschieben. Wenn die Konjunktur heiß läuft, können sie einer drohenden Inflation mit höheren Zinssätzen entgegenwirken.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Leitzins nahe Null?

Der niedrige Zinssatz hat die Kreditvergabe erleichtert. Das billige Geld ermutigte zum Haus- und Autokauf und half damit dem Wohnungsbau und der Automobilindustrie. Auf der anderen Seite treffen die niedrigen Zinsen jedoch die Ersparnisse und Vermögenswerte der Verbraucher, die kaum noch Rendite bekommen. Gleichzeitig können sie die Voraussetzung für eine neue Inflation schaffen.

Welche Folgen wird eine Zinserhöhung haben?

Die Auswirkungen dürften sich in den USA in Grenzen halten. An den Finanzmärkten wird die Anhebung seit Längerem erwartet und ist eingepreist. Auch die Investitionen etwa in Immobilien werden nach Ansicht von Analysten nicht spürbar gebremst, da die Erhöhung nur gering ausfallen dürfte. Für Verbraucher, die einen Immobilienkredit aufgenommen haben, ändert sich wenig, da in den USA inzwischen eine längerfristige Zinsbindung üblich ist. Manche Analysten sehen Probleme auf Schwellenländer zukommen – höhere Leitzinsen machen in Dollar notierte Anlageprodukte attraktiver.

Quelle: Reuters

Von

rtr

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