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19.09.2013

22:45 Uhr

Börse New York

Wall Street verliert an Schwung

Die Freude über die Fortsetzung der US-Geldschwemme scheint verflogen. Die US-Indizes treten auf der Stelle. Unter den Einzelwerten sorgt Elektroauto-Hersteller Tesla für Aufsehen. Die Börse schließt uneinheitlich.

Händler an der NYSE: Die Geldschwemme durch die US-Notenbank geht vorerst ungebremst weiter. Börsianer zeigen sich verwundert und begeistert zugleich. ap

Händler an der NYSE: Die Geldschwemme durch die US-Notenbank geht vorerst ungebremst weiter. Börsianer zeigen sich verwundert und begeistert zugleich.

New YorkDie Euphorie über anhaltende Geldspritzen der US-Notenbank (Fed) ist an der Wall Street rasch verflogen. Einen Tag nach der überraschenden Entscheidung der Fed, auf eine Drosselung der Konjunkturhilfen zu verzichten, traten die US-Börsen am Donnerstag auf die Bremse. Die Zentralbank wird weiter über Wertpapierankäufe monatlich 85 Milliarden Dollar in die heimische Wirtschaft pumpen. Wann sie diese zurückfahren wird, ließ Fed-Chef Ben Bernanke offen. Erst müsse sich das Wachstum festigen und der Arbeitsmarkt weiter erholen, argumentieren die Notenbanker.

Die Wirtschaft verbessere sich nur langsam, sagte Mark Lehmann, Präsident von JMP Securities. Die Erholung sei aber für viele robust genug, um weiter in Aktien zu investieren. "Der Aktienmarkt ist immer noch das beste Haus in einem schwierigen Viertel, die beste Anlageklasse zumindest bis zum Jahresende", ergänzte Lehmann.

Die Gewinner und Verlierer der Fed-Entscheidung

Immobilienfinanzierung

Verlierer: Alle, die in den vergangenen zwei Wochen eine Immobilienfinanzierung abgeschlossen haben: Der Zins für eine 30-jährige Hypotheken-Anleihe des Immobilienfinanzierers Fannie Mae lag zeitweise bei vier Prozent. Nach der Fed-Entscheidung fiel er auf 3,35 Prozent. Das signalisiert, dass die Zinskosten für langfristige Finanzierungen zum Wohnungs- oder Häuserkauf fallen dürften.

Dollar

Verlierer: Er fiel so stark wie seit drei Monaten nicht mehr, und das gleich gegen einen ganzen Korb von anderen Währungen. Der Greenback war deshalb so billig wie seit Februar nicht mehr. Investoren hatten sich seit Wochen darauf eingestellt, dass die Fed deutlich weniger Geld in den Markt pumpen und absehbar eine Zinswende einleiten wird. Höhere Zinsen würden auch eine höhere Rendite für den Dollar nach sich ziehen.

Anleihen

Verlierer: Anleihe-Investoren - zumindest die, die Fed-Chef Ben Bernanke beim Wort genommen und auf einen Einstieg in den Ausstieg der extrem lockeren Geldpolitik gesetzt hatten. Allein in der vergangenen Woche wurden 85.000 Future-Kontrakte für zehnjährige US-Staatsanleihen auf "Verkaufen" gestellt, weil die Anleger mit fallenden Kursen rechneten. Doch das Gegenteil passierte: Der Kurs kletterte wegen der überraschenden Fed-Entscheidung.

Gold

Gewinner: Der Preis für das Edelmetall stieg um 4,2 Prozent. Noch stärker legten die Kurse der Bergwerksbetreiber zu. Der Nyse Arca GoldMiners Index kletterte um 9,2 Prozent. Börsengehandelte Fonds (ETF) verzeichneten noch größere Gewinne: Der Direxion Daily Gold Miners Bull 3x fund stieg um 27,5 Prozent, wobei 9,6 Millionen Papiere gehandelt worden - so viele wie noch nie. Der Kurs für das als sicherer Anlagehafen genutzte Edelmetall war zuvor in diesem Jahr um rund 20 Prozent gefallen, da Anleger auf ein Ende der Geldflut spekuliert hatten.

Euro

Gewinner: Er kletterte auf 1,3555 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit siebeneinhalb Monaten. Die Gemeinschaftswährung gewann mehr als ein Prozent zum Yen und kostete 133,985 Yen, damit ist er so teuer wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Angesichts der anhaltend lockeren Fed-Geldpolitik fragen Investoren riskantere Anlagen nach und stoßen als sichere Häfen geltende Investments wie den Yen ab.

US-Häuslebauer

Gewinner: Die stark gefallenen Zinsen versprechen Rückenwind für Bauherren, die ihre Immobilien mit Krediten finanzieren. Die Papiere des Projektentwicklers D.R. Horton gewannen 6,9 Prozent und die von KB Home 8,2 Prozent, weil Investoren mit steigenden Aufträgen rechnen.

William Shatner, besser bekannt als "Captain Kirk"

Gewinner: Noch nie in der langen Geschichte des S&P-500-Indexes ist eine einzelne Aktie 1000 Dollar oder mehr wert gewesen. Der Reise-Anbieter Priceline.com - der in seinen Anzeigen mit dem "Star Trek"-Darsteller Shatner wirbt - könnte diese Marke nun knacken. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 995,09 Dollar.

Peter Cardillo von Rockwell Global Capital äußerte die Vermutung, dass die erwartete geldpolitische Wende der Fed schon bald wieder auf die Tagesordnung kommen könnte. "Vielleicht verdaut der Markt kommende Woche mehr Informationen und kommt dann zu dem Schluss, dass die Drosselung noch nicht vom Tisch ist." Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, verwies auf die IWF-Konjunkturprognose für die USA. Diese lege nahe, dass die Fed zum Jahresende mit der Reduzierung ihrer Ankäufe beginnen werde.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,3 Prozent tiefer mit rund 15.637 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,2 Prozent auf 1722 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann dagegen 0,15 Prozent auf 3789 Punkte. Am Mittwoch hatte die Fed-Entscheidung sowohl den S&P-500 als auch den Dow auf neue Rekordwerte getrieben.

Von

rtr

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