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23.09.2015

22:36 Uhr

Börse New York

Zahlen aus China belasten die Wall Street

Den US-Börsen macht die Weltwirtschaft Kummer – üble Konjunkturdaten aus China schlugen den Händlern kräftig auf den Magen. Gefragt waren Titel einer Pharmafirma. Boeing konnte von einem Auftrag nicht profitieren.

Wie der Wall Street-Handel lief

Autosektor nach VW-Skandal gewaltig unter Druck

Wie der Wall Street-Handel lief: Autosektor nach VW-Skandal gewaltig unter Druck

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New YorkSorgen um die Weltwirtschaft haben am Mittwoch den Anlegern an den US-Börsen zu schaffen gemacht. Die Geschäfte der chinesischen Industrie liefen im September so schlecht wie seit der Weltwirtschaftskrise 2009 nicht mehr. Die Daten zeichneten ein unerwartet pessimistisches Bild, erklärte NordLB-Analyst Frederik Kunze. Die Furcht vor einer deutlichen Wachstumsdelle in China dürfte bei vielen Anlegern zunehmen. "Die Stimmung ist herbstlich trüb. Viele fürchten, dass die Lage in China sich verschlechtert und auch die US-Wirtschaft nicht so brummt wie gedacht", fasste ein Börsianer zusammen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent tiefer auf 16.279 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,2 Prozent auf 1938 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 0,1 Prozent auf 4752 Punkte. In Frankfurt war der Dax 0,4 Prozent höher auf 9612,62 Punkten aus dem Handel gegangen nach einem Kurseinbruch von rund vier Prozent am Vortag. Der EuroStoxx legte lediglich 0,1 Prozent auf 3079,99 Zähler zu.

In den USA waren bei den Einzelwerten die Titel von Heron Therapeutics gefragt, die wegen Studienerfolgen bei einem Schmerzmittel fast 22 Prozent in die Höhe schossen. Genau andersherum erging es Oncogenex Pharmaceuticals. Die Titel schmierten um rund 14 Prozent ab, nachdem der Medikamentenhersteller Studienrückschläge bei seiner Therapie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs gemeldet hatte.

Die Aktien von Boeing ließen 1,7 Prozent Federn, obwohl der Flugzeugbauer einen milliardenschweren Großauftrag aus China erhalten hat. Der US-Konzern werde 300 Flugzeuge in das asiatische Land liefern, teilte der Airbus -Rivale während eines Besuchs des chinesischen Präsidenten Xi Jinping im Boeing-Werk in Everett mit. Der Wert des Auftrags beträgt nach Listenpreis 38 Milliarden Dollar.

Wie es nach dem Fed-Entscheid weitergeht

Zinswende bleibt vorerst aus

Noch scheuen sich die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen, erstmals seit Jahren wieder am Geldhahn zu drehen. Allerdings könnte die US-Notenbank noch in diesem Jahr handeln – und damit auch die Konjunktur im Euroraum anschieben. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen in den USA, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, auf dem Tief zwischen null und 0,25 Prozent.

Warum hat die Fed die Zinsen diesmal nicht angehoben?

Ein Hauptgrund sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Im August hatte ein Kurssturz in China Europas Börsen in einen Abwärtsstrudel gezogen und an der Wall Street für massive Verluste gesorgt. „Wir achten insbesondere auf China und aufstrebende Märkte“, sagt Yellen. Die Fed spricht von „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen“, die den Aufschwung gefährden könnten.

Spielt das die Hauptrolle für die Entscheidung der Notenbanker?

Nein. Am wichtigsten sind hohe Beschäftigung und ein stabiles Preisniveau. Die Inflation liegt aber noch deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent, und vom Arbeitsmarkt kommen trotz hoffnungsvoller Zeichen zwiespältige Signale. Aus Sicht von Ökonomen wie Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ist eine Zinserhöhung angesichts der US-Konjunktur aber schon lange überfällig: „Die US-Wirtschaft dürfte weiter kräftig wachsen, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung und die Inflation, obwohl auf niedrigem Niveau, sollte sich in Richtung Zielwert der Fed von zwei Prozent bewegen.“ Die aktuelle US-Konjunkturlage verlange eine Bewegung hin zu Leitzinsen zwischen 2 und 3 Prozent.

Also geht die Spekulation um die Zinswende weiter?

Die Mehrzahl der Notenbanker ist nach wie vor der Meinung, dass die Fed das Ende ihre Nullzinspolitik noch dieses Jahr einläuten sollte. Der Offenmarktausschuss tagt bis Jahresende nur noch zweimal: Ende Oktober und am 16. Dezember. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet spätestens im Dezember die Zinswende: „Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit.“

Ist die Fed zu zaghaft?

Nach Einschätzung vieler Beobachter schon. „Einen Zeitpunkt, zu dem eine Zinserhöhung in einer völlig stabilen weltwirtschaftlichen Situation erfolgt und keine Risiken birgt, wird es kaum geben“, warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Das Problem ist, dass der Druck mit jedem Aufschub zunimmt. Schließlich soll beim ersten Zinsschritt nicht der Eindruck entstehen, dass die Ära des ultrabilligen Geldes schlagartig vorüber ist. „Die Haltung der Geldpolitik wird vermutlich noch für einige Zeit nach der anfänglichen Erhöhung der Leitzinsrate hochexpansiv bleiben“, versichert Yellen deshalb.

Warum sind die Zinsen überhaupt auf dem Rekordtief?

Mit den Mini-Zinsen hatte die Fed auf die Finanzkrise von 2008 und die folgende Rezession reagiert. Bei niedrigen Zinsen investieren Unternehmen tendenziell mehr, Verbraucher geben mehr Geld aus. Das schiebt die Konjunktur an.

Welche Folgen hätte eine Zinserhöhung?

Höhere Zinsen verhindern Blasen etwa an Immobilien- und Aktienmärkten sowie eine zu hohe Inflation. Banken verleihen mehr Geld, statt es zu parken. Für viele Sparer sind Zinserträge auch eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings würde der Dollar an Wert gewinnen, wenn gleichzeitig andere Notenbanken auf Null-Zins-Kurs bleiben. Das hätte zwei Konsequenzen, betont Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang: „Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.“

Wird die EZB die Zügel im Euroraum bald anziehen?

Nein. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Geldschleusen noch lange weit geöffnet und den Zins nahe der Nulllinie lassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat sogar weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Liane Buchholz vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) rechnet frühestens 2017 mit einem ersten Zinsschritt: „Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns noch länger begleiten.“ Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was würde eine frühere Zinserhöhung in den USA für Europa bedeuten?

Steigen die Zinsen in den USA, aber nicht in Europa, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. In Dollar gehandelte Importe wie Rohstoffe werden so im Euroraum teurer. Das stärkt den mickrigen Preisauftrieb. Gleichzeitig werden hiesige Produkte auf dem Weltmarkt günstiger. Das befeuert den Export und die Konjunktur im Euroraum.

Auf den Verkaufslisten der Börsianer standen auch die Anteilsscheine von NCR. Die rund zehn Milliarden Dollar schwere Übernahme des weltgrößten Geldautomaten-Herstellers durch den Finanzinvestor Blackstone ist nach Reuters-Informationen in Gefahr. Blackstone sei es nicht gelungen, eine Vereinbarung mit dem Wincor-Nixdorf -Konkurrenten auszuhandeln, sagten mit der Sache vertraute Personen. NCR-Scheine verloren 4,5 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 780 Millionen Aktien den Besitzer. 1242 Werte legten zu, 1782 gaben nach und 147 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,59 Milliarden Aktien 1185 im Plus, 1609 im Minus und 160 unverändert.

Die US-Kreditmärkte gaben leicht nach. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 6/32 auf 98-22/32. Die Rendite stieg auf 2,148 Prozent. Der 30-jährige Bond sank 9/32 auf 98-20/32 und rentierte mit 2,945 Prozent. Händler verwiesen unter anderem auf eine extrem schwache Nachfrage nach zweijährigen Staatspapieren im Volumen von 13 Milliarden Dollar.

Von

rtr

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