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22.08.2016

22:16 Uhr

Börse New York

Zinsgerüchte und Ölpreise lasten auf der Wall Street

Spekulationen über eine Zinserhöhung bestimmten den Handel an der Wall Street. Der Dow Jones gab zum Wochenstart nach. Für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgten zudem die sinkenden Rohölpreise.

Sinkende Ölpreise und hochkochende Spekulationen um den geldpolitischen Kurs der Fed lasten auf dem Dow Jones. AP

Die Wall Street unter Druck

Sinkende Ölpreise und hochkochende Spekulationen um den geldpolitischen Kurs der Fed lasten auf dem Dow Jones.

New YorkSinkende Ölpreise sowie Zinsspekulationen haben die Wall Street zum Wochenbeginn belastet. Börsianer verwiesen auf zunehmende Erwartungen, dass die US-Notenbank in den kommenden Monaten die Zinsen erhöht. Weitere Aufschlüsse erhoffen sich Anleger vom Auftritt von Fed-Chefin Janet Yellen am Freitag auf dem jährlichen Treffen internationaler Notenbanker im amerikanischen Jackson Hole. "Die Märkte werden etwas nervös", sagte Marktstratege Robert Pavlik vom Vermögensverwalter Boston Private Wealth. Von Bedeutung seien insbesondere Hinweise auf eine Zinserhöhung im September.

Ebenfalls auf die Stimmung drückte ein Rückgang der Ölpreise. Analysten bezweifeln, dass bei den anstehenden Verhandlungen der Ölproduzenten eine Eindämmung der Überversorgung erreicht wird.

Wie der Wall Street Handel lief

Launenhafter Ölmarkt

Wie der Wall Street Handel lief: Launenhafter Ölmarkt

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss um 0,1 Prozent tiefer bei 18.529 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab um 0,1 Prozent auf 2183 Stellen nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann dagegen um 0,1 Prozent auf 5245 Zähler.

Unter den Einzelwerten standen Medivation im Blick, die knapp 20 Prozent in die Höhe schossen. Der Krebsspezialist soll für rund 14 Milliarden Dollar von Pfizer übernommen werden. Pfizer-Anteilsscheine gaben um 0,4 Prozent nach.

Deutlich nach oben ging es für Valeant, die fast neun Prozent anzogen. Die Aktionäre des hoch verschuldeten kanadischen Pharmakonzerns begrüßten die Berufung eines neuen Finanzchefs.

Die Aktien des Chipherstellers Intersil legten rund 20 Prozent zu. Der japanische Konzern Renesas steht einem Insider zufolge vor der Übernahme.

Die Folgen des Billigöls

1. Billiges Erdöl treibt die Wirtschaft an

Tatsache ist: Europas Verbrauchern nutzen die Niedrigpreise sehr. Im Februar war Energie im Euroraum dem Statistikamt Eurostat zufolge 8,0 Prozent günstiger als vor einem Jahr, bei Haushaltsenergie und Sprit in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 8,5 Prozent. Von Mitte 2014 bis Ende 2015 verbilligte sich das „schwarze Gold“ um zwei Drittel, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut meldete beim Rohstoffpreis-Index den tiefsten Stand seit 2004. Die Deutschen gaben 2015 laut Mineralölverband 13,5 Milliarden Euro weniger für Sprit und Heizöl aus. Auch große Teile der Industrie freuen sich: Je billiger der Schmierstoff der Weltwirtschaft, umso mehr Entlastung im Einkauf.

Wahr ist aber auch: Die Chemie zum Beispiel muss bessere Konditionen oft mit niedrigeren Preisen für Kunst- oder Farbstoffe an ihre Kunden weitergeben. Beim Branchenriesen BASF etwa sank der Überschuss 2015 auch deshalb um fast ein Viertel auf rund 4 Milliarden Euro.

2. Bald steigen die Ölpreise stark, dann kommt das böse Erwachen

„Langfristig dürfte ein steigender (Öl-)Preis die Geldentwertung anheizen“, glaubt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Gefahr: Wenn es mächtigen Förderländern gelingt, das Fracking in den USA aus dem Markt zu drängen, könnte das Angebot knapp werden und die Kosten hochkatapultieren. Für Flüssigtreibstoffe ermittelte die französische Bank Société Générale von 2005 bis 2015 einen Rückgang der Preise um fast 30 Prozent. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht aber allerspätestens 2021 deutliche Erhöhungen. „Für Verbraucher ist es einfach, sich durch niedrige Preise einlullen zu lassen, aber sie sollten die Signale nicht überhören“, warnte IEA-Chef Fatih Birol.

Zwar ist vor allem die kühlere Konjunktur in China ein Grund; dort gab es 2015 mit 6,9 Prozent das schwächste Wachstum seit 25 Jahren. Aber auch unklare Ziele des Opec-Kartells spielen eine Rolle. Der Iran will nach dem Ende der Sanktionen Öl exportieren, die Saudis und das Nicht-Opec-Mitglied Russland peilen eine Deckelung der Produktion an. Wenn mehr US-Quellen dicht machen, könnten am Ende Engpässe - so fürchtet Birol - zu „nach oben schießenden Ölpreisen“ führen.

3. Das Billigöl würgt den Börsen-Boom endgültig ab

Weltweit haben Aktienbesitzer nach dem Jahreswechsel herbe Verluste einstecken müssen. Ein Grund, der neben der befürchteten schwächeren Weltkonjunktur oft genannt wird: das Ölpreis-Tief. Dauerhaft billige Rohstoffe werten die Märkte als Zeichen schrumpfender Nachfrage.

Chinas Schwäche sorgt weiter für Zweifel - zusammen mit den dortigen Finanzmarkt-Turbulenzen und Exporten, die im Februar um ein Fünftel einbrachen. Und wie lange können Förderer Kredite voll bedienen? „Wir erwarten, dass Banken in ölexportierenden Regionen ein höheres Gläubiger-Risiko haben“, warnt die Ratingagentur Moody's. Sie prüft eine Abstufung von zwölf Förderländern, darunter Russland und Saudi-Arabien. Das Preistief werde wohl noch „mehrere Jahre“ dauern.

4. Das Klima verliert, denn günstiges Öl blockiert die Energiewende

Beim Pariser Klimagipfel Ende 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft auf einen Verzicht auf fossile Brennstoffe bis Ende des Jahrhunderts. Solange die Abkehr von Öl, Gas und Kohle nicht klappt, verschleppt das Ölpreis-Tief die Energiewende zusätzlich, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Deutschlandfunk: „Ein niedriger Ölpreis behindert den Umstieg Richtung Energiesparen.“ Prognosen zum Welt-Energiebedarf gibt es viele. So erwartet BP, dass die Fossilen auch 2035 den Löwenanteil (60 Prozent) zur globalen Versorgung beitragen, obwohl erneuerbare Quellen parallel zulegen.

Die Schwellenländer wollen jedoch mehr Wohlstand - und brauchen dafür mehr Energie. Andererseits entlasten niedrige Ölpreise sie nur dann, wenn rückläufige Verkäufe sie nicht treffen. IWF-Chefin Christine Lagarde bot Hilfe an: „Der IWF steht offen für alle Mitglieder.“

5. „Die Elektroauto-Industrie wird unter niedrigen Ölpreisen leiden“

Dies sagt nicht irgendwer - sondern der schillernde Gründer des US-Elektroautobauers Tesla, Elon Musk. Über seine bei CNN geäußerte Einschätzung kann man streiten: Es gibt viele Faktoren, die eine „Verkehrswende“ erschweren. Elektroautos sind gegenüber Benzinern meist teuer, die Reichweite ist gering. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen 2015 in Deutschland gerade 12 363 reine E-Autos zusätzlich auf die Straße, verglichen mit der Gesamtzahl von 3,2 Millionen Pkw. Die Bundesregierung hat zu möglichen Subventionen noch keine klare Linie.

In der Auto-Nation USA jedenfalls schiebt das billige Öl den Absatz von Spritschluckern an. Nach Zahlen der Deutschen Bank stieg der Verkaufsanteil leichter Trucks dort zwischen 2000 und 2015 von 50 auf über 60 Prozent, während normale Pkw zuletzt 40 Prozent erzielten. Ursache: „das enorme Abrutschen der Öl- und damit der Benzinpreise“.

An Europas Börsen ging es bergab. Der Dax verlor 0,5 Prozent auf 10.494 Punkte. Auch der EuroStoxx50 schloss leichter. Zeitweise waren beide Indizes um rund ein Prozent gestiegen, ehe große Verkaufsorders in einem sehr dünnen Markt die Kurse ins Minus drückten. "Der Dax ist heute sprichwörtlich in ein Sommerloch gefallen", kommentierte CMC-Marktes-Analyst Jochen Stanzl.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 700 Millionen Aktien den Besitzer. 1483 Werte legten zu, 1463 gaben nach, und 160 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,55 Milliarden Aktien 1529 im Plus, 1290 im Minus und 191 unverändert.

Die US-Kreditmärkte legten vor der Yellen-Rede zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 12/32 auf 99-20/32. Die Rendite sank auf 1,54 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 1-3/32 auf 100-10/32 und rentierte mit 2,24 Prozent.

Von

rtr

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