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03.11.2014

23:30 Uhr

Börse New York

Zurückhaltung an der Wall Street

An den US-Börsen herrscht gemischte Verkaufslaune. Doch einige Einzelwerte sorgten für Furore: Eine Marketing-Aktie schießt um 42 Prozent in die Höhe und auch in der Medizinbranche gab es eine Milliardenübernahme.

An der Wall Street sorgt der Publicis-Deal für Aufregung. AFP

An der Wall Street sorgt der Publicis-Deal für Aufregung.

New YorkNach der Börsenrally der vergangenen Woche hat am Montag eine gemäßigte Kauflaune den Handel an der Wall Street bestimmt. Experten zufolge befindet sich der Markt weiter auf dem Weg nach oben, aber die Luft dürfte allmählich dünner werden. "Es gibt für Investoren keine wirkliche Alternative zum US-Aktienmarkt", sagte Anlagestratege Paul Schatz von Heritage Capital. Mittlerweile komme es aber verstärkt darauf an, die richtigen Branchen auszuwählen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,1 Prozent tiefer auf 17.366 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 trat bei 2017 Punkten auf der Stelle. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann dagegen 0,2 Prozent auf 4638 Punkte. Dow und S&P hatten im Handelsverlauf neue Rekordstände markiert, nachdem die Unternehmen in der laufenden Bilanzsaison überwiegend ermutigende Zwischenberichte vorgelegt hatten.

Im Blick der Investoren standen Autowerte. General Motors gaben 0,7 Prozent nach. Der US-Absatz der Opel-Mutter im Oktober lag unter den Erwartungen. Auch Ford büßten ein, die Aktien verloren 0,7 Prozent.

Für Aufsehen sorgten Pläne für Großübernahmen. Der französische Werbekonzern Publicis greift sich für 3,7 Milliarden Dollar den US-Marketingdienstleister Sapient. Der Sapient-Kurs schoss an der Nasdaq 42 Prozent in die Höhe.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Auch in der Branche für medizinische Diagnostik kommt es zu einem Milliardendeal. Der US-Konzern LabCorp kauft für 6,1 Milliarden Dollar den Auftragsforschungs-Spezialisten Covance. Dessen Kurs schnellte um 26 Prozent hoch. LabCorp dagegen sackten sieben Prozent ab.

An der Nasdaq trugen Chip-Titel zu den Kursgewinnen bei. Anleger kauften etwa Micron, die 1,3 Prozent anzogen.

Ohne großen Widerhall blieben Konjunkturdaten. So wuchs die Industrie im Oktober überraschend wieder, wie die Umfrage des Institute for Supply Management (ISM) unter Unternehmen zeigt. Das entsprechende Barometer stieg um 2,4 auf 59,0 Punkte. Dagegen sanken die Bauausgaben überraschend den zweiten Monat in Folge. Sie fielen im September um 0,4 Prozent, während Experten mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet hatten.

In Frankfurt schloss der Dax 0,8 Prozent tiefer bei 9251 Punkten. "Angesichts der laufenden Bilanzsaison und der Sitzung der EZB am Donnerstag wollen sich die Anleger nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen", sagte ein Händler.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 800 Millionen Aktien den Besitzer. 1511 Werte legten zu, 1565 gaben nach und 136 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,01 Milliarden Aktien 1199 im Plus, 1488 im Minus und 140 unverändert.

Die US-Kreditmärkte gaben nach. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 5/32 auf 100-7/32. Die Rendite stieg auf 2,351 Prozent. Der 30-jährige Bond sank 8/32 auf 101-1/32 und rentierte mit 3,073 Prozent. Händler begründeten die Abschläge mit dem überraschendem Wachstum der Industrie.

Von

rtr

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