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20.04.2013

16:23 Uhr

Börse Pakistan

Mit Schwarzgeld an die Spitze

Mit fast 50 Prozent Plus gehörte die Börse Karachi im vergangenen Jahr zu den stärksten Aktienmärkten weltweit. Für ausländische Investoren mit Renditedrang ist das Land ein Geheimtipp. Doch eine Anlage ist heikel.

Karachi Stock Exchange: 300 Prozent Rendite in drei Jahren. Reuters

Karachi Stock Exchange: 300 Prozent Rendite in drei Jahren.

KarachiWer von Pakistans Metropole Karachi mit ihren 18 Millionen Einwohnern hört, denkt vermutlich eher an Taliban und Al-Kaida, aber nur selten an eine der erfolgreichsten Börsen der Welt. Mit einer Rendite von 49 Prozent im vergangenen Jahr gehörte die Karachi Stock Exchange (KSE) aber zu den fünf Marktplätzen mit den höchsten Zuwächsen. Nun sucht die Börse einen ausländischen Partner, der sich einkauft und das Management übernimmt.

„Pakistan hat Investoren eine Menge zu bieten und das ist unsere Chance, es zu zeigen“, sagt Firmenchef Nadeem Naqvi. Er will in den nächsten Monaten bei möglichen Investoren für den Finanzplatz werben. Auf seiner Reise-Route liegen Hongkong, London und auch Frankfurt.

In den vergangenen vier Jahren haben sich die Börsen-Kurse in Karachi sogar verdreifacht – traumhafte Wachstumsraten, wenn auch auf niedrigem Niveau. Regierungsvertreter betonen, dieser Erfolg spiegele das wirtschaftliche Potenzial des Landes wider, das ansonsten vor allem durch religiös motivierte Gewalttaten, Anschläge der radikal-islamischen Taliban und den Kampf gegen die Extremisten-Organisation Al-Kaida in die Schlagzeilen gerät. Wenn doch einmal von Unternehmen die Rede ist, dann meist im Zusammenhang mit den häufigen Stromausfällen oder der weit verbreiteten Korruption.

Höhenflug dank Schwarzgeld

Zumindest einen Teil des Kurs-Plus in Karachi schreiben Insider einem Straferlass für Schwarzgeld zu. Denn der Höhenflug begann im vergangenen Jahr mit einem Regierungsdekret, das Aktienkäufern zusicherte, keine Rechenschaft über die Herkunft des Kapitals ablegen zu müssen. „Die Politik und schmutziges Geld gehen in Pakistan Hand in Hand“, kritisiert Ikramul Haq, Anwalt und Steuerexperte. So kommt das eingesetzte Geld zum Teil aus dubiosen Ecken. Ein Anwalt berichtet Reuters über einen zehn Millionen Dollar schweren Aktienkauf. Die Adresse des Investors: ein für seine Taliban-Anhänger berüchtigter Slum.

Die Prognosen der Finanzprofis

George Soros, Investor

„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

Marc Faber, Investor

„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

Bill Gross, Fondsmanager

„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

Felix Zulauf, Vermögensverwalter

„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

Warren Buffett, Investor

Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

Nouriel Roubini, Ökonom

„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Barry Knapp, Barclays

„Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

„Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

„Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Doch viele an der KSE gelistete Firmen bieten zweistelliges Gewinnwachstum in einem Markt mit rund 180 Millionen Einwohnern. Bei ausländischen Investoren auf der Jagd nach neuen Märkten und hohen Renditen ist die Börse in Karachi daher so etwas wie ein Geheimtipp geworden.

In diesem Jahr hat allerdings eine elfprozentige Abwertung der pakistanischen Rupie die Börsengewinne von Ausländern aufgefressen. Händler und Analysten weisen auf eine weitere Schattenseite hin: Insiderhandel und Kursmanipulationen sind offenbar an der Tagesordnung. „Es gibt viel Betrug, viele Marktmanipulationen, aber dagegen wird zu wenig unternommen“, prangert der ehemalige Leiter der Rechtsabteilung bei der Aufsichtsbehörde, Ashraf Tiwana, an. Die Aufsichtsfunktion soll jetzt bei der KSE ausgegliedert werden. Und ausländischer Rat ist gefragt: Denn für die Börsen-Reform hat sich KSE-Chef Naqvi die Deutsche Bank als Berater ins Boot geholt.

Von

rtr

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