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28.05.2015

12:16 Uhr

Börse Schanghai

Der Drache wankt

Der chinesische Leitindex ist am Donnerstag um mehr als sechs Prozent eingebrochen – der stärkste Knick seit vier Monaten. Grund ist die Angst vor schärferen Marktregeln. Eine Warnung an zu optimistische Anleger?

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Die Anleger in China hielten am Donnerstag den Atem an: Der Aktienmarkt des Riesenreiches ist so stark eingebrochen wie seit vier Monaten nicht mehr. Der Shanghai Composite Index, der alle an der Schanghaier Börse gelisteten Unternehmen umfasst, schloss rund 6,5 Prozent leichter auf 4620 Punkten.

Bereits am Dienstag warnten einige Experten im „Handelsblatt” vor einer möglichen Spekulationsblase am chinesischen Aktienmarkt. Einige Aktien haben in den vergangenen Tagen dramatische Einbrüche verzeichnet, so etwa die Papiere des in Hongkong gelisteten Solarunternehmens Hanergy Thin Film Power Group, die am vergangenen Mittwoch fast um die Hälfte einbrachen oder von Goldin Financial Holdings und Goldin Properties Holdings, die vor allem in Wein und Immobilien investieren, halbierte sich, nachdem sich die Kurse innerhalb eines Jahres versechsfacht hatten.
Nun sorgen sich Anleger, dass die Behörden den Markt für Kredite zum Kauf von Aktien beschränken könnten. Sowohl die chinesische Behörde zur Regulierung des Wertpapierhandels als auch die Behörde zur Bankenregulierung hatten zuletzt angekündigt, Wertpapiergeschäfte strenger kontrollieren zu wollen und gegen illegalen Handlungen mit härteren Strafen vorzugehen.

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

Einige große Finanzhäuser – unter ihnen die Investmentbank Citic Securities sowie deren kleinere Rivalen – hatten daraufhin ihre Bedingungen für das Geschäft mit geliehenem Geld verschärft und höhere Sicherheiten von den Investoren eingefordert. Für die seit Monaten laufende Kursrally in China ist das Gift; schließlich wird sie genau von solchen Kreditspekulationen befeuert. Erst am 27. Mai hatte der Index ein neues Hoch von 4.958 Punkten erklommen; der höchste Stand seit der Finanzkrise 2008. Innerhalb eines Jahres ist das eine Steigerung von 127 Prozent.

Anders als hierzulande gehört der Handel auf Pump fest zum Instrumentarium der chinesischen Anleger. Die meisten von ihnen sind Privatanleger. Die Universität für Finanzwesen aus Chengdu hat die Börsenneulinge unter ihnen untersucht. Demnach besitzen 42 Prozent von ihnen keine Hochschulreife, sechs Prozent können nicht lesen und schreiben. Dennoch wollen auch sie zocken – und die „margin lending“ genannten und seit 2011 erlaubten Kredite für den Aktienhandel machen das möglich.

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Die Schulden, die aus solchen Krediten entstehen, sind in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Zuletzt betrug das Volumen der ausstehenden Schulden nach Informationen des Finanzdienstleisters IG rund 322 Milliarden US-Dollar. „Das Wesen des chinesischen Aktienmarktes ist die Kreditspekulation”, kommentiert Michael-Douglas Lee, Aktienhändler in Hongkong gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er geht davon aus, dass die Kreditgeschäfte den Aktienmarkt auch weiterhin auf Trab halten werden, gerade, weil die Investoren nun größere Sicherheiten für ihre Spekulationen hinterlegen müssen.

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