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01.07.2015

11:19 Uhr

Börse Shanghai

Panikverkäufe in China gehen weiter

Die chinesische Regierung hat versucht, den Aktienmarkt zu stabilisieren. Geholfen hat das bislang wenig. Der chinesische Leitindex ist am Mittwoch um 5,2 Prozent gefallen. Und ein Ende des Kursturzes ist nicht in Sicht.

An den chinesischen Börsen stehen die Zeichen auf Rot. Die Anleger trennen sich panisch von ihren Wertpapieren. dpa

Börse Shanghai

An den chinesischen Börsen stehen die Zeichen auf Rot. Die Anleger trennen sich panisch von ihren Wertpapieren.

ShanghaiIn Deutschland schüttelt seit Wochen Griechenland die Börsen. Doch das Hin- und Her im Index ist noch moderat im Vergleich zu dem, was die Anleger in China in den vergangenen Tagen mitmachen mussten. Am Mittwoch ist der chinesische Leitindex, Shanghai Composite, um 5,3 Prozent gefallen. Der CSI300, welcher die größten börsennotierten chinesischen Unternehmen enthält, büßte 4,9 Prozent ein.

Erst am vergangenen Freitag hatte es einen Kurssturz gegeben. Der wichtige Shanghai Composite Index fiel um 7,4 Prozent. Am Montag ging es weitere sieben Prozent bergab. Eine leichte Erholung gab es dagegen am Dienstag. Die chinesische Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um den Markt zu stabilisieren. Unter anderem sollen nun auch einheimische Pensionsfonds in chinesische Aktien investieren können und somit potenzielle Käufer für jene Papiere stellen, welche andere Investoren abstoßen. Daraufhin gewann der Leitindex 5,6 Prozent.

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

Das ist nun vorbei. Die Investoren haben am Mittwoch die leichte Erholung dafür genutzt, Gewinne mitzunehmen. In China ist es üblich, mit geliehenem Geld Aktien zu kaufen. Das bringt höhere Gewinne, aber auch mehr Risiko und sorgt für höhere Volatilität an den Börsen. Die Befürchtung, die chinesische Regierung würde das Spekulieren mit Fremdkapital künftig erschweren, hat zur Panik am Börsenparkett geführt.

Inzwischen raten auch internationale Investoren Anlegern dazu, die Finger von chinesischen Aktien zu lassen. In einer Studien schreiben die Analysten der Bank of America Merrill Lynch, dass sie Zweifel hätten, dass das Ende der fallenden Kurse naht. Viele Anleger wären erpicht drauf, die mit Fremdkapital finanzierten Positionen in ihren Portfolios abzubauen. „Wir glauben, dass nach diesen negativen Erfahrungen Anleger vorsichtiger mit Hebelprodukten sein werden”, schreiben die Analysten. Bei der Rally sei die Luft raus, der Enthusiasmus der Anleger ist dahin.

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Tröstlich für so manchen Anleger ist vielleicht, dass Chinas Börsen trotz der jüngsten Kureinbußen noch dick im Plus sind. Seit Juni vorigen Jahres hat der Shanghai Composite über 100 Prozent gewonnen. Seit dem ersten Januar dieses Jahres hat der Shanghai Composite immerhin rund 32 Prozent zugelegt. Einige Analysten beschrieben die Kursabschläge aber als durchaus gesund. „Die Bewertung einiger großer Unternehmen ist jetzt sehr gut nachvollziehbar”, sagt ein Händler. „Diese Spekulanten dürften ihre Lektion gelernt haben.”

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

01.07.2015, 19:16 Uhr

Die Taschenspielertricks der chinesischen Administration nehmen groteske Formen an.
Nun werden sogar gezielt neue Investorengruppen geschaffen, damit die Verkäufe nicht vollends ins Leere laufen.

Seit Jahren geht das nun schon so - und niemand scheint es zu stören, daß in China nichts weniger frei wäre als die dortigen Märkte. Wenn´s nicht traurig wäre - und das böse Ende absehbar -, könnte man drüber lachen. Das aber wird einem bei näherer Betrachtung im Halse stecken bleiben.

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