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05.06.2013

08:50 Uhr

Börse Tokio

Abe enttäuscht Anleger - Nikkei stürzt ab

Die Anleger in Tokio hatten gespannt auf eine Rede von Shinzo Abe gewartet. Doch der japanischen Ministerpräsidenten konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Der Nikkei sackte in kurzer Zeit um 500 Punkte ab.

Ein Geschäftsmann vor einer Börsenanzeige in Tokio. dpa

Ein Geschäftsmann vor einer Börsenanzeige in Tokio.

TokioDie Anleger hatten wohl mehr von Shinzo Abe erwartet. Die mit Spannung erwartete Rede des japanischen Ministerpräsidenten über weitere Details des Wachstumsprogramm brachte nicht die erhofften Impulse. An der Börse in Tokio sackte der Nikkei daraufhin innerhalb kurzer Zeit um vier Prozent ab.

In Tokio fiel der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um 3,8 Prozent auf 13.014 Punkte. Damit sank das Börsen-Barometer auf den niedrigsten Stand seit sieben Wochen. Trotz der Talfahrt liegt der Nikkei in diesem Jahr noch immer 26 Prozent im Plus; vor zwei Wochen lagen die Jahresgewinne allerdings noch bei mehr als 50 Prozent. Wegen des weltweit billigen Geldes hatten Märkte rund um den Globus zuletzt Rekordstände erklommen.

Ministerpräsident Abe kündigte in seiner Rede über die künftige Wachstumsstrategie eine Stärkung des Pro-Kopf-Einkommens sowie die Schaffung von Sonderwirtschafszonen an, um ausländische Technologiekonzerne, Arbeitskräfte und Fonds anzulocken. Abe hat es sich zum Ziel gesetzt, die Deflation und wirtschaftliche Stagnation zu beenden, mit der die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft seit Jahren kämpft. Anleger zeigten sich gleichwohl enttäuscht, weil Abe nichts Überraschendes ankündigte.

"Wir werden unsere Erwartungen an Abenomics korrigieren müssen", sagte Ayako Sera, Anlagestratege bei Sumitomo Mitsui Trust Bank, die rund 325 Milliarden Dollar verwaltet. "Die Initiative geht nicht weit genug. Die Richtung ist die richtige. Aber alle Aussagen richten sich auf die ferne Zukunft. Es sieht so aus, als gehe es nur langsam voran."

Eckpunkte der neuen japanischen Geldpolitik

Festes Inflationsziel

Die Bank von Japan legt sich fest: Innerhalb von zwei Jahren wird sie eine Inflationsrate von zwei Prozent erreichen.

Verdoppelung der Geldbasis

Die Geldbasis soll von jetzt 138 Billionen Yen auf 270 Billionen Yen im Jahr 2014 steigen. Umgerechnet geht es um eine Steigerung von 1,05 Billionen Euro auf 2,05 Billionen Euro.

Kauf von Staatsanleihen

Die Bank von Japan will 77 Prozent des frischen Zentralbankgelds in Staatsanleihen mit langer Laufzeit investieren. Die durchschnittliche Laufzeit ihrer Staatsanleihen soll von drei auf sieben Jahre steigen.

Dauer der Maßnahmen

Die Zentralbank legt sich darauf fest, so lange an der expansiven Geldpolitik festzuhalten, bis sie ihr Inflationsziel erreicht hat.

Aussetzung des Banknoten-Prinzips

Die Bank von Japan setzt zeitweilig das Banknoten-Prinzip außer Kraft, wonach sie nicht den Wert der im Umlauf befindlichen Banknoten überschreiten darf.

Auch an den übrigen Börsen in Fernost ging es bergab. Anleger sorgten sich vor einem baldigen Ende der lockeren Geldpolitik in den USA. Zudem herrschte Ungewissheit wegen des am Freitag erwarteten US-Arbeitsmarktberichts. Dessen Ergebnis wird entscheidend in die Konjunkturbewertung der US-Notenbank einfließen. "Die Sorge vor einem Ende der Fed-Impulse lässt die asiatischen Aktien sinken, weil Angst herrscht, dass das viele hier investierte Geld abfließen könnte; obwohl eine Erholung der US-Wirtschaft als positiv für die exportabhängigen asiatischen Länder gesehen werden sollte", sagte Hirokazu Yuihama von Daiwa Securities.

Auch der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag mehr als ein Prozent im Minus. Der Index fiel damit auf den niedrigsten Stand seit rund sechs Monaten. Der Euro tendierte am Mittwoch im fernöstlichen Handel weitgehend unverändert zum Dollar. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete 1,3088 Dollar nach 1,3080 Dollar im späten US-Handel am Dienstag.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

05.06.2013, 08:15 Uhr

HEISSA, DIE WALDFEE!
Was wäre gewesen, hätte Abe eine Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens von 10% in 3 Jahren in Aussicht gestellt?
Ein Kursplus von 4 %?
Japan befindet sich in einer wirtschaftspolitischen Wüste, in der die Erzeugung von Wind nicht gelingt, allenfalls laue Lüfte!
Und die Errichtung von Sonderwirtschaftszonen, mit Verlaub, sind dann doch eher etwas für die EU.

Account gelöscht!

05.06.2013, 08:49 Uhr

'Was wäre gewesen, hätte Abe eine Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens von 10% in 3 Jahren in Aussicht gestellt?
Ein Kursplus von 4 %?'

Das hätte wohl heute auch nichts geändert - die Erwartungen waren schließlich so hoch, dass sie nur enttäuscht werden konnten. Es hatten sich wohl manche eine Lockerung des Kündigungsschutzes erhofft.

Das wird und muss kommen. Es ist vielleicht vor den Wahlen im Juli nicht die beste Strategie, erstmal mit Entlassungen zu drohen;)

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