Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2013

08:06 Uhr

Börse Tokio

Aktien in Asien profitieren von China

Chinas Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Der Nikkei-Index legt am Ende mehr als ein Prozent zu. Auch die japanischen Anleger zeigen sich von den Apple-Zahlen enttäuscht - das wirkt sich auf Technologie-Werte aus.

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio. Reuters

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio.

TokioIn Asien haben ermutigende Konjunkturdaten aus China einerseits und eine enttäuschende Apple-Bilanz andererseits für ein gemischtes Bild an den Aktienmärkten gesorgt.

Die Börsen in Japan verzeichneten deutliche Gewinne, nachdem der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC nach vorläufigen Daten zeigte, dass Chinas Wirtschaft zunehmend an Fahrt aufnimmt.

Yen-Verfall: Wie tief sinkt Japans Währung noch?

Gradmesser

Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.

Kurs

Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.

Neue Regierung

Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Fiskalpolitik

Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.

Geldpolitik

Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.

Wirtschaft schrumpft

Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.

Die Wende

Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.

Währungsverfall

Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.

Yen-Prognosen

Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.

Wo Banken den Yen sehen

Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.

Welchen Yen-Kurs die Exporteure wünschen

Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.

Treiber für Export-Aktien

Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.

Rekorde an der Börse

Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.

 

Das Barometer stieg im Januar auf 51,9 Punkte und lag damit den dritten Monat in Folge über der Schwelle von 50 Punkten, ab der Wachstum angezeigt wird. Die Daten hievten die australische Börse sogar auf den höchsten Stand seit 21 Monaten. China ist der größte Markt für die Bergbaukonzerne des Landes.
"Es gibt Anzeichen, dass sich China erholt und auch die Aussichten der Weltwirtschaft sind besser geworden", sagte Analyst Koichiro Kamai von Market Strategy Institute. Das gebe den Märkten die Richtung nach oben vor.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ging mit einem Plus von 1,3 Prozent auf 10.620 Punkte aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 1,1 Prozent auf 897 Zähler. Es seien auch Schnäppchenjäger unterwegs gewesen, sagte Händler Masato Futoi von Tokai Tokyo Securities. "Nach drei Tagen mit Verlusten sind gute Einstiegsmöglichkeiten entstanden", sagte er.

Dagegen ging es in Ländern, die sehr viele Apple-Zulieferer haben, bergab. So gab die Börse in Taiwan 0,6 Prozent und die in Südkorea 0,8 Prozent nach. Der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans verzeichnete ein Minus von 0,4 Prozent.

Trotz Rekordverkäufen sind die Zweifel an der Vormachtsstellung von Apple nach der jüngsten Bilanz gewachsen. Zwar verkaufte der weltgrößte Technologiekonzern im ersten Geschäftsquartal (per Ende Dezember) so viele iPhones wie noch nie, blieb damit aber hinter den Erwartungen von Analysten zurück. Der Gewinn stagnierte bei rund 13 Milliarden Dollar. Das drückte Zulieferer wie LG Display 1,2 Prozent ins Minus. Aktien von Ibiden fielen 4,6 Prozent.

China - Retter des Euro?

Warum investiert China Milliarden in Europa?

Die Europäische Union ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Exportweltmeisters. Die 27 Ländern kauften 2010 chinesische Waren im Wert von 282 Milliarden Euro - 18,9 Prozent mehr als 2009. Die Volksrepublik hat deshalb ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen bei seinem wichtigsten Kunden.

Welche Rolle spielen Chinas riesige Devisenreserve?

China hat einen Großteil seiner gigantischen Devisenreserven von gut drei Billionen Dollar in Euro-Wertpapiere wie Staatsanleihen gesteckt, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. Peking veröffentlicht zwar keine Daten. Experten schätzen aber, dass inzwischen ein Viertel der Devisenreserven auf Euro lautet. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren - und damit auch Chinas Euro-Investitionen.

Steht China trotz der Krise zu den Investitionen in Europa?

Ja. China seit Ausbruch der Krise immer wieder sein Vertrauen in die Währungsunion betont. „China ist ein langfristig orientierter Investor“, betonte Ministerpräsident Wen Jiabao und machte damit klar, Europa in der Krise nicht fallen zu lassen. Bei Worten hat es Peking nicht belassen. Die Volksrepublik hat für viele Milliarden Euro Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern gekauft, während sich private Investoren aus Sorge vor einem Zahlungsausfall entweder zurückhalten oder exorbitante Zinsen verlangen.

Kauft China nur Wertpapiere auf?

Nein, China sichert seine Interessen auf ganz unterschiedliche Weise. Griechischen Reedern wurde ein Kredit über zehn Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Hintergrund: Ein Großteil der internationalen Handelsflotte fährt unter griechischer Flagge, viele der Tanker und Schiffe werden in China gebaut. Auch in Ungarn - das zwar nicht zur Euro-Zone gehört, aber ebenfalls mit einer Schuldenkrise kämpft - engagieren sich die Chinesen. Der Technologiekonzern Huawei baut dort sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift und die China Railway Construction Corporation das Schienennetz des südeuropäischen Landes modernisieren soll.

Gibt es Kritik an der Shoppingtour Chinas?

Amnesty International befürchtet, dass Menschenrechtsfragen in den Hintergrund gedrückt werden. „Es ist zu befürchten, dass Kritik an den Menschenrechten in Zukunft noch leiser geübt wird“, sagt deren China-Experte Dirk Pleiter. „Geraten einzelne EU-Länder in Abhängigkeit von China, wird es schwerer, innerhalb der EU eine einheitliche Linie gegenüber der Volksrepublik zu formulieren, Probleme klar anzusprechen und auch Konflikte auszutragen.“

Am Devisenmarkt legten die Anleger bei ihren Yen-Käufen eine Pause ein. Sie waren beim Yen wieder eingestiegen, nachdem die Lockerung der japanischen Geldpolitik nicht die erhoffte Wirkung hatte. Im Vorfeld der Entscheidung hatte die japanische Währung seit Mitte November jedoch bereits rund zwölf Prozent an Wert verloren.

Der Dollar legte zum Yen auf 89,33 Yen leicht zu. Auch der Euro verzeichnete leichte Gewinne und war für 1,3340 Dollar zu haben.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Video: Wie der Wall-Street-Handel lief

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Konjunkturdaten in Japan ließen die Anleger vorwiegend unbeeindruckt. Steigende Treibstoffimporte und sinkende Ausfuhren haben das japanische Handelsbilanzdefizit im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 6,93 Billionen Yen (58,4 Milliarden Euro) anschwellen lassen.

Das war eine Steigerung von 170 Prozent gegenüber 2011, wie das Finanzministerium am Donnerstag mitteilte. Die Exporte hatten zuletzt unter der Staatsschuldenkrise in Europa und dem Territorialstreit mit China gelitten. Im Dezember ging das Defizit allerdings auf 641,5 Milliarden Yen zurück, nachdem es im November noch bei 954,8 Milliarden Yen gelegen hatte, wie aus vorläufigen Zahlen des Finanzministeriums hervor geht.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kleinanleger

24.01.2013, 08:16 Uhr

Der Nikkei hat zwar heute um 1,28% zugelegt,der Yen aber gleichzeitig 1,16% verloren.Inflations- und kostenbereinigt bereinigt, bleibt der Nikkei 225 Index,vor allem seit Ende 1989 ,für (europäische) Langfristanleger,ein Trauerspiel sondersgleichen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×