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21.01.2013

08:26 Uhr

Börse Tokio

Anleger in Japan nehmen Gewinne mit

VonReuters

Die japanische Notenbank berät über die Geldpolitik. Investoren erwarten eine weitere Lockerung, so wie die Regierung dies fordert. Aus Vorsicht vor Überraschungen halten sich viele Akteure aber zunächst zurück.

Fußgänger schauen sich die Außenanzeige mit den Aktienkursen der Börse Tokio an. dpa

Fußgänger schauen sich die Außenanzeige mit den Aktienkursen der Börse Tokio an.

TokioDie asiatischen Aktienmärkte haben ihren Höhenflug der vergangenen Woche vorerst nicht fortgesetzt. Nach der Rally der vergangenen Tage hielten sich Börsianer am Montag zurück oder nahmen Gewinne mit.

Im Fokus der Anleger stand die zweitägige Sitzung der japanischen Notenbank, die am Dienstag zu Ende geht. Experten warteten mit Spannung auf das Ergebnis. Die Notenbank will nach Informationen von Insidern eine Verdoppelung des Inflationsziels auf zwei Prozent beschließen. Der Druck auf die Zentralbank war zuletzt gestiegen. Experten fordern eine härtere Gangart gegen die seit Jahrzehnten grassierende Deflation in Japan. Der Euro präsentierte sich stabil bei rund 1,3314 Dollar.
In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,5 Prozent schwächer bei 10.747 Punkten. Vor allem positive Konjunkturdaten aus den USA und China sorgten für gute Stimmung. Der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans verlor 0,15 Prozent. Am Freitag hatte der Index auf dem höchsten Stand seit fast eineinhalb Jahren geschlossen. Die chinesischen Aktienmärkte schlugen sich zunächst etwas besser: In Shanghai legte der Index um 0,2 Prozent zu, in Hongkong notierte der Hang-Seng-Index kaum verändert.

China - Retter des Euro?

Warum investiert China Milliarden in Europa?

Die Europäische Union ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Exportweltmeisters. Die 27 Ländern kauften 2010 chinesische Waren im Wert von 282 Milliarden Euro - 18,9 Prozent mehr als 2009. Die Volksrepublik hat deshalb ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen bei seinem wichtigsten Kunden.

Welche Rolle spielen Chinas riesige Devisenreserve?

China hat einen Großteil seiner gigantischen Devisenreserven von gut drei Billionen Dollar in Euro-Wertpapiere wie Staatsanleihen gesteckt, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. Peking veröffentlicht zwar keine Daten. Experten schätzen aber, dass inzwischen ein Viertel der Devisenreserven auf Euro lautet. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren - und damit auch Chinas Euro-Investitionen.

Steht China trotz der Krise zu den Investitionen in Europa?

Ja. China seit Ausbruch der Krise immer wieder sein Vertrauen in die Währungsunion betont. „China ist ein langfristig orientierter Investor“, betonte Ministerpräsident Wen Jiabao und machte damit klar, Europa in der Krise nicht fallen zu lassen. Bei Worten hat es Peking nicht belassen. Die Volksrepublik hat für viele Milliarden Euro Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern gekauft, während sich private Investoren aus Sorge vor einem Zahlungsausfall entweder zurückhalten oder exorbitante Zinsen verlangen.

Kauft China nur Wertpapiere auf?

Nein, China sichert seine Interessen auf ganz unterschiedliche Weise. Griechischen Reedern wurde ein Kredit über zehn Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Hintergrund: Ein Großteil der internationalen Handelsflotte fährt unter griechischer Flagge, viele der Tanker und Schiffe werden in China gebaut. Auch in Ungarn - das zwar nicht zur Euro-Zone gehört, aber ebenfalls mit einer Schuldenkrise kämpft - engagieren sich die Chinesen. Der Technologiekonzern Huawei baut dort sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift und die China Railway Construction Corporation das Schienennetz des südeuropäischen Landes modernisieren soll.

Gibt es Kritik an der Shoppingtour Chinas?

Amnesty International befürchtet, dass Menschenrechtsfragen in den Hintergrund gedrückt werden. „Es ist zu befürchten, dass Kritik an den Menschenrechten in Zukunft noch leiser geübt wird“, sagt deren China-Experte Dirk Pleiter. „Geraten einzelne EU-Länder in Abhängigkeit von China, wird es schwerer, innerhalb der EU eine einheitliche Linie gegenüber der Volksrepublik zu formulieren, Probleme klar anzusprechen und auch Konflikte auszutragen.“

Auf den Verkaufslisten in Tokio standen in erster Linie Exportwerte. Die Aktien des Autoherstellers Nissan Motor verloren um 1,5 Prozent, die des Rivalen Honda Motor um 0,6 Prozent. Anteilsscheine von Sharp gaben fast vier Prozent nach. Insidern zufolge hat das Unternehmen die Produktion von 9,7-Zoll-Displays für das iPad von Apple fast komplett eingestellt - die Kunden fragen offenbar stattdessen das iPad-Mini nach, das einen deutlich kleineren Schirm hat.
Die US-Märkte bleiben am Montag wegen eines Feiertags geschlossen. Sie waren am Freitag wegen des guten Beginns der US-Berichtsaison zum vierten Quartal mit soliden Gewinnen aus der Woche gegangen. In den USA findet im Laufe des Tages die Zeremonie zur Amtseinführung von Präsident Barack Obama statt .

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