Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.06.2013

09:04 Uhr

Börse Tokio

Asiens Aktienmärkte unter Druck

Der Nikkei-Index startete positiv, schloss aber im Minus. Die Börsianer befürchten einen langsamen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Der Tech-Gigant Sony legte zu.

In der Tokioter Börse. ap

In der Tokioter Börse.

TokioDie Furcht vor einem Anfang vom Ende der ultralockeren Geldpolitik in den USA hat Asiens Börsen am Dienstag belastet. Schon die Aussicht, dass die US-Notenbank Fed einige Feinsteuerungen bei ihrem Anleihen-Aufkaufprogramm beschließen könnte, ließ die Investoren zittern.

Experten gehen davon aus, dass auch am Mittwoch die Kurse weiter kräftig schwanken, bis die Entscheidung der Notenbanker um Ben Bernanke am Mittwochabend Klarheit bringt.

Der Nikkei-Index schloss 0,2 Prozent tiefer bei 13.007 Punkten. Der Index für die asiatischen Aktienmärkte außerhalb Japans lag 0,15 Prozent im Minus. Er wurde belastet durch Kursrückgänge in Australien sowie Verluste bei Energie- und Rohstoffaktien. In China notierten die Aktien in Shanghai im Plus, die Börse in Hongkong dagegen im Minus. In Südkorea und Taiwan legten die Kurse zu. Der Dollar gewann ebenfalls an Wert.

Das japanische Experiment

Was bedeutet „Abenomics“?

Begrifflich lehnt sich das Konzept an die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren an („Reaganomics“). Reagan versuchte seinerzeit, mit massiven Steuersenkungen die Wirtschaft anzukurbeln. Das Konzept ging zwar insoweit auf, als das Wachstum anzog. Zugleich gingen aber die Steuereinnahmen stark zurück und die Schulden Amerikas stiegen rapide an.

Ähnliche Gefahren sehen Beobachter für Japan: Das Konzept von Premier Abe zielt darauf ab, mit staatlichen Konjunkturprogrammen und einer von der Notenbank initiierten Geldflut die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Als Wachstumsbremse gelten insbesondere die seit Jahren sinkenden oder zumindest stagnierenden Binnenpreise. Sie halten Verbraucher und Unternehmen von Konsum und Investitionen ab, weil diese ständig auf noch geringere Preise spekulieren.

Was genau machen Staat und Notenbank?

Die Regierung hat Anfang des Jahres ein riesiges Konjunkturpaket aufgelegt, das sich umgerechnet auf weit über 100 Milliarden Euro beläuft. Das Geld soll unter anderem in die öffentliche Infrastruktur fließen, die Regierung erhofft sich davon mehr als eine halbe Million neue Arbeitsplätze. Die Notenbank Japans unterstützt den Kurs mit einer aggressiven Geldpolitik. Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda will die umlaufende Geldmenge mit massiven Wertpapierkäufen bis Ende 2014 verdoppeln. Das soll die Konjunktur beleben und zudem die Wachstumsbremse „Deflation“ lösen.

Wirken die "Abenomics"?

Anfangs ja. Der Binnenkonsum legte zunächst deutlich zu, die für Japan wichtigen Exporte stiegen. Während der höhere private Verbrauch eine Folge der neuen Wirtschaftspolitik sein könnte, haben die Ausfuhren von dem Sinkflug des japanischen Yen profitiert. Doch inzwischen ist der Effekt verpufft. Im dritten Quartal 2014 schrumpfte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt überraschend um 0,4 Prozent.

Ist das Konzept langfristig tragbar?

Die „Abenomics“ bergen viele Risiken: Konjunkturprogramme kosten Geld. Schon jetzt weist Japan die mit Abstand höchste Staatsverschuldung aller Industrienationen auf. Noch steckt Japan indes nicht in der Falle, weil die Schulden zu einem Großteil von heimischen Banken, Versicherungen und Pensionsfonds finanziert worden sind. Weil deren Vermögen aber begrenzt ist, dürfte das Land immer stärker auf ausländische Geldgeber angewiesen sein. Sollten diese höhere Zinsen verlangen, würden die Schulden Japans weiter steigen - ein Teufelskreis. Darüber hinaus fragt sich, ob die Geldflut der japanischen Notenbank das Wachstum nachhaltig belebt oder sich als Strohfeuer erweist. Zumal der Wachstumsschub über den schwachen Yen zu Lasten anderer Länder geht, weil sich deren Exporte verteuern. Das könnte politische Konflikte provozieren.

Drohen Europa japanische Verhältnisse?

Europa hat ähnliche Probleme wie Japan, etwa hohe Staatsschulden oder eine alternde Bevölkerung. In Ländern wie Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland hat man versucht, die Krise mit einer Kombination aus Sparpolitik und Wirtschaftsreformen zu überwinden. Beides aber belastet die konjunkturelle Entwicklung. Eine Reihe von Experten fordert, dass die Europäische Zentralbank Geld drucken soll ähnlich wie die Bank of Japan.

"Die Empfänglichkeit der Kurse für Nachrichten und augenscheinlich unlogische Bewegungen ... zeigen das Ausmaß der Nervosität und Unsicherheit der Investoren, was den weiteren geldpolitischen Kurs der Fed angeht", schrieben die Barclays-Capital-Experten.

Die ultralockere Politik der Fed sowie weiterer Notenbanken weltweit hat in den vergangenen Jahren die Stimmung an den Aktienmärkten beflügelt und die Anleger mit ausreichend Geld versorgt, das diese in als riskanter geltende Anlagen wie Aktien investieren konnten.

Die US-Wirtschaft kommt langsam in Schwung, im Juni legte nach Daten vom Montag die Industrie in New York unerwartet zu. Auch die Stimmung im Immobiliensektor hob sich kräftig. In Japan legte die Industrieproduktion im April um 0,9 Prozent zu.

"Grundsätzlich würde jede Entscheidung, das Anleihe-Kaufprogramm anzufassen, Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung der USA signalisieren", sagte ein Börsianer. "Das könnte potenziell die Stimmung am Markt heben, abhängig davon, wie es von den Investoren aufgenommen wird."

Zu den Gewinnern gehörten die Titel von Sony, die fast vier Prozent zulegten. Zuvor hatte der New Yorker Hedgefonds Third Point mitgeteilt, dass er seine Anteile an dem Unternehmen aufgestockt hat. Zugleich kündigte der Fonds an, dass er Sonys Entertainment-Sparte teilweise abspalten will.

Chartanalyse: Nikkei-Index sucht derzeit wieder Halt

Chartanalyse

Nikkei-Index sucht derzeit wieder Halt

Die Entwicklung an der Börse in Japan gleicht einer Achterbahnfahrt. Doch nun könnte der Nikkei-Index einen unteren Wendepunkt erreicht haben. Auf welche „Haltestellen“ Anleger bei der Kursentwicklung achten sollten.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×