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24.10.2013

09:13 Uhr

Börse Tokio

Der Nikkei dreht ins Plus

Der japanische Aktienmarkt hat zunächst nachgegeben, dann aber zugelegt. Sehr begehrt waren die Aktien von Hitachi.

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio. ap

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio.

TokioDie Aktienbörsen in Asien haben am Donnerstag überwiegend freundlich geschlossen. Insgesamt fiel der Handel aber dünn aus. Der MSCI-Aktien-Index für die asiatisch-pazifischen Börsen ohne Japan legte 0,1 Prozent zu. Der japanische Nikkei schloss nach anfänglichen Verlusten 0,4 Prozent im Plus bei 14.486 Stellen. Der breiter angelegte Topix ging mit einem Aufschlag von 0,6 Prozent bei 1203 Punkten aus dem Handel.

Bei den Einzelwerten verbilligten sich Aktien des japanischen Baumaschinenherstellers Komatsu um rund zwei Prozent, nachdem der US-Rivale Caterpillar mit seinen Quartalszahlen die Märkte enttäuscht hatte.

Die Papiere des südkoreanischen Auto-Herstellers Hyundai verbilligten sich trotz eines Gewinnplus im dritten Quartal um 1,9 Prozent. Dagegen legten die Aktien von Hitachi mehr als acht Prozent zu. Der japanische Elektronikkonzern hatte zuvor einen Gewinnzuwachs ausgewiesen.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

Der angeschlagene Elektronikkonzern Panasonic will einem Zeitungsbericht zufolge sein Chipgeschäft drastisch zurückfahren. Geplant sei, die Belegschaft zu halbieren und möglicherweise einige Werke zu verkaufen, berichtete "Nikkei". Derzeit beschäftigt der Konzern in der verlustträchtigen Sparte rund 14.000 Mitarbeiter in Fabriken in Japan, China, Indonesien, Malaysia und Singapur.

Vom Stellenabbau sollen dem Bericht zufolge hauptsächlich Angestellte außerhalb Japans betroffen sein. Im Zusammenhang mit den Streichungen würden Ausgaben von umgerechnet bis zu 370 Millionen Euro in diesem Geschäftsjahr veranschlagt, das bis Ende März dauert. Panasonic führe bereits Gespräche mit dem israelischen Chiphersteller TowerJazz über den Kauf einiger Fabriken.

Die Geschäfte der chinesischen Industrie laufen weiter gut. Der am Donnerstag veröffentlichte vorläufige Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC kletterte im Oktober auf 50,9 Punkte von 50,2 Zählern im September und damit auf den höchsten Stand seit sieben Monaten. Bereits im August war das Barometer wieder knapp über die Marke von 50 Zählern geklettert, ab der Wachstum signalisiert wird. Der Index basiert auf einer Umfrage unter vorwiegend kleinen und mittelständischen Privatunternehmen.

Von

rtr

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