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11.03.2013

08:19 Uhr

Börse Tokio

Nikkei-Index erreicht 12.400 Punkte

Der japanische Aktienmarkt setzt seinen Höhenflug fort. Der Leitindex profitiert weiter vom Optimismus an den Börsen. Zudem nährt die Regierung die Hoffnung, dass die Geldpolitik im eigenen Lande noch lockerer wird.

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio. AP/dpa

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio.

TokioAn den asiatischen Aktienmärkten hat sich die weltweite Börsenrally auch zu Beginn der neuen Woche in moderatem Tempo fortgesetzt. Zum Teil enttäuschende Konjunkturdaten aus China grenzten die Aufschläge allerdings ein. Angetrieben wurden die Kurse am Montag von den ermutigenden Daten vom US-Arbeitsmarkt und den positiven Vorgaben von der Wall Street von Freitag.

In Tokio verhalf zudem die anhaltende Yen-Schwäche den Exportwerten zu Gewinnen und dem Nikkei-Index zu einem neuen Viereinhalbjahres-Hoch. Der Euro notiert in Fernost kaum verändert.

Nikkei-Index: Die zehn besten Tage an Japans Aktienmarkt

Rasanter Kursanstieg

Vier Prozent an einem Tag - das ist ungewöhnlich viel für den Nikkei-Index, der immerhin 225 Werte umfasst. Doch es gab noch viel bessere Tage. Die Hitliste.

Platz 1

14. Okt. 2008     9.447,57               1.171,14 Punkte               14,15 Prozent

Platz 2

2. Okt. 1990       22.898,41            2.676,55 Punkte               13,24 Prozent

Platz 3

15. Dez. 1949     109,62       11,12 Punkte                   11,29 Prozent

Platz 4

30. Okt. 2008     9.029,76               817,86 Punkte   9,96 Prozent

Platz 5

21. Okt. 1987     23.947,40            2.037,32 Punkte               9,30 Prozent

Platz 6

17. Nov. 1997    16.283,32            1.200,80 Punkte               7,96 Prozent

Platz 7

31. Jan. 1994      20.229,12            1.471,24 Punkte               7,84 Prozent

Platz 8

29. Okt. 2008     8.211,90               589,98 Punkte   7,74 Prozent

Platz 9

10. Apr. 1992     17.850,66            1.252,51 Punkte               7,55 Prozent

Platz 10

21. Mär. 2001    13.103,94            912,97 Punkte   7,49 Prozent

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 0,5 Prozent im Plus bei 12.349 Punkten. Zeitweise erreichte das Börsenbarometer 11.400 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index kletterte 1,9 Prozent auf 1039 Stellen. Auch die australische Börse in Sydney stieg auf den höchsten Stand seit viereinhalb Jahren.

Die Märkte in Taiwan, Singapur und Hongkong legten ebenfalls zu. Die Börse in Seoul gab dagegen belastet von den Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea leicht nach. In Shanghai drückten uneinheitliche Konjunkturdaten vom Wochenende auf die Stimmung, die Sorgen bestärkten, dass der chinesische Wirtschaftsmotor nur stotternd wieder auf Touren kommt. Der MSCI-Index für die asiatischen Aktien ohne Japan trat auf der Stelle.

In China kamen zur Überraschung der Experten Industrieproduktion und Einzelhandel zum Jahresanfang nur schleppend auf Touren, während der Preisauftrieb im Februar größer ausfiel als erwartet. Zudem vergaben die Banken weniger Kredite als prognostiziert. Die Daten hätten den Markt enttäuscht und die Anleger zu etwas mehr Vorsicht angehalten, sagte Aktienstratege Damien Boey von Credit Suisse in Sydney.

Dagegen nährten die Daten vom Arbeitsmarkt in den USA die Hoffnungen auf eine Erholung der größten Volkswirtschaft der Welt. Dies führe zusätzlich neben der japanischen Geldpolitik zu einem schwächeren Yen und hebe die Stimmung am Markt, sagte Analyst Naoki Fujiwara von Shinkin Asset Management.

Yen-Verfall: Wie tief sinkt Japans Währung noch?

Gradmesser

Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.

Kurs

Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.

Neue Regierung

Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Fiskalpolitik

Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.

Geldpolitik

Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.

Wirtschaft schrumpft

Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.

Die Wende

Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.

Währungsverfall

Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.

Yen-Prognosen

Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.

Wo Banken den Yen sehen

Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.

Welchen Yen-Kurs die Exporteure wünschen

Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.

Treiber für Export-Aktien

Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.

Rekorde an der Börse

Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.

 

Dies gab vor allem japanischen Exportwerten Auftrieb. Die Papiere des Elektronikkonzerns Toshiba stiegen um fast sechs Prozent. Die Anteilsscheine des weltgrößten Autobauers Toyota verteuerten sich um 1,8 Prozent. Die Papiere des Kamera- und Bürogeräte-Herstellers Canon gewannen 3,6 Prozent. Auch Finanzwerte waren gefragt. Die Aktien von Sumitomo Mitsui Trust kletterten um 2,3 Prozent. Die teilverstaatlichte Bank hatte am Freitag mitgeteilt, Regierungsgelder in Milliardenhöhe zurückzuzahlen.

Der Euro tendierte mit 1,3005 Dollar kaum verändert. Der Greenback profitierte weiter von guten US-Konjunkturdaten und lag mit 96,05 Yen in der Nähe eines Dreieinhalbjahres-Hoch zur japanischen Währung. Der Greenback profitierte weiter von guten US-Konjunkturdaten. Die US-Wirtschaft hatte im Februar weit mehr Stellen geschaffen als erwartet. Zum Yen legte die US-Währung minimal auf 96,24 Yen zu. Ziel der japanischen Regierung ist sind 100 Yen zum Dollar.

Japans Kandidat für den Notenbank-Chefposten will nach seinem Amtsantritt die Geldpolitik schnell lockern. "Geschwindigkeit ist wichtig", sagte Haruhiko Kuroda am Montag vor Abgeordneten im Oberhaus. Er werde tun, was nötig sei, um die Inflation in dem rezessionsgebeutelten Land auf zwei Prozent zu treiben - ein Niveau, das in den vergangenen Jahrzehnten nur selten erreicht wurde. Kuroda dürfte noch im Laufe dieser Woche zum Chef der Bank von Japan gekürt werden: Die Opposition, die die Mehrheit im Oberhaus hat, signalisierte bereits ihre Zustimmung.

Zwar hat sich Japan im Schlussquartal 2012 aus der vierten Rezession seit 2000 gelöst. Doch die jüngsten Auftragsdaten für die Industrie signalisieren eine weiterhin schwache Nachfrage. Im Januar erhielten die Unternehmen 13,1 Prozent weniger Bestellungen als im Dezember - von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang um zwei Prozent gerechnet. Verglichen mit dem Vorjahr waren es 9,7 Prozent weniger Bestellungen. Experten verwiesen jedoch darauf, dass die Daten üblicherweise stark schwanken, wenn etwa Großaufträge wegbrechen.

Meilensteine des Dow Jones

über 20.000 Punkte

Datum: 25.01.2017

Punkte: 20.044,00

über 19.000 Punkte

Datum: 22.11.2016

Punkte: 19.043,90

über 18.000 Punkte

Datum: 23.12.2014

Punkte: 18.069,22

über 17.000 Punkte

Datum: 03.07.2014

Punkte: 17.074,65

über 16.000 Punkte

Datum: 18.11.2013

Punkte: 16.030,28

über 15.000 Punkte

Datum: 03.05.2013

Punkte: 15.009,59

über 10.000 Punkte

Datum: 29.03.199

Punkte: 10.006,79

über 5000 Punkte

Datum: 21.11.1995

Punkte: 5022,55

über 4000 Punkte

Datum: 23.02.1995

Punkte: 4003,33

über 3000 Punkte

Datum: 17.04.1991

Punkte: 3004,46

über 2000 Punkte

Datum: 08.01.1987

Punkte: 2002,25

über 1000 Punkte

Datum: 14.11.1972

Punkte: 1003,16

über 500 Punkte

Datum: 22.09.1956

Punkte: 500,24

über 50 Punkte

Datum: 13.03.1899

Punkte: 50,47

Kuroda gilt als Anhänger einer noch lockereren Geldpolitik. Beobachter rechnen damit, dass schon beim ersten Zinsentscheid unter seiner Führung Anfang April die Geldschleusen noch weiter geöffnet werden. Schon jetzt fährt die Bank von Japan den lockersten Kurs aller großen Notenbanken.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

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