Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.03.2013

07:34 Uhr

Börse Tokio

Nikkei-Index peilt 12.000 Punkte an

Nach guten Vorgaben aus New York hat Japans Aktienmarkt weiter zugelegt und notiert so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Zu den Gewinnern in Tokio gehören erneut Finanzwerte. China-Aktien steigen deutlich.

Eine Anzeigentafel in Tokio. AFP

Eine Anzeigentafel in Tokio.

TokioDie Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik hat dem japanischen Aktienmarkt auch am Dienstag Gewinne beschert. Bei einer Anhörung im Parlament signalisierte die künftige Führungsriege der Notenbank ihre Bereitschaft, im Kampf gegen die Deflation notfalls noch mehr Geldscheine zu drucken.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schließt 0,27 Prozent höher bei 11.683,45 Punkten. Dabei gewann der Index zeitweise mehr als doppelt so viel und lag deutlich über 11.700 Punkten. Die runde Marke von 12.000 Punkten kommt damit erstmals seit dem Absturz im Jahre 2008 wieder in Reichweite. Der breit gefasste Topix gab indes um 3,63 Punkte oder 0,37 Prozent auf den Stand von 988,62 Zählern nach.

Nikkei-Index: Die zehn besten Tage an Japans Aktienmarkt

Rasanter Kursanstieg

Vier Prozent an einem Tag - das ist ungewöhnlich viel für den Nikkei-Index, der immerhin 225 Werte umfasst. Doch es gab noch viel bessere Tage. Die Hitliste.

Platz 1

14. Okt. 2008     9.447,57               1.171,14 Punkte               14,15 Prozent

Platz 2

2. Okt. 1990       22.898,41            2.676,55 Punkte               13,24 Prozent

Platz 3

15. Dez. 1949     109,62       11,12 Punkte                   11,29 Prozent

Platz 4

30. Okt. 2008     9.029,76               817,86 Punkte   9,96 Prozent

Platz 5

21. Okt. 1987     23.947,40            2.037,32 Punkte               9,30 Prozent

Platz 6

17. Nov. 1997    16.283,32            1.200,80 Punkte               7,96 Prozent

Platz 7

31. Jan. 1994      20.229,12            1.471,24 Punkte               7,84 Prozent

Platz 8

29. Okt. 2008     8.211,90               589,98 Punkte   7,74 Prozent

Platz 9

10. Apr. 1992     17.850,66            1.252,51 Punkte               7,55 Prozent

Platz 10

21. Mär. 2001    13.103,94            912,97 Punkte   7,49 Prozent

Der Kandidat für den Chefposten bei der Notenbank, Haruhiko Kuroda, hatte bereits am Montag vor dem Unterhaus eine Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt. Die bisherigen Maßnahmen der BOJ reichten nicht aus, um das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Daher müsste auch der Kauf von langlaufenden Staatsanleihen ins Auge gefasst werden. Ähnlich äußerte sich am Dienstag sein designierter Stellvertreter Hiroshi Nakaso.

Zu den Gewinnern in Tokio gehörten erneut Finanzwerte. Der japanische Banken-Index legte rund 1,4 Prozent zu. Der Aktienkurs von Sumitomo Mitsui Financial gewann 0,9 Prozent, die Papiere von Mizuho Financial kletterten ein Prozent nach oben.

Bei den Einzelwerten stach zudem der Einzelhändler Fast Retail mit einem Plus von 5,8 Prozent hervor. Dessen Modekette Uniqlo hatte zuvor ein Umsatzplus in Japan für den vergangenen Monat von rund zehn Prozent bekanntgegeben.

Die Börse in Shanghai legt mehr als ein Prozent zu, nachdem der Aktienmarkt am Montag um mehr als drei Prozent nachgegeben hatte. Das chinesische Parlament berät ab heute in Peking und leitet einen formellen Machtwechsel in der kommunistischen Wirtschaftsmacht ein. Die fast 3000 Abgeordneten des Nationalen Volkskongresses sollen Xi Jinping zum neuen Präsidenten wählen.

Mit höheren Staatsausgaben will die chinesische Regierung auch in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent erzielen. Wegen der verstärkten Investitionen in Infrastruktur und andere Staatsprojekte werde sich das Haushaltsdefizit 2013 auf etwa zwei Prozent der Wirtschaftsleistung erhöhen, sagte der scheidende Ministerpräsident Wen Jiabao am Dienstag laut Redemanuskript zur Eröffnung des Nationalen Volkskongresses.

Im vergangenen Jahr betrug das Haushaltsdefizit in China 1,6 Prozent. Das Wirtschaftswachstum lag 2012 dank massiver Staatsausgaben in der zweiten Jahreshälfte bei 7,8 Prozent und damit knapp über der offiziellen Zielmarke von 7,5 Prozent.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Video: Wie der Wall-Street-Handel lief

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die chinesische Regierung will ihre Rüstungsausgaben in diesem Jahr noch einmal deutlich erhöhen. Der erneut deutliche Anstieg der Militärausgaben dürfte dennoch die Sorgen anderer Länder in der Region wie Japan oder Indien vor einem immer mächtigeren China wachsen lassen und könnte auch die Börsen belasten. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Regierung in Peking ihre Rüstungsausgaben um 11,2 Prozent erhöht.

Yen-Verfall: Wie tief sinkt Japans Währung noch?

Gradmesser

Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.

Kurs

Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.

Neue Regierung

Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Fiskalpolitik

Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.

Geldpolitik

Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.

Wirtschaft schrumpft

Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.

Die Wende

Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.

Währungsverfall

Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.

Yen-Prognosen

Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.

Wo Banken den Yen sehen

Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.

Welchen Yen-Kurs die Exporteure wünschen

Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.

Treiber für Export-Aktien

Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.

Rekorde an der Börse

Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.

 

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×