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17.06.2013

08:55 Uhr

Börse Tokio

Nikkei-Index steigt mehr als zwei Prozent

Die Aktienkurse in Japan erholen sich weiter. Der Leitindex der Börse überwindet am Ende sogar nachmittags die Marke von 13.000 Punkten. Unter Druck bleiben aber Immobilienaktien.

Der Nikkei-Index am vergangenen Freitag. Nun marschieren die Kurse wieder in Richtung 13.000 Punkte. dpa

Der Nikkei-Index am vergangenen Freitag. Nun marschieren die Kurse wieder in Richtung 13.000 Punkte.

TokioDie asiatischen Aktienmärkte sind mit zum Teil kräftigen Aufschlägen in die neue Woche gestartet. Vor allem an der Tokioter Leitbörse legten der 225 Werte umfassende Nikkei und der breiter gefasste Topix um 2,73 beziehungsweise 2,68 Prozent zu.

Auch an den meisten anderen Handelsplätzen in Asien wiesen die Zeichen am Montag nach oben. Allerdings hielt sich der Kursanstieg wegen der bevorstehenden Sitzung der US-Notenbank Fed am Dienstag und Mittwoch in Grenzen.

Die Marktteilnehmer vor Ort und in Übersee warteten die Signale der Fed über deren künftiges Stimulierungsprogramm ab, sagte Kim Young Il von Daishin Securities in Seoul. Dort ging die Börse mit einem Minus von 0,32 Prozent aus dem Handel.

Das japanische Experiment

Was bedeutet „Abenomics“?

Begrifflich lehnt sich das Konzept an die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren an („Reaganomics“). Reagan versuchte seinerzeit, mit massiven Steuersenkungen die Wirtschaft anzukurbeln. Das Konzept ging zwar insoweit auf, als das Wachstum anzog. Zugleich gingen aber die Steuereinnahmen stark zurück und die Schulden Amerikas stiegen rapide an.

Ähnliche Gefahren sehen Beobachter für Japan: Das Konzept von Premier Abe zielt darauf ab, mit staatlichen Konjunkturprogrammen und einer von der Notenbank initiierten Geldflut die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Als Wachstumsbremse gelten insbesondere die seit Jahren sinkenden oder zumindest stagnierenden Binnenpreise. Sie halten Verbraucher und Unternehmen von Konsum und Investitionen ab, weil diese ständig auf noch geringere Preise spekulieren.

Was genau machen Staat und Notenbank?

Die Regierung hat Anfang des Jahres ein riesiges Konjunkturpaket aufgelegt, das sich umgerechnet auf weit über 100 Milliarden Euro beläuft. Das Geld soll unter anderem in die öffentliche Infrastruktur fließen, die Regierung erhofft sich davon mehr als eine halbe Million neue Arbeitsplätze. Die Notenbank Japans unterstützt den Kurs mit einer aggressiven Geldpolitik. Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda will die umlaufende Geldmenge mit massiven Wertpapierkäufen bis Ende 2014 verdoppeln. Das soll die Konjunktur beleben und zudem die Wachstumsbremse „Deflation“ lösen.

Wirken die "Abenomics"?

Anfangs ja. Der Binnenkonsum legte zunächst deutlich zu, die für Japan wichtigen Exporte stiegen. Während der höhere private Verbrauch eine Folge der neuen Wirtschaftspolitik sein könnte, haben die Ausfuhren von dem Sinkflug des japanischen Yen profitiert. Doch inzwischen ist der Effekt verpufft. Im dritten Quartal 2014 schrumpfte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt überraschend um 0,4 Prozent.

Ist das Konzept langfristig tragbar?

Die „Abenomics“ bergen viele Risiken: Konjunkturprogramme kosten Geld. Schon jetzt weist Japan die mit Abstand höchste Staatsverschuldung aller Industrienationen auf. Noch steckt Japan indes nicht in der Falle, weil die Schulden zu einem Großteil von heimischen Banken, Versicherungen und Pensionsfonds finanziert worden sind. Weil deren Vermögen aber begrenzt ist, dürfte das Land immer stärker auf ausländische Geldgeber angewiesen sein. Sollten diese höhere Zinsen verlangen, würden die Schulden Japans weiter steigen - ein Teufelskreis. Darüber hinaus fragt sich, ob die Geldflut der japanischen Notenbank das Wachstum nachhaltig belebt oder sich als Strohfeuer erweist. Zumal der Wachstumsschub über den schwachen Yen zu Lasten anderer Länder geht, weil sich deren Exporte verteuern. Das könnte politische Konflikte provozieren.

Drohen Europa japanische Verhältnisse?

Europa hat ähnliche Probleme wie Japan, etwa hohe Staatsschulden oder eine alternde Bevölkerung. In Ländern wie Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland hat man versucht, die Krise mit einer Kombination aus Sparpolitik und Wirtschaftsreformen zu überwinden. Beides aber belastet die konjunkturelle Entwicklung. Eine Reihe von Experten fordert, dass die Europäische Zentralbank Geld drucken soll ähnlich wie die Bank of Japan.

Auch der MSCI-Index der asiatisch-pazifischen Märkte außerhalb Tokios zeigte nach oben, legte aber mit 0,5 Prozent bei weitem nicht so kräftig wie die Tokioter Börsen zu. Der Nikkei ging mit 13.033 Zählern und der Topix mit 1084 Stellen aus dem Handel.

Gefragt waren vor allem defensive Werte. So legte der Index der Lebensmittelhersteller um 2,8 Prozent zu. Japan Tobacco gewann fünf Prozent. Der Immobiliensektor, der von der Inflationspolitik der Regierung am meisten profitiert und von Jahresbeginn bis zum 22. Mai um 70 Prozent zugelegt hatte, blieb unter Druck. Der Index der Immobilienbranche lag am Montag 2,5 Prozent im Minus.

In Erwartung klarer Signale vom geldpolitischen Treffen der Fed konnte sich die japanische Währung nahe an ihrem Zwei-Monats-Hoch gegenüber Euro und Dollar halten. Der Dollar kostete 94,87 Yen.

Chartanalyse: Nikkei-Index sucht derzeit wieder Halt

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Von

rtr

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