Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.10.2013

07:53 Uhr

Börse Tokio

Nikkei muss Verluste hinnehmen

Die Börse in Tokio schließt im Minus. Verluste fuhr vor allem der japanische Ausrüstungshersteller Komatsu ein. Der negative Ausblick belastete auch andere Firmen.

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio. dpa

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio.

TokioDie Börsen in Fernost haben sich am Dienstag uneinheitlich präsentiert. Während in Japan eine Gewinnwarnung des Baumaschinen-Herstellers Komatsu den Anlegern die Stimmung verdarb, herrschte an den anderen asiatischen Aktienmärkten Zurückhaltung. Börsianer gaben sich abwartend vor der zweitägigen Sitzung der US-Notenbank (Fed), die am Mittwoch endet. Sie setzen darauf, dass die Fed an ihrem geldpolitischen Kurs und damit an den Konjunkturspritzen im Volumen von monatlich 85 Milliarden Dollar festhält.

"Der Markt wird relativ ruhig bleiben. Eine Bestätigung der bisherigen Politik hat für Investoren derzeit Priorität", sagte Analyst Lee Seung Joon von Hi Investment & Securities. Auch die jüngsten US-Konjunkturdaten zeigten, dass sich die US-Wirtschaft nur langsam erholt. Zwar fuhren die Firmen ihre Produktion im September so kräftig hoch wie seit sieben Monaten nicht mehr. Für Experten ist dies aber noch kein Hinweis auf einen kräftigen Aufschwung.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index mit einem Minus von 0,5 Prozent auf 14.325 Zähler. Der breiter gefasste Topix gab 0,4 Prozent auf 1193 Zähler nach. In Taiwan, Südkorea, Singapur und Hongkong lagen die Börsen hingegen leicht im Plus. Deutliche Abschläge verzeichnete der Aktienmarkt in Shanghai.

Unter den japanischen Einzelwerten stand die Komatsu-Aktie im Mittelpunkt, die mit einem Verlust von mehr als acht Prozent aus dem Handel ging. Zu Wochenbeginn hatte der nach Caterpillar zweitgrößte Baumaschinenhersteller der Welt überraschend seine Ergebnisprognose um mehr als 30 Prozent zurückgeschraubt und dies vor allem mit einer schwachen Nachfrage des Bergbausektors begründet. Dies löste auch bei anderen Aktien Gewinnmitnahmen aus. Die Papiere des Reifenherstellers Bridgestone büßten 1,3 Prozent ein.

Der Euro gab in Fernost leicht nach. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete mit 1,3776 Dollar etwas weniger als zuletzt in New York mit 1,3784 Dollar.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×