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09.10.2013

08:55 Uhr

Börse Tokio

Nikkei schließt über 14.000 Punkten

Die angekündigte Berufung von Janet Yellen an die Spitze der US-Notenbank hat Tokios Börse Gewinne beschert. Yellen steht für die Weiterführung der lockeren Geldpolitik des jetzigen Fed-Chefs Bernanke.

Vor einer Börsenanzeige in Downtown Tokio. AFP

Vor einer Börsenanzeige in Downtown Tokio.

TokioDer festgefahrene Haushaltsstreit in den USA hat am Mittwoch die Aktienmärkte in Asien belastet. Bei den Anlegern schwand die Hoffnung auf eine baldige Lösung. Auch ein Telefonat zwischen Präsident Barack Obama und seinem republikanischen Gegenspieler John Boehner brachte offenbar keine Fortschritte. Dies hatte bereits die New Yorker Börse ins Minus gezogen. Ohne Einigung zwischen Demokraten und Republikanern in den nächsten Tagen droht den USA noch in diesem Monat die Zahlungsunfähigkeit mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft.

Der MSCI-Index für asiatische Börsen außerhalb Japans gab 0,3 Prozent ab. Mit einem Minus von rund 0,6 Prozent ging es vor allem an der Börse in Hongkong nach unten. Investoren würden vor allem im boomenden Technologie-Sektor Gewinne mitnehmen, sagten Analysten. Die Aktien des chinesischen Internet-Riesen Tencent verloren etwa 2,5 Prozent, nachdem sie am Tag zuvor auf einem Rekordhoch notiert hatten.

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

Dagegen profitierte der japanische Aktienmarkt von der geplanten Berufung von US-Notenbank-Vizechefin Janet Yellen zur neuen Fed-Präsidentin. Anleger erwarten, dass Yellen die ultra-lockere Geldpolitik des scheidenden Zentralbank-Chefs Ben Bernanke fortsetzen und eher später als früher mit der erwarteten Drosselung der Konjunkturhilfen beginnen wird. Der Nikkei schloss rund ein Prozent höher bei 14.037 Punkten.

„Die Investoren sind vorsichtig, gewiss, aber sie wollen ihre Positionen nicht zu stark reduzieren“, sagte Hikaru Sato aus dem Analystenteam von Daiwa Securities. Denn sobald es Fortschritte in den Verhandlungen von US-Präsident Barack Obama mit den Republikanern gebe, könne der Markt zwei bis drei Prozent anziehen.

Unter den Einzelwerten stachen die Papiere der Großbank Mizuho hervor, die ein Prozent nachgaben. Die Affäre um Geschäfte mit der Mafia zieht bei Mizuho weitere Kreise. Das Geldhaus räumte am Dienstag ein, dass der ehemalige Chef der Bankensparte von den Vorgängen gewusst habe.

Von

rtr

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