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23.10.2013

09:13 Uhr

Börse Tokio

Nikkei schließt zwei Prozent im Minus

Nach anfänglichen Gewinnen haben die Indizes in Tokio am Mittwoch ins Minus gedreht. Hinweise, dass die USA ihre lockere Geldpolitik weiterführen wird, drückten den Dollar im Vergleich zum Yen deutlich.

Anzeige der Börsenkurse in Tokio. AFP

Anzeige der Börsenkurse in Tokio.

TokioDie Aussicht auf eine vorerst unveränderte Politik des billigen Geldes in den USA wegen der nur schleppenden Erholung des dortigen Arbeitsmarktes hat den asiatischen Aktienmärkten Verluste eingebrockt. Händler sagten, vielerorts hätten Anleger am Mittwoch nun erst einmal Kasse gemacht und Gewinne mitgenommen.

Wegen der lockeren US-Geldpolitik, die nach Einschätzung von Experten nun nicht vor Beginn des nächsten Jahres gestrafft werden dürfte, sank der Dollar zum Euro auf ein Zweijahrestief und verbilligte sich auch zum Yen. Dies führte in Tokio zu Verkäufen von exportlastigen Werten, weil sich ihre Waren im Ausland durch den höheren Yen-Kurs verteuern.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss fast zwei Prozent im Minus bei 14.426 Punkten. Der breit gefasste MSCI -Index für asiatische Aktien außerhalb Japans verlor 0,5 Prozent. Zunächst hatte der Nikkei noch zugelegt und sich von der guten Stimmung an der Wall Street anstecken lassen. Die Erwartung einer unverminderten Geldschwemme hatte dort am Dienstag die Rekordjagd angeheizt.

Auslöser war der wegen des vorübergehenden Verwaltungsstillstands verspätet veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für September. Die Beschäftigtenzahl wuchs weniger stark als erwartet. Die Anleger werteten dies als Hinweis darauf, dass die Fed ihre Konjunkturspritzen erst im kommenden Jahr zurückfahren könnte.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,5 Prozent höher bei 15.467 Punkten. Der S&P stieg 0,6 Prozent auf 1754 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,2 Prozent auf 3929 Punkte.

In Tokio stachen bei den Einzelwerten die Aktien von Softbank hervor. Bei hohen Umsätzen zogen sie zeitweise auf ein neues 13-Jahres-Hoch an.

Bis Handelsschluss gaben sie um 0,2 Prozent nach. In diesem Jahr hat das Papier bereits 150 Prozent hinzugewonnen. Der japanische Telekomkonzern hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, über einen Einstieg bei dem amerikanischen US-Mobilfunktechnik-Händler Brightstar zu verhandeln.

Von

rtr

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