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30.12.2013

09:05 Uhr

Börse Tokio

Nikkei verabschiedet sich aus Rekordjahr

Bevor eine längere Neujahrspause beginnt, ging es an der Börse Tokio nochmal aufwärts. So gut wie 2013 lief es lange nicht, auch auf das kommende Jahr blicken Analysten optimistisch - trotz neuer Kapitalertragssteuer.

An der Börse Tokio stehen die Vorzeichen auf  Gewinn. dpa

An der Börse Tokio stehen die Vorzeichen auf Gewinn.

TokioStaatliche Konjunkturhilfen haben der Tokioter Börse ihr bestes Jahr seit 1972 beschert. Der Leitindex Nikkei stieg am Montag auf den höchsten Stand seit sechs Jahren und schloss mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 16.291 Punkten. Damit konnte er in diesem Jahr insgesamt 57 Prozent zulegen. Das ist das beste Ergebnis seit mehr als 40 Jahren. Der Nikkei verbuchte zudem den neunten Handelstag in Folge ein Plus, die längste Gewinnstrecke seit Juli 2009. Der breiter gefasste Topix-Index kletterte ein Prozent auf 1302 Punkte. Auch die meisten anderen Börsen in Fernost verzeichneten Gewinne. Lediglich die China-Börsen in Shanghai und Hongkong gaben leicht nach.

Die Börse in Tokio bleibt über Neujahr vom 31. Dezember bis zum 3. Januar geschlossen. Der Handel wird am 6. Januar wieder aufgenommen. Analysten rechnen dann mit einer Fortsetzung der Rally. Zwar seien die Kursgewinne schon recht kräftig gewesen. Doch seien die Anleger weiter in Kauflaune und auch für 2014 optimistisch, sagte ein Händler.

Angetrieben wurde die Rally von einem weiteren Rückgang des Yen, der seit Jahresanfang von der Regierung und der Notenbank zur Stützung der heimischen Wirtschaft forciert wurde. Die japanische Währung fiel zum Dollar und zum Euro auf ein neues Fünf-Jahres-Tief. Bei den Einzelwerten standen Exporttitel wie die Autobauer im Fokus, die im Ausland von der Yen-Schwäche profitieren. Die Aktien von Toyota verteuerten sich um 0,5 Prozent. Die Papiere des Rivalen Honda gewannen 0,7 Prozent. Der Kurs des Unterhaltungselektronikriesen Sony legte 2,3 Prozent zu. Auch Finanzwerte waren gefragt: Die Titel der Großbank Mizuho Financial stiegen um mehr als drei Prozent.

Tokio ist..

…teuer

Tokio ist nicht nur ein tolles, sondern vor allem ein teures Vergnügen. Die Stadt ist die zweitteuerste der Welt, wobei sie erste dieses Jahr von Zürich überholt wurde. Die saftigen Preisen schlagen sich bei Hotelbuchungen und Gastronomie-Besuchen nieder. Der Durchschnittstourist muss Minimum 100 Euro pro Tag für Kost und Logis einplanen, aber auch nur, wenn er nicht einkauft Shoppen und den Abend im Hotelzimmer verbringt.

…voller freundlicher Menschen

Oder anders gesagt: voll und trotzdem freundlich. Die vielen Menschen schubsen, schimpfen und hupen nicht. Und das ist für ein asiatisches Land eigentlich ziemlich untypisch. Dass Japaner aber einfach anders sind, werden Sie zum Beispiel beim Warteschlangen-System merken. Das Ein- und Aussteigen verläuft gediegen und strukturiert, man wartet grundsätzlich stumm in Reih und Glied.

…lecker

Tokio ist voller Cafés und Restaurants, deren köstliche Speisen mit Sicherheit jeden Gaumen befriedigen. Nur der Preis schmeckt nicht. Ein kleiner Starbucks-Cappuccino kostet über vier Euro, eine Pizza zehn, Sushi-Menüs ab 20 aufwärts. Sparen kann man beim Mittags-Menü oder bei einem spartanischen Snack-Einkauf im 7-Eleven.

…künstlich

Besonders die jugendlichen Tokioter inszenieren ihre Persönlichkeiten mit abgefahrenen Outfits, die wir höchstens von Karneval oder aus dem Fernsehen kennen. Manga-Fans sehen aus wie die Tokio Hotel-Sänger, kleine Mädels tragen auch privat Schulmädchen-Uniformen oder Hello-Kitty-Outfits, die kreidebleichen Verkäuferinnen pechschwarze Kontaktlinsen und unechte Wimpern und selbst ein herkömmlicher KitKat-Riegel geht im hellgrünen Gewand und hat Rosenblüten- und Grüntee-Geschmack.

…futuristisch

High Tech wohin das Auge sieht. Wenn man nicht gerade in einem Tempel oder auf dem Fischmarkt steht. Die öffentlichen Toiletten zum Beispiel sind mit Sound- und automatischem Reinigungssystem ausgestattet und beglücken jeden peniblen Hygiene-Fanatiker. Die künstlichen Spül-Geräusche ermöglichen außerdem entspannte Geschäfte ohne (Fremd-) Scham. Ganz wichtig: Stehen vor der Toilette Pantoffeln, ziehen Sie sie unbedingt an und betreten Sie die Toilette keinesfalls mit Straßenschuhen, denn Tokio ist…

…sauber und ordentlich

So viel Konsum, so wenig Müll. Eine erstaunliche Leistung, die die Stadt zwar zu einem angenehmen Aufenthaltsort macht, manchmal aber auch nervt. Denn selbst im Modegeschäft folgt Ihnen immer jemand, der die Bügel exakt so wieder herrichtet, wie sie vor Ihrem Besuch hingen.

…ruhig

Auch das ist etwas eigenartig, dass eine so überbevölkerte und überladene Stadt manchmal so still ist, wie ein Vorort von Castrop-Rauxel. Dieses kollektive Meditieren ist schon fast unheimlich. Und wer seinen Weg nicht stumm oder mit verschlossenen Augen bestreitet, schaut konzentriert auf sein Smartphone oder in sein Manga-Heft. Doch niemand streitet, hupt oder ruft.

…ein Shopping-Mekka

Geld ist in Japan Mentalität – und die ist stark ausgeprägt. Wer seins nicht in Spielautomaten oder Restaurants-Kassen steckt, der lässt es in teuren Designer-Boutiquen in Ginza, in Shoppingmalls in Shinjuku, in Elektronik-Fachmärkten in Akihabara oder beim Hundekauf in Shibuya.

Als größter Gewinner im Gesamtjahr stach der Autobauer Mazda mit einem Kursplus von 213 Prozent heraus. Dahinter folgt der Telekom-Konzern Softbank, der Insidern zufolge an der amerikanischen Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile US interessiert ist. Der Kurs legte 2013 um 193 Prozent zu.

Von

rtr

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