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07.08.2013

08:31 Uhr

Börse Tokio

Nikkei vier Prozent im Minus

Die japanische Börse setzt ihre Schleuderfahrt fort. Zum Börsenschluss steht der Nikkei vier Prozent im Minus und fällt unter die Marke von 14.000 Punkten. Grund ist die Sorge um den steigenden Yen.

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio. dpa

Vor einer Börsenanzeigetafel in Tokio.

TokioKräftige Verluste im Land des Lächelns: .Der jüngste Yen-Anstieg hat Asiens Börsen am Mittwoch schwer belastet. Angeführt von den Tokioter Aktienmärkten verzeichneten fast alle wichtigen Handelsplätze Kursverluste.

Händler machten auch Hedgefonds für die teils kräftigen Abschläge verantwortlich, die sich kurz vor dem Ablauf von Optionen am Freitag von ihren Papieren trennten. Dazu kommt ein dünner Handel während der Urlaubszeit, so dass schon geringere Effekte genügen, die Kurse deutlich zu bewegen

Der Tokioter Nikkei-Index schloss vier Prozent schwächer bei 13.824 Punkten, der breiter gefasste Topix verlor 3,2 Prozent. Zu den größten Verlierern gehörten Exportwerte wie Toyota oder Canon mit einem Minus von 2,4 beziehungsweise 2,5 Prozent.

Das japanische Experiment

Was bedeutet „Abenomics“?

Begrifflich lehnt sich das Konzept an die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren an („Reaganomics“). Reagan versuchte seinerzeit, mit massiven Steuersenkungen die Wirtschaft anzukurbeln. Das Konzept ging zwar insoweit auf, als das Wachstum anzog. Zugleich gingen aber die Steuereinnahmen stark zurück und die Schulden Amerikas stiegen rapide an.

Ähnliche Gefahren sehen Beobachter für Japan: Das Konzept von Premier Abe zielt darauf ab, mit staatlichen Konjunkturprogrammen und einer von der Notenbank initiierten Geldflut die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Als Wachstumsbremse gelten insbesondere die seit Jahren sinkenden oder zumindest stagnierenden Binnenpreise. Sie halten Verbraucher und Unternehmen von Konsum und Investitionen ab, weil diese ständig auf noch geringere Preise spekulieren.

Was genau machen Staat und Notenbank?

Die Regierung hat Anfang des Jahres ein riesiges Konjunkturpaket aufgelegt, das sich umgerechnet auf weit über 100 Milliarden Euro beläuft. Das Geld soll unter anderem in die öffentliche Infrastruktur fließen, die Regierung erhofft sich davon mehr als eine halbe Million neue Arbeitsplätze. Die Notenbank Japans unterstützt den Kurs mit einer aggressiven Geldpolitik. Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda will die umlaufende Geldmenge mit massiven Wertpapierkäufen bis Ende 2014 verdoppeln. Das soll die Konjunktur beleben und zudem die Wachstumsbremse „Deflation“ lösen.

Wirken die "Abenomics"?

Anfangs ja. Der Binnenkonsum legte zunächst deutlich zu, die für Japan wichtigen Exporte stiegen. Während der höhere private Verbrauch eine Folge der neuen Wirtschaftspolitik sein könnte, haben die Ausfuhren von dem Sinkflug des japanischen Yen profitiert. Doch inzwischen ist der Effekt verpufft. Im dritten Quartal 2014 schrumpfte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt überraschend um 0,4 Prozent.

Ist das Konzept langfristig tragbar?

Die „Abenomics“ bergen viele Risiken: Konjunkturprogramme kosten Geld. Schon jetzt weist Japan die mit Abstand höchste Staatsverschuldung aller Industrienationen auf. Noch steckt Japan indes nicht in der Falle, weil die Schulden zu einem Großteil von heimischen Banken, Versicherungen und Pensionsfonds finanziert worden sind. Weil deren Vermögen aber begrenzt ist, dürfte das Land immer stärker auf ausländische Geldgeber angewiesen sein. Sollten diese höhere Zinsen verlangen, würden die Schulden Japans weiter steigen - ein Teufelskreis. Darüber hinaus fragt sich, ob die Geldflut der japanischen Notenbank das Wachstum nachhaltig belebt oder sich als Strohfeuer erweist. Zumal der Wachstumsschub über den schwachen Yen zu Lasten anderer Länder geht, weil sich deren Exporte verteuern. Das könnte politische Konflikte provozieren.

Drohen Europa japanische Verhältnisse?

Europa hat ähnliche Probleme wie Japan, etwa hohe Staatsschulden oder eine alternde Bevölkerung. In Ländern wie Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland hat man versucht, die Krise mit einer Kombination aus Sparpolitik und Wirtschaftsreformen zu überwinden. Beides aber belastet die konjunkturelle Entwicklung. Eine Reihe von Experten fordert, dass die Europäische Zentralbank Geld drucken soll ähnlich wie die Bank of Japan.

Grund ist das Erstarken der Landeswährung Yen, die zum Dollar auf den höchsten Stand seit sechs Wochen stieg. Das belastet die Gewinne der japanischen Unternehmen, weil sie ihre Produkte nicht mehr so günstig im Ausland verkaufen können. Im vergangenen Quartal hatten viele Konzerne gute Ergebnisse dank der Yen-Schwäche eingefahren.

Dazu kommt der Verfallstag von Optionen am Freitag. Viele Investoren trennten sich im Vorfeld von ihren Papieren, etwa von den Index-Schwergewichten SoftBank mit einem Kursminus von 4,7 Prozent und Fast Retailing mit einem Abschlag von 6,1 Prozent. Dass keine wichtigen Konjunkturdaten und Quartalsbilanzen anstünden, bedeute, dass der Markt auch auf kleinere Entwicklungen reagiere, sagten Händler.

Eckpunkte der neuen japanischen Geldpolitik

Festes Inflationsziel

Die Bank von Japan legt sich fest: Innerhalb von zwei Jahren wird sie eine Inflationsrate von zwei Prozent erreichen.

Verdoppelung der Geldbasis

Die Geldbasis soll von jetzt 138 Billionen Yen auf 270 Billionen Yen im Jahr 2014 steigen. Umgerechnet geht es um eine Steigerung von 1,05 Billionen Euro auf 2,05 Billionen Euro.

Kauf von Staatsanleihen

Die Bank von Japan will 77 Prozent des frischen Zentralbankgelds in Staatsanleihen mit langer Laufzeit investieren. Die durchschnittliche Laufzeit ihrer Staatsanleihen soll von drei auf sieben Jahre steigen.

Dauer der Maßnahmen

Die Zentralbank legt sich darauf fest, so lange an der expansiven Geldpolitik festzuhalten, bis sie ihr Inflationsziel erreicht hat.

Aussetzung des Banknoten-Prinzips

Die Bank von Japan setzt zeitweilig das Banknoten-Prinzip außer Kraft, wonach sie nicht den Wert der im Umlauf befindlichen Banknoten überschreiten darf.

Am Dienstag hatte der Index seine Verluste wettgemacht, nachdem die Bank von Japan börsengehandelte Indexfonds gekauft hatte. Auch eine Reuters-Meldung, wonach ein Pensionsfonds seine Anlagestrategie überdenke und möglicherweise künftig mehr Aktien kaufe, trug zu den Kursgewinnen bei. "Alles kann dazu führen, dass Hedgefonds ihre Leerverkaufs-Positionen wieder ausgleichen", sagte Norihiro Fujito, Investmentstratege bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

Auch außerhalb Japans gaben die Kurse an den meisten Börsen nach, der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte ohne Tokio fiel um 1,3 Prozent. Lediglich in Singapur schaffte der Leitindex ein kleines Plus. .

Von

rtr

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