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15.01.2013

08:28 Uhr

Börse Tokio

Notenbankchef jagt Aktien in die Höhe

Der Chef der japanischen Notenbank hat den Aktienkursen in Japan den nächsten Höhenflug beschert. Der Nikkei-Index erreicht fast 11.000 Punkte - so viel wie seit fast drei Jahren nicht mehr.

Der japanische Notenbankchef Masaaki Shirakawa lockert die Geldpolitik in Japan. Reuters

Der japanische Notenbankchef Masaaki Shirakawa lockert die Geldpolitik in Japan.

TokioDer Tokioter Aktienmarkt hat sich am Dienstag dem negativen Trend der meisten anderen asiatischen Börsen entziehen können und ist auf den höchsten Stand seit April 2010 geklettert. Die Anleger setzten darauf, dass die japanische Zentralbank die heimische Wirtschaft schon bald mit weiterem Geld ankurbeln könnte.

An anderen wichtigen asiatischen Börsenplätzen wie Südkorea, Hongkong und Taiwan gaben die Kurse indes überwiegend nach. Der Euro präsentierte sich in Fernost robust mit Kursen von rund 1,3360 Dollar nach rund 1,3380 Dollar am Vorabend in New York.

Yen-Verfall: Wie tief sinkt Japans Währung noch?

Gradmesser

Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.

Kurs

Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.

Neue Regierung

Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Fiskalpolitik

Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.

Geldpolitik

Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.

Wirtschaft schrumpft

Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.

Die Wende

Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.

Währungsverfall

Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.

Yen-Prognosen

Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.

Wo Banken den Yen sehen

Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.

Welchen Yen-Kurs die Exporteure wünschen

Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.

Treiber für Export-Aktien

Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.

Rekorde an der Börse

Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.

 

In Tokio schloss der 255 Werte umfassende Leitindex Nikkei 0,7 Prozent fester bei 10.879 Punkten. Das war der höchste Schlusstand seit April 2010. Zwischenzeitlich war der Nikkei sogar bis auf 10.952 Stellen gestiegen. Die Yen-Schwäche und damit die Kursgewinne bei Exportwerten stützten den Index. Am Montag war die Tokioter Börse wegen eines Feiertags geschlossen.
Bei den Einzelwerten standen exportorientierte Unternehmen im Fokus. Zu den stärksten Gewinnern gehörten die Titel von Suzuki Motor, sie schlossen drei Prozent fester. Die Aktien des Technologiekonzerns Panasonic legten um 2,7 Prozent zu.

Aktien: Tops und Flops im Nikkei-Index

Platz 225

Nisshin Steel: - 9,4 Prozent

Platz 224

Kobe Steel: - 6,54 Prozent

Platz 223

Advantest: - 6,16 Prozent

Platz 222

Mitsui OSK Lines: - 6,4 Prozent

Platz 221

Tokuyama: - 6,04 Prozent

Platz 220

T+D Holding: - 5,94 Prozent

Platz 219

Mitsumi El.: - 5,74 Prozent

Platz 218

Nippon Paper: - 5,6 Prozent

Zu den Verlierern zählte die Sharp -Aktie mit einem Minus von knapp drei Prozent. Medienberichten zufolge hat der US-Konzern Apple seine Bestellungen von LCD-Bildschirmen für sein iPhone 5 zurückgefahren. Auch andere Apple-Zulieferer kamen unter die Räder. So büßte Murata Manufacturing 1,4 Prozent ein. Auch der Markt in Seoul wurde von den Berichten über enttäuschende Verkaufsentwicklung des iPhone 5 belastet. Dort sind viele Lieferanten von Apple ansässig.
Der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans sank vor allem wegen der Verluste in Seoul um 0,3 Prozent. Experten sagten, vor allem in Tokio stehe nach den kräftigen Gewinnen ebenfalls bald eine Kurskorrektur an .

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Weltweit setzen Regierungen und Notenbanken alles daran, ihre Währung zu schwächen.

"Kurzfristig wird eine Korrektur sehr wahrscheinlich", sagte Yasuo Sakuma von Bayview Asset Management. Die Börse in Tokio rechnet mit einer weiteren Lockerung der japanischen Geldpolitik. Dementsprechend deutlich sind die Kurse gestiegen.

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