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19.06.2012

09:41 Uhr

Börse Tokio

Sorgen um Spanien belasten Aktien in Asien

Die Anleger schauen erneut mit Sorge auf Europa. Darunter leiden besonders Aktien von Unternehmen, die nach Europa exportieren. Der Nikkei-Index schließt 0,75 Prozent tiefer.

Händler an der Börse in Tokio. Reuters

Händler an der Börse in Tokio.

TokioDie Angst vor einer Verschärfung der Schuldenkrise in Spanien hat am Dienstag die Aktienmärkte in Fernost nach unten gezogen. Nachdem zum Wochenbeginn der Nikkei-Index in Tokio nach dem Wahlsieg der griechischen Sparbefürworter noch ein Ein-Monatshoch erreicht hatte, verpuffte die Erleichterung rasch wieder. In den Vordergrund rückten dagegen die in dieser Woche anstehenden Anleiheverkäufe von Spanien. Bereits am Montag stieg die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen auf 7,2 Prozent und damit den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Auch die Rendite für italienische Bonds zog wieder an.

In Japan schloss der Nikkei-Index am Dienstag 0,75 Prozent tiefer mit 8655 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index gab 0,56 Prozent auf 734 Stellen nach. Der MSCI-Index für Aktien der Asien-Pazifik-Region mit Ausnahme Japans notierte nahezu unverändert. Den dritten Tag in Folge lag als einzige die Börse in Singapur im Plus. Nach unten gingen die Kurse dagegen in Shanghai, Hongkong und Taiwan. Auch an den US-Börsen war zuvor die Erleichterung über den Wahlausgang in Athen schnell verflogen.

"Der Anstieg bei den spanischen Kreditkosten zeigt sehr klar, dass den Staats- und Regierungschefs die Zeit für eine Lösung der Kise in der Euro-Zone wegrennt", sagte Michiyoshi Kato von der Mizuho Corporate Bank. Auch Teppei Ino von der Tokio-Mitsubishi UFJ-Bank sieht die Sorgen um Spanien als Hauptgrund für die fallenden Kurse: "Seit drei, vier Wochen bereitet Spanien Kopfzerbrechen. Die Wahlen in Griechenland haben geholfen, eine größere Katastrophe zu vermeiden, aber sie konnten die Nöte in Spanien nicht wegwischen." Im Blickpunkt der Investoren steht der spanische Bankensektor, der nach dem Willen der Regierung in Madrid internationale Hilfen erhalten soll.

Der Tag an den Märkten (Stand 17:35 Uhr)

Dax

- 0,19 Prozent (Schlusskurs vom Freitag)

Euro Stoxx 50

+ 0,1 Prozent

Dow Jones

- 0,3 Prozent

Nikkei

+ 0,1 Prozent

Euro

1,2302 Dollar (+/- 0 Prozent)

Gold

1.602 Dollar (- 0,7 Prozent)

Öl (Brent)

106,40 Dollar (+ 1,2 Prozent)

Auch bei den Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer wächst die Ungeduld wegen der Euro-Krise. Europa müsse "alle notwendigen politischen Maßnahmen" ergreifen, um die seit mehr als zwei Jahren andauernden Probleme in den Griff zu bekommen, forderte die G20 in einem Kommunique-Entwurf beim Gipfeltreffen im mexikanischen Los Cabos. Der Euro notierte stabil bei 1,2590 Dollar.

Am Aktienmarkt in Tokio gab es vor allem Kursverluste bei den Stahlherstellern. US-Konkurrent AK Steel kündigte an, dass der Gewinn im zweiten Quartal unter den Erwartungen der Experten liegen werde.

Die Erleichterung über den Wahlsieg der griechischen Sparbefürworter ist am Montag an der Wall Street rasch verpufft. Zwar nahm mit dem Sieg der Konservativen über die Linksradikalen die Angst am Markt vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ab. Die Furcht vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf Spanien und Italien rückte aber wieder in den Blickpunkt der Anleger und drückte auf die Stimmung.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Video: Wie der Wall-Street-Handel lief

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer auf 12.741 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 12.696 und 12.781 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legte 0,1 Prozent auf 1344 Stellen zu. Der Index der technologielastigen Nasdaq stieg nach schwachem Auftakt unterstützt von Kursgewinnen bei Apple, Google und Facebook um 0,8 Prozent auf 2895 Punkte. In Frankfurt ging der Dax mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 6.248 Punkten aus dem Handel.

Stimmen zur Griechenland-Wahl

Guido Westerwelle, Außenminister

„Die Reformen müssen jetzt ohne Abstriche weitergeführt werden. Die Vereinbarungen stehen nicht zu Disposition. Europa kann nicht nur an zu wenig, sondern auch an zu viel Solidarität scheitern.“

Mario Monti, italienischer Staatspräsident

„Der Sieg der konservativen Neuen Demokratie ist für die Zukunft Europas und der Eurozone gut. Jetzt müsse aber schnell eine Regierung gebildet werden.“

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

„Der Euro wird überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen. Aber vermutlich wird Griechenland der Währungsunion in fünf Jahren nicht mehr angehören. Die verbliebene Währungsunion wird zu einer Transfer- und Haftungsunion mutiert sein. Wirtschaftlich schwache Länder, die sich mehrheitlich Reformen verweigern, werden auf Kosten wirtschaftlich stärkerer Länder leben.“

Jürgen Pfister, Chefsvolkswirt der BayernLB

„Griechenland muss nach den bisherigen Troika-Plänen weitere Haushaltskürzungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro beschließen. Angesichts dieser Einschnitte ist allerdings nicht gewährleistet, dass der von der Troika vorgezeichnete Weg erfolgreich fortgesetzt werden kann. Mit dem Wahlsieg der Reformbefürworter ist somit zunächst Zeit gewonnen. Eine erneute Umschuldung der Staatsschuld und/oder ein Austritt aus der Währungsunion sind wohl nur durch anhaltende, umfangreiche Transferzahlungen zu verhindern.“

Heino Ruland, Ruland Research

„Dieses Wahlergebnis ist das Worst-Case-Szenario. Denn dadurch wird ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nur hinausgezögert. Langfristig wird der Euro zu einer Schwach-Währung, weil es Transfer-Zahlungen geben wird. Für die Aktien wäre dies positiv, denn bei einer Abwertung des Euro steigt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.“

Jürgen Kurz, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

„Griechenland wird im Euro bleiben. Zum einen wäre ein Ausstieg der Griechen nicht nur für Griechenland eine ökonomische Katastrophe. Zum anderen wäre ein Ausstieg deutlich teurer als der Verbleib der Griechen im Euro. Ich gehe davon aus, dass der Euro aus der aktuellen Krise gestärkt hervorgehen wird. Voraussetzung ist allerdings, dass die Geburtsfehler der Währung endlich beseitigt werden. Hierzu gehört der Aufbau einer gemeinschaftlichen Wirtschafts- und vor allem Finanzpolitik.“

Michael Reuss, Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen

Griechenland hat im Euro keine Chance zu gesunden. Griechenland braucht ein Ventil um wieder wettbewerbsfähig zu werden und das kann in dem Fall, weil der „Point of no return“ bereits überschritten ist, nur noch eine abwertende Währung sein. Aus unserer Sicht wird Griechenland in den nächsten 12 Monaten aus dem Euro ausscheiden. Den Euro wird es in fünf Jahren noch geben, weil er politisch gewollt ist. Er wird aber ein anderes Gesicht haben. Der Euro wird weniger Teilnehmer haben und tendenziell etwas schwächer sein.

Anita Paluch, Gekko Global Markets

Da sich Griechenland nun einem Verbleib in der Euro-Zone verschrieben hat, atmen die Märkte durch, da das Untergangsszenario abgewendet wurde. So sehr der Wahlausgang auch die Furcht vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gedämpft hat, so zurückhaltend ist der Optimismus. Griechenland ist noch nicht über den Berg. Darüber hinaus gibt es neben Griechenland auch noch andere Faktoren, wie die steigenden Finanzierungskosten in Italien und Spanien.

Roger Peeters, Close Brothers Seydler

„In den vergangenen Wochen ist Angela Merkel mehr und mehr zum Feindbild geworden, aber ihr Verlangen nach einer soliden Haushaltspolitik kommt der nächsten Generation in ganz Europa zugute. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass das Wirtschaftswachstum in Südeuropa in Schwung kommt. Mit dem Wahlergebnis in Griechenland ist eine konstruktive Debatte möglich. Die Märkte dürften optimistisch in die neue Woche starten.“

Manfred J.M Neumann, Ökonom und Währungsexperte

„Dass Griechenland im Euro bleibt ist unrealistisch. Ein wirtschaftlicher Aufstieg ist ohne eine Abwertung um etwa 30 Prozent nicht denkbar. Den Euro wird es auch in zwanzig Jahren noch geben. Allerdings lässt sich nicht von der Hand weisen, dass das eine oder andere südeuropäische Land ebenfalls den Euro verlassen wird. Das würde den Euro nicht schwächen und wäre auch nicht als Scheitern Europas zu werten. Es würde zu realistischeren und damit stabileren Währungsrelationen in Europa führen.“

Alfred Roelli, Chefanlagestratege Pictet

Das Risiko, dass Griechenland den Euro verlässt, bleibt hoch. Die Chance, dass Griechenland in der Euro-Zone verbleibt, schätzen wir etwas höher ein als jene eines Austritts. Den Euro wird es auch in fünf Jahren noch geben. Dies allerdings nur, wenn stärker zentralisiert wird und die Überwachung der Mitglieder intensiviert wird. Wir sind weiterhin der Meinung, dass eine vernünftig aufgesetzte Eurobond-Struktur Teil der Lösung sein wird. Leider wird die Diskussion der Euro-Bonds dogmatisch und ideologisch geführt.

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