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19.01.2011

10:12 Uhr

Börse Tunesien

Unruhen schockieren die Anleger

VonWolfgang Drechsler

Transparenz und Stabilität machten die tunesische Börse interessant auch für ausländische Investoren. Die politischen Unruhen haben die Kurse allerdings stark erschüttert. Der Handel an der Börse wurde ausgesetzt, der Leitindex ist eingebrochen.

Demonstranten in Tunesien: Viele Investoren zeigten sich geschockt und setzten dem Aktienmarkt schwer zu. dpa

Demonstranten in Tunesien: Viele Investoren zeigten sich geschockt und setzten dem Aktienmarkt schwer zu.

KAPSTADT. Das sonnige Urlaubsland Tunesien befindet sich, auch nach der Flucht von Präsident Zine al-Abidine Ben Ali, im Aufruhr. Zwar berief Premier Mohamed Ghannouchi zu Wochenbeginn eine Übergangsregierung. Aber kaum eingesetzt, droht der neuen tunesischen Regierung schon der Zerfall: Vier Minister verließen gestern das Kabinett, ein Koalitionspartner drohte seinen Rückzug an. Niemand kann derzeit sagen, ob das Land tatsächlich eine Wende zum Besseren nimmt.

Viele Investoren zeigten sich geschockt und setzten dem Aktienmarkt in Tunis zuletzt schwer zu. Zuvor hatte die Börse dort fast ein Jahrzehnt lang starke Zugewinne verzeichnet und selbst im Zuge der Finanzkrise vor zwei Jahren kaum an Boden verloren. Angesichts der anhaltenden Unruhen setzt die tunesische Börse den Handel nun seit Wochenbeginn aus.

In der letzten Woche war der Leitindex um 13 Prozent eingebrochen. Im Gegensatz dazu setzte die tunesische Währung ihre Aufwertung zunächst fort. Ein Euro kostete gestern 1,90 tunesische Dinar (TD). Für den Einbruch der Börse in der Vorwoche dürfte es neben den Unruhen allerdings auch handfeste wirtschaftliche Gründe geben: Nach dem vergleichsweise langen Aufschwung galten viele tunesische Aktien schon vorher als hoch bewertet – und hatten bereits seit Oktober immer wieder Schwächephasen durchlebt. Doch erst die Revolte gegen das Regime von Ben Ali führte nun zum Ausverkauf.

Obwohl Tunesien seine Wirtschaftskraft in den letzten zehn Jahren spürbar steigern konnte und das Regime auch erste Wirtschaftsreformen unternommen hatte, liegt die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei über 40 Prozent. Nach der Abkühlung in den letzten beiden Jahren war der IWF bislang davon ausgegangen, dass die Wirtschaftskraft in Tunesien in diesem Jahr wieder um rund fünf Prozent steigen würde. Dies dürfte nun nicht mehr der Fall sein.

Der von den Unruhen verursachte Kursrückschlag könnte auch die geplante Privatisierung von Tunisie Telecom gefährden. Das Telekommunikationsunternehmen hofft, durch eine Doppelnotierung in Tunis und Paris rund 500 Millionen TD einzusammeln. Dennoch glauben die meisten Experten, dass die Notierung trotzdem stattfinden wird, wenn auch wohl zu einem niedrigeren Preis. Schließlich braucht das Regime dringend Geld, um die versprochenen neuen Jobs zu schaffen.

Nicht wenige befürchten, dass der tunesische Markt bei ausländischen Investoren stark an Attraktivität einbüßen wird, zumal in der Vergangenheit neben dem vergleichsweise hohen Wachstum auch die relativ gute Transparenz des Marktes und die vermeintliche Stabilität des Landes ausländische Investoren zu einem Engagement bewegt hatten. Diesen Bonus dürfte das Land nun erst einmal verlieren.

Kommentare (3)

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Khaled Boukhalfa

19.01.2011, 12:10 Uhr

Es mag schon richtig sein, dass der Tunesische Markt momentan nervös auf die Ergeignisse reagiert.
Die Tunesier selber jedoch sind nicht in Unruhen interessiert sondern wollen nur eine demokratische Regierung die transparent und ohne Korruption arbeitet.
Daher denke ich dass sich der Markt relativ schnell erholen wird und das Wachstum höher sein wird als vor der Revolution.

A.C.

19.01.2011, 13:15 Uhr

Sehr interessant finde ich es, wie Herr Drechsler hier die Propaganda für ben-Ali übernimmt. Offensichtlich sind sie überhaupt nicht informiert. Wie sie tatsächlich hier von Transparenz sprechen können, ist mir ein Rätsel. Vielleicht sollten sie erstmal ein paar Kurse an einer Uni besuchen, bevor sie vollkommen falsche informationen verbreiten.
1.) Das Regime wird aufgelöst -> Demokratie wird eingeführt -> Wie kommen sie darauf, dass in einer Diktatur Märkte transparent sind?
2.) Die Märkte konnten gar nicht transparent sein, denn die Familien Trabelsi und ben-Ali haben die Aktienkurse manipuliert, bzw hatten ein Monopol auf alles gehabt! Logisch ist doch dann, dass die Gewinne extrem maximiert werden konnten und somit Aktienkurse steigen konnten.beispielsweise gehörte das private Telekommunikationsunternehmen Tunisiana dem SChwiegersohn des Präsidenten Auerdem haben sie Privatiesierungen immer für sich genutzt. D.h. der Kaufpreis lag immer unter dem fair value, bzw es wurde gar nicht erst bezahlt!

im Gegenteil, die tunesische Markt wird erst jetzt interessant werden, da kein Unternehmen mehr Schutzgeld an die Trabelsi Familie zahlen muss. Das haben sie einfach in ihrem Artikel verschwiegen.
Schämen Sie sich für ihre Propaganda!

FREE TUNiS!!!!!

Hermann Spielhagen

19.01.2011, 23:30 Uhr

ich bin entsetzt solch einen dekadenten Artikel über die endlich stattgefundene Revolution in Tunesien in ihrer Zeitung zu lesen.
ich kann mich nur dem Kommentar anschließen mit der Unterschrift free Tunesien!!!
ich selbt bereise Tunesien regelmäßig seit 1976,
der Autor Herr Drechsler sollte seinen bericht besser noch einmal kommplett umschreiben
und versuchen, die Realität zu erkennen daß nur eine Demokratie die richtige Staatsform ist mit der man dann auch normale börsengeschäfte betreiben kann.
Es lebe die Jasmin Revolution!

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