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08.05.2017

04:38 Uhr

Börsen Asien

Japans Börse feiert Macron

VonMartin Kölling, Stephan Scheuer

Der Sieg von Emmanuel Macron bei den französischen Präsidentschaftswahlen sorgt für ein Aufatmen weit über Europa hinaus. Auch die Anleger in Japan sind erleichtert.

Japans Börse legte am Tag nach dem sozialliberalen bei den französischen Präsidentschaftswahlen zu - Frankreichs Börse verlor. AFP

Macron im japanischen Fernsehen

Japans Börse legte am Tag nach dem sozialliberalen bei den französischen Präsidentschaftswahlen zu - Frankreichs Börse verlor.

TokioWeil die Angst über einen möglichen Zerfall der Eurozone vorerst gebannt ist, stieg der Euro gegenüber der Landeswährung am Morgen um etwa ein Prozent auf mehr als 123 Yen, der US-Dollar immerhin noch um ein halbes Prozent zu auf fast 113 Yen. Mit dem schwächeren Yen legte folgerichtig auch der Nikkei-Index der Tokioter Börse bis zehn Uhr morgens Ortszeit um 1,8 Prozent auf 19.795 Yen zu. Zuletzt kostete die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,0976 US-Dollar in etwa wieder so viel wie am Freitag.

In Japan herrscht sogar Hoffnung, dass es noch Luft nach oben gibt. Itsuo Toshima, ein Kolumnist der Wirtschaftszeitung "Nikkei", glaubt, dass der Yen in dem Maße schwächer werden wird, wie sich nun die Unsicherheit in der Welt legt. Er kalkuliert, dass der US-Dollar nach seinem jüngsten Fall wieder auf 115 Yen steigen und der Nikkei die Mauer von 20.000 Yen überspringen könnte.

Das wirtschaftspolitische Programm von Emmanuel Macron

Steuern

Die Unternehmenssteuer soll von derzeit 33 auf 25 Prozent gesenkt werden. Die Steuergutschrift für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (CICE) soll umgewandelt werden in eine dauerhafte Entlastung für Arbeitnehmer mit niedrigen Löhnen.

Arbeitszeit

An der 35-Stunden-Woche soll festgehalten werden. Allerdings könnte sie flexibler geregelt werden, indem Betriebe über die tatsächliche Arbeitszeit mit ihren Beschäftigten verhandeln.

Geringverdiener

Sie sollen von bestimmten Sozialabgaben befreit werden. Dadurch könnten Niedriglohnempfänger einen zusätzlichen Monatslohn pro Jahr in ihren Taschen haben.

Investitionen

Binnen fünf Jahren sollen 50 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern investiert werden. 15 Milliarden Euro davon sollen in bessere Aus- und Weiterbildung gesteckt werden, um die Einstellungschancen von Jobsuchenden zu verbessern. Ebenfalls 15 Milliarden Euro sind geplant, um erneuerbare Energien zu fördern. Weitere Milliarden sind für die Landwirtschaft, die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung, für Infrastruktur und Gesundheitswesen geplant.

Einsparungen

60 Milliarden Euro an Einsparungen sind bei den Staatsausgaben vorgesehen, die in Frankreich traditionell hoch sind. Zehn Milliarden Euro soll der erwartete Rückgang der Arbeitslosenquote von derzeit etwa zehn auf sieben Prozent bringen, indem die Ausgaben für Arbeitslosengeld sinken. Durch eine verbesserte Effizienz soll das Gesundheitswesen zehn Milliarden einsparen, weitere 25 Milliarden Euro die Modernisierung des Staatsapparates.

Bildung

In Gegenden mit niedrigem Einkommen soll die Schülerzahl auf zwölf pro Klasse begrenzt werden. Lehrer sollen als Anreiz für eine Arbeit in solchen Regionen einen Bonus von 3000 Euro pro Jahr bekommen. Mobiltelefone in Schulen sollen für Kinder bis 15 Jahren verboten werden. Alle 18-Jährigen sollen einen Kulturpass im Wert von 500 Euro erhalten, den sie beispielsweise für Kino-, Theater- und Konzertbesuche ausgeben können.

Toshima ist kein Einzelfall. Laut einer Vorwahlumfrage der Investmentbank Nomura erwarteten große japanische Bond-Anleger für den Fall eines Macron-Sieges mehrheitlich, dass der Euro in den kommenden sechs Monaten stärker werden wird. Doch das Ausmaß einer möglichen globalen Kursrally ist umstritten, da die Finanzmärkte bereits einen Sieg des ehemaligen Investmentbankers vorweggenommen hatten - auch in Japan.

Seit Mitte April stieg der Euro gegenüber dem Yen bereits von ängstlichen 115,36 auf über 120 Yen. "Jegliche Erleichterungsrally dürfte daher kurzfristig beschränkt sein", urteilt das CIO Wealth Management der UBS in einem Bericht. Der Fokus würde sich jetzt auf Frankreichs Wirtschaft und die Parlamentswahlen im Juni verschieben, meinen die Vermögensverwalter der Schweizer Großbank. Immerhin sehen sie ohne Frexit-Angst die Zukunft wieder etwas rosiger.

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Sie erwarten, dass Frankreichs Wirtschaft dieses Jahr um 1,3 Prozent wachsen wird. Außerdem legen für sie jüngste Umfragen nahe, dass Macrons junge Bewegung En Marche! bei der anstehenden Parlamentswahl deutlich besser als bisher erwartet abschneiden könnte und damit die Chancen steigen, dass er sein Reformprogramm auch umsetzen kann.

Ihre Hoffnung ziehen die Beobachter aus einer Umfrage von Opinion Way am 3. Mai, nach der Macrons Wahlbund 249 bis 286 der 577 umkämpften Sitze gewinnen könnte. Damit hätte der parteilose Kandidat eine starke politische Hausmacht, die ihm bisher fehlt.

China-Börsen bleiben unbeeindruckt

Die Börsen in Festlandchina und Hongkong zeigten sich weitgehend unbeeindruckt von Macrons Wahlsieg. Der Hongkonger Leitindex Hang Seng Index stieg zwar zum Auftakt des Handelstages um 0,32 Prozent. Der Shanghai Composite und Shenzhen Composite startete jedoch mit einem Minus von 0,51 Prozent und 0,429 Prozent. Analysten machten strengere Vorgaben des Pekinger Finanzministeriums für Lokalregierungen für den Schwachen Marktauftakt verantwortlich.

Die Börsen in Schanghai und Shenzhen sind noch weitgehend von internationalen Finanzmärkten abgekoppelt. Daher haben Großereignisse dort traditionell einen geringeren Einfluss auf die Bewertungen der Unternehmen als innenpolitische Entscheidungen. Die Börse in Hongkong ist hingegen voll in das internationale Finanzsystem integriert und reagiert daher stärker auf globale Ereignisse.

Die australische Leitbörse in Sydney startete mit deutlichen Gewinnen in die Handelswoche. Der S&P-ASX200-Index für 200 führende Werte notierte am Montag zu Beginn des Handels mit 0,78 Prozent im Plus bei 5881,9 Punkten. Zu den größten Gewinnern zählten Öl- und Bergbau-Aktien. Händler führten dies neben guten Vorgaben aus den USA auch auf den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl zurück.

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