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14.09.2015

08:42 Uhr

Börsen Asien

Schwache Börsenstimmung in Fernost

Zu Wochenbeginn überwog an den Börsen Schanghai und Shenzen der Pessimismus über die weitere Konjunkturentwicklung. Auch in Tokio standen die wichtigsten Indizes unter Druck – und gaben nach.

Der Schanghai Leitindex ist weiter unter Druck. dpa

Schanghai

Der Schanghai Leitindex ist weiter unter Druck.

TokioPessimismus über die weitere Konjunkturentwicklung in China sowie Nervosität im Vorfeld der US-Zinsentscheidung haben Asiens Aktienmärkte zu Wochenbeginn belastet. Nach der Vorlage von Daten zur Industrieproduktion und Investitionen am Wochenende verdichteten sich die Anzeichen, dass sich die zweitgrößte Volkswirtschaft weiter abschwächt. Ökonomen rechnen daher mit zusätzlichen Schritten der Regierung zur Stützung des Wachstums.

Am Montag fiel der Index der 300 wichtigsten Werte in Shenzhen und Shanghai um 3,5 Prozent. „Der Abwärtsdruck auf die chinesische Wirtschaft ist ziemlich hoch, deswegen bleibt die Stimmung unter den Investoren schwach“, sagte Marktstratege Gu Yongtao von Cinda Securities.

Viele Fernost-Investoren hielten sich auch wegen der anstehenden Entscheidung der US-Notenbank Fed am Donnerstag zurück, sagten Händler. „Die Chancen, dass die Fed diese Woche die Zinsen erhöht stehen 50 zu 50“, sagte Analyst Fumio Nakakubo von der UBS. Im Dezember rechne er aber mit einer Erhöhung der Zinsen.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

An der Börse Tokio, dem wichtigsten Handelsplatz des Kontinents, gab der Nikkei-Index bis Handelsschluss 1,6 Prozent auf 17.965 Punkt nach. Der breiter gefasste Topix fiel um 1,2 Prozent auf 1462 Stellen. Unter Druck standen vor allem Aktien von Energie- und Telekomfirmen. Letztere litten darunter, dass Regierungschef Shinzo Abe vergangene Woche niedrigere Mobilfunkgebühren gefordert hatte. Papiere von Softbank gaben 5,5 Prozent nach, NTT Docomo verbilligten sich um knapp zehn Prozent.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans zeigte sich nervös und schwankte zwischen Plus und Minus hin und her. Zuletzt lag er 0,2 Prozent höher. Der Euro kostete im fernöstlichen Handel 1,1350 Dollar und legte damit leicht zu. Die US-Währung stand wegen der mit Spannung erwarteten Sitzung der Fed unter Druck.

Von

rtr

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