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18.03.2016

08:35 Uhr

Börsen Asien

Starker Yen belastet Nikkei

Der Yen steigt - und der Nikkei fällt. Dabei ist die Börse in Tokio die einzige in Asien, die nicht dem dem Trend der optimistischen Wall Street folgt. Größte Verlierer sind die Autobauer Toyota und Nissan.

Vor einer elektronischen Börsenanzeigentafel in Tokio. AFP; Files; Francois Guillot

Börse Tokio

Vor einer elektronischen Börsenanzeigentafel in Tokio.

TokioDie meisten asiatischen Börsen haben zum Wochenschluss noch einmal zugelegt. Sie folgten damit dem Trend der Wall Street, die am Vortag deutliche Kursgewinne verbuchte. Die Talfahrt des Dollar zum Euro verhalf vor allem Industriewerten zu Höhenflügen, die damit kalkulierten, ihre Waren auf dem Weltmarkt günstiger anbieten zu können. Dies war wohl auch der Grund, warum sich die Börse in Tokio gegen den Trend bewegte. Auf ihre Kurse drückte der Anstieg des Yen im Verhältnis zum Dollar, was als Belastung für die Exportwirtschaft des Landes gewertet wurde. Hintergrund ist die Ankündigung der US-Notenbank Fed, behutsamer bei künftigen Zinserhöhungen vorzugehen.

Dreht die Fed an der Zinsschraube?

Warum denkt die Fed über höhere Leitzinsen nach?

In Europa hat die Europäische Zentralbank die Zinsen gerade gesenkt, die US-Notenbank denkt über eine weitere Anhebung nach - wie passt das zusammen? Die Federal Reserve (Fed) hat zwar auch die Weltwirtschaft im Auge, muss sich bei ihren Entscheidungen aber zunächst einmal am wirtschaftlichen Geschehen in den USA orientieren. Die Lage am Arbeitsmarkt und die Inflation sind bestimmende Indikatoren, beiden hängen zusammen. Die USA haben sich schneller als andere aus der Finanzkrise gearbeitet, die Arbeitslosenquote liegt bei fast idealen 4,9 Prozent - auch wenn dort viele Teilzeit- und Niedriglohnjobs versteckt sind. Die niedrige Inflation war lange Zeit das Haupthindernis für eine Zinsanhebung. Jetzt gibt es vorsichtige Zeichen für ein Anziehen, wie Fed-Vize Fischer kürzlich kundtat.

Quelle: dpa

Warum glauben dann die meisten Volkswirte, dass die Fed derzeit noch nicht an der Zinsschraube dreht?

Die Fed muss vorsichtig sein. In der globalisierten Wirtschaft hängt alles mit allem zusammen, eine reine Binnensicht ist auch in den USA nicht möglich. Eine Zinsanhebung verteuert potenziell etwa die Exporte, Kunden amerikanischer Produkte in konjunkturell schwachen Ländern könnten auf Käufe verzichten. Im schwächelnden China könnten die USA wichtige Marktanteile verlieren, wenn sie jetzt zu schnell handeln.

Quelle: dpa

Wer drückt beim Thema Zinsanhebung aufs Tempo, wer auf die Bremse?

Die Banken hätten gerne höhere Leitzinsen, weil sie dann mittelfristig mehr Geld für Kredite und andere Leistungen verlangen könnten. Sie orientieren sich mit ihren Geschäftszinsen an den Vorgaben der Fed. Notenbanker wie Fed-Gouverneurin Lael Brainard sind vorsichtiger. Brainard sprach zuletzt von „weltweiten Strudeln“, die die USA erfassen könnten. „Es gibt weltweit wenig Zeichen für eine robuste Nachfrage“, sagte sie. Auch der Internationale Währungsfonds IWF, der sich vor allem um notleidende Volkswirtschaften kümmert, hält nach wie vor Vorsicht für geboten.

Quelle: dpa

Gibt es ein Zeitproblem?

Ja. Die Fed muss das richtige Timing erwischen. Wartet sie zu lange mit einer Zinsanhebung, könnte die Inflation plötzlich galoppieren. Dies müsste maßgeblich der kleine Mann tragen, außerdem würden die Risiken für unerwünschte Entwicklungen wie erneute Immobilienblasen steigen. Agiert die Fed zu hastig, würgt sie die Wirtschaft ab.

Quelle: dpa

Welche Auswirkungen hätte eine Zinsanhebung auf Deutschland und Europa?

Unmittelbar wäre diese zunächst einmal gering. Die Europäische Zentralbank hat ihre Geldpolitik gerade noch einmal gelockert. Nach Einschätzung von Volkswirten wird eine Zinswende in Europa mit einer Verspätung gegenüber den USA von mindestens zweieinhalb bis drei Jahren eintreten. Eine Zinsanhebung könnte jedoch den Dollar gegenüber dem Euro weiter stärken - was gut für deutsche und europäische Exporteure wäre. Die Waren würden für Käufer, die in Dollar bezahlen, billiger. Urlaub in den USA würde hingegen noch teurer.

Quelle: dpa

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,25 Prozent im Minus bei 16.724 Punkten. Zu den Verlierern zählten insbesondere Exportwerte wie die Autobauer Toyota und Nissan, die jeweils rund zwei Prozent einbüßten. Der breiter gefasste Topix-Index verlor ein Prozent auf 1345 Zähler. Die Börse in Shanghai schloss hingegen 1,72 Prozent fester. Auch an anderen Aktienmärkten der Region gab es Gewinne: Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik ohne Japan legte 0,8 Prozent zu.

An den fernöstlichen Devisenmärkten notierte der Euro mit 1,1286 Dollar. Zum Yen verlor die US-Währung auf 111,25 Yen.

Von

rtr

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