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10.03.2016

07:54 Uhr

Börsen Asien

Tokios Börsen schließen mit Gewinn

Vier Tage lang ging es bergab, nun drehte der Nikkei wieder nach oben: Die Tokioter Börsen sind mit einem Plus aus dem Donnerstagshandel gegangen. Unter Druck standen unterdessen Energieversorger wie Kansai Electric.

Vor einem Börsenvideofenster in Tokio. AP

Tokio

Vor einem Börsenvideofenster in Tokio.

TokioDie Aktienbörse in Tokio hat erstmals seit vier Tagen wieder zugelegt. Die steigenden Ölpreise hätten die Kurse am Donnerstag gestützt, sagten Händler. Zudem gebe es die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank im Tagesverlauf eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik bekanntgeben werde, was den exportorientierten japanischen Konzernen zugute käme.

Der Tokioter Leitindex Nikkei der 225 führenden Werte stieg im Verlauf um 1,26 Prozent auf 16.852 Punkte. Der breiter gefasste Topix legte 1,49 Prozent zu auf 1352 Zähler.

Die Erwartungen an die EZB

Was die EZB bisher getan hat

Die Zinsen im Euroraum wurden unter EZB-Chef Mario Draghi quasi abgeschafft, der Leitzins liegt seit September 2014 mit 0,05 Prozent nur noch knapp im positiven Bereich. Zusätzlich kauft die Notenbank seit dem 9. März 2015 in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. 60 Milliarden Euro nimmt die EZB dafür in die Hand - Monat für Monat. Im Dezember verlängerte der EZB-Rat dieses Programm („Quantitative Easing“/QE) um ein halbes Jahr bis mindestens März 2017. Das viele billige Geld soll über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Verbrauchern und Unternehmen ankommen und die Wirtschaft ankurbeln.

Warum die EZB nachlegen will

Oberstes Ziel der EZB sind stabile Preise - und die definieren Europas Währungshüter bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent. Doch davon ist die Inflation trotz der Geldflut der Notenbank weiterhin meilenweit entfernt. In Deutschland drückte der erneute Absturz der Ölpreise die jährliche Teuerungsrate im Februar nach vorläufigen Zahlen auf Null. Im Euroraum fielen die Verbraucherpreise erstmals seit einem halben Jahr sogar wieder: Die Inflationsrate ging auf minus 0,2 Prozent zurück. Das dürfte die EZB nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Christoph Weil bestärken, ihre eigenen Inflationsprognosen zu senken: „Dies macht den Weg frei für weitere expansive Maßnahmen.“

Was die EZB noch tun kann

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter den Strafzins nochmals verschärfen, den Banken bezahlen müssen, wenn sie kurzfristig Geld bei der Notenbank parken. Seit Dezember liegt er bei 0,3 Prozent. Möglich wäre auch eine Staffelung dieses Zinses je nach Höhe der Einlagen. Müssen Banken mehr für das Bunkern von Liquidität zahlen - so die Theorie - bringt sie das eher dazu, das Geld als Kredit an Verbraucher und Unternehmen weiterzureichen. Theoretisch könnte die EZB auch das Volumen ihrer monatlichen Wertpapierkäufe aufstocken oder Grenzen aufweichen, die im Rahmen ihres QE-Programms eingezogen wurden - wie die, dass die Zentralbank nicht mehr als 33 Prozent der Anleihen eines Staates kaufen darf. Solche Schritte sind im EZB-Rat aber wesentlich umstrittener als das Thema Strafzinsen.

Was die Maßnahmen bringen - und was nicht

Ökonomen raten zu mehr Besonnenheit: Hauptgrund für die niedrige Inflation sei der Absturz der Ölpreise - und der sei zugleich ein Konjunkturprogramm. „Der niedrige Ölpreis lässt der Inflation keinen Raum zum Atmen. Doch die Lage ist nicht so gravierend, wie die Gesamtrate glauben macht“, kommentierte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner die jüngsten Inflationszahlen. Und da die Finanzmärkte eine Erholung der Rohölpreise erwarteten, sei für 2017 im Durchschnitt eine Inflationsrate von rund zwei Prozent wieder realistisch. „Deshalb sollte die EZB über die aktuelle Flaute hinwegsehen“, riet Zeuner. „Vor allem eine weitere Absenkung des bereits negativen Einlagensatzes erscheint mir per Saldo wenig wirksam.“

Unter Druck standen Energieversorger. Kansai Electric verloren 16 Prozent, nachdem ein Gericht den Stopp des Betriebs zwei Atomreaktoren der Anlage Takahama angeordnet hat. Die Entscheidung bringt Probleme für Regierungschef Shinzo Abe, der fünf Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima wieder auf Atomkraft setzen will. Im Zuge des Kurseinbruchs bei Kansai sackten auch Tokyo Electric um rund vier und Kyushu Electric um sieben Prozent ab.

Der Yen, der zuletzt zum Dollar zugelegt und damit die Kurse in Tokio belastet hatte, tendierte am Donnerstag zum Dollar wenig verändert bei 113,26 Yen. Der Euro notierte zum Dollar mit 1,0974 Dollar, der Schweizer Franken zum Euro mit 1,0948 und zum Dollar mit 0,9977.

Von

rtr

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