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18.08.2011

17:51 Uhr

Börsen auf Talfahrt

Schwarzer Tag für den Dax

Der Dax beendet den Handelstag mit dem größten Tagesverlust seit fast drei Jahren. Panik beherrschte die Märkte, die Anleger fürchten sich vor Rezession. Einzelne Dax-Aktien stürzten um zehn Prozent ab.

Ein Händler an der Frankfurter Börse Quelle: dpa

Ein Händler an der Frankfurter Börse

FrankfurtDer Dax begann am Donnerstag wie erwartet schwach und notierte knapp über einem Prozent im Minus. Schlechte Vorgaben aus den USA und die Enttäuschung über die "EU-Reförmchen" veranlassten die Anleger zum Verkauf ihrer Aktien veranlasst. Bis zur Veröffentlichung der US-Konjunkturdaten am Nachmittag gab der Dax bereits deutlich nach, weil Anleger mit schlechten Nachrichten rechneten.

Doch die Zahlen aus Übersee fielen noch schlechter aus als erwartet und ließen die Aktienkurse einbrechen. Innerhalb von Minuten baute der Dax sein Minus auf bis zu sieben Prozent ein, sein Tagestief markierte der Index bei 5.535 Punkten. Er lag damit 400 Punkte hinter seinem Vortagswert zurück. Bis zum Handelsschluss stabilisierte sich die Lage nur noch leicht, der Dax beendete den Handelstag mit einem Minus von 5,8 Prozent auf 5.602 Punkte.

In der zweiten Reihe sah es ähnlich aus. Der MDax verlor sechs Prozent und schloss bei 8.532 Punkten, der TecDax ging mit 4,9 Prozent minus auf 686 Zähler aus dem Handel.

Auch die US-Börsen präsentierten sich tiefrot: er Dow-Jones-Index stürzte zur Eröffnung um 500 Punkte ab und lag damit über vier Prozent im Minus. Später konnte er, wie der Dax, seine Verluste reduzieren und notierte 3,6 Prozent auf 10.997 Punkte im Minus. Der breiter gefasste S&P 500 Index verlor 3,9 Prozent auf 1.147 Punkte und der Technologieindex Nasdaq-100 gab 4,2 Prozent auf 2.090 Punkte nach.

Auslöser des Kurssturzes an der Wall Street waren enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA: Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen in der vergangenen Woche um 9.000 auf 408.000 und damit stärker als erwartet. Schlimmer noch: Trotz der spürbaren Verlangsamung der US-Wirtschaft zieht die Inflation weiter an. Die Verbraucherpreise zogen im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent an, Experten hatten lediglich einen Anstieg um 0,2 Prozent erwartet.

Zudem fiel der Philly-Fed-Index im August auf den tiefsten Stand seit März 2009. Mit einem Minus von 30,7 Punkten lag der Indikator deutlich unter den Erwartungen von Analysten. Im Vormonat waren die Daten mit einem plus von 3,2 Zählern noch besser ausgefallen. Ein Wert über null signalisiert, dass die Produktion gewachsen ist. Der Philly-Fed-Index umfasst die Fabriken im Osten Pennsylvanias, im Süden von New Jersey und in Delaware. Er gilt als einer der wichtigsten Früh-Indikatoren für die US-Produktion.

Damit bewahrheiteten sich die Befürchtungen der europäischen Anleger, die bereits am Vormittag aus Sorge vor einem Abgleiten der Weltwirtschaft in die Rezession Aktien verkauft hatten. Zu Beginn der Woche hatte es bereits aus der Euro-Zone enttäuschende Wachstumsdaten gegeben, seither ist die Konjunkturangst noch einmal spürbar gestiegen.

Der Tag an den Märkten (Stand 17:45 Uhr)

Dax

-5,8 Prozent

MDax

-6,1 Prozent

TecDax

-4,9 Prozent

Eurostoxx 50

-5,3 Prozent

Nikkei

-1,3 Prozent

CSI 300 (China)

-1,8 Prozent

Dow Jones

-3,6 Prozent

S&P 500

-3,8 Prozent

Nasdaq

-4,1 Prozent

Euro

1,4320 Dollar (-0,7 Prozent)

Öl (Brent)

108,05 Dollar (-2,6 Prozent)

Gold

1.815 Dollar je Feinunze (+1,5 Prozent)

Bereits nach dem Kurssturz am späten Vormittag sprachen Börsianer von einem ganzen Schwall an Stopp-Loss-Verkäufen im Dax-Future, die unter dem vorherigen Tagestief bei 5.835, dann bei 5.800 Punkten und in weiteren Stufen darunter ausgelöst worden seien. Für eine weitere Verunsicherung sorgte Börsianern zufolge der kleine Verfall am Terminmarkt. Dort werden am Freitag die Optionen auf Indizes und Aktien fällig. Kaum jemand hatte mit einem so starken Kursrutsch in den vergangenen vier Wochen gerechnet. Der Dax hat seit dem Juli-Verfallstermin fast 19 Prozent verloren. Wie stark der Druck vom Terminmarkt auf den Dax ist, zeigte der Einbruch am späten Vormittag.

Im Dax zogen sich die Verluste quer durch alle Branchen. Sämtliche Indexwerte verloren mehr als zwei Prozent. Am härtesten erwischte es wieder einmal die Papiere der Commerzbank, die um 10,4 Prozent auf 1,90 Euro absackten. Die Aktie der Deutschen Bank verbilligte sich um sieben Prozent auf weniger als 28 Euro. Zudem standen vor allem die Aktien von konjunktur-abhängigen Aktien auf den Verkaufslisten der Anleger. Die größten Abschläge am heutigen Handelstag mussten die Aktien von MAN und ThyssenKrupp mit minus zehn bzw. 9,4 Prozent hinnehmen. Bei Thyssen-Krupp drückte auch eine Kursziel-Senkung von den Analysten der DZ Bank auf die ohnehin schlechte Stimmung. Diese sehen das Kursziel jetzt nur noch bei 32 Euro, vorher hatte es bei 35 Euro gelegen. Allerdings sind Thyssen-Aktien aktuell nur noch 22 Euro wert.

Kommentare (107)

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brandnew

18.08.2011, 08:11 Uhr

@Zille1983: RESPECT. Wenn wir heute die 5700 sehen, sind sie ab heute mein Mentor :-)

blabla

18.08.2011, 08:33 Uhr

es wäre für alle viel einfacher wenn sich die käufer/verkäufer jeweils 2 wochen zurückziehen,und dann erst zuschlagen,statt immer dieses dumme 100 punkte hin und hergeschiebe.
kaum gehts 5 punkte runter,wird schon wieder 5 punkte nach oben gejagt und dann?SCHLUSS...

Ich zweifle an der Intelligenz der Kapitalmarkt-Teilnehmer

WFriedrich

18.08.2011, 09:12 Uhr

Der Irrationalismus geht weiter. Er geht weiter, weil die Interessen der Spekulanten einerseits und die unverändert gute Verfassung der der erfolgreichen Unternehmen der Unternehmen andererseits immer unverträglicher werden. So muss befürchtet werden, dass auch in Deutschland der Erwerb von Aktien immer weniger von unternehmerischen Motiven, sondern von der Absicht des Ausplünderns bestimmt wird. Geradezu pervers ist die Entfremdung von Eigentümern und Eigentum durch Aktienfonds. Viele Fondsanteilseigner wissen nicht, wo sie gerade investiert sind (manche wollen es wohl auch nicht wissen). So erachte ich die Einführung einer Börsenumsatzsteuer als einen ersten Schritt, um Kapitaleigentümer wieder längerfristig an das Sachvermögen zu binden. Weitere Schritte zur Vertiefung der Bindung des Kapitals an die Unternehmen sind wünschenswert und m.E. die wesentliche Voraussetzung für eine solide Verzinsung des Kapitals. Großbritannien wehrt sich zurzeit noch, obwohl die Zerstörung der dortigen Realwirtschaft - incl. der gerade erlebten sozialen Unruhen - zum Umdenken zwingen sollten. Offenkundig ist die ungesunde Gewichtung zugunsten der Finanzindustrie dort schon irreversibel geworden. Volkswohlstand entsteht in der Realwirtschaft; die Londoner City produziert Geld mittels Geld, ohne Sachwerte herzustellen. Effizienter und noch schneller könnten das Gelddruckereien besorgen. Da die Realwirtschaften in den meisten Staaten Kontinentaleuropas leistungsfähig sind, sind sie auch weitgehend krisenfest. Anleger sollten das bedenken und langfristig orientiert dort investieren.

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