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14.10.2013

07:58 Uhr

Börsen Fernost

US-Haushaltsstreit drückt Aktienkurse

Die Anleger in Asien schauen nach Amerika. Solange noch eine Zahlungsunfähigkeit der USA droht, belastet dies die Stimmung an den Aktienmärkten der Region. Die Börsen in Tokio und Hongkong sind geschlossen.

Vor einer Börsenanzeige in Downtown Tokio. AFP

Vor einer Börsenanzeige in Downtown Tokio.

TokioDer Haushaltsstreit in den USA hat die Asien-Börsen zu Wochenbeginn erneut belastet. Der Index für die Aktienmärkte außerhalb Japans notierte am Montag mit 0,2 Prozent im Minus. Die Börsen in Japan und Hongkong blieben wegen eines Feiertags geschlossen.

An den übrigen Märkten war der Handel relativ dünn. In Singapur wurde ein Minus von 0,7 Prozent ausgemacht, in Taiwan von 0,9 Prozent. In Australien gab der Leitindex um 0,4 Prozent nach. In Shanghai wurde gegen den Trend ein Plus von 0,4 Prozent verzeichnet. Händler begründeten dies mit dem anhaltenden Optimismus über wirtschaftliche Reformen in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.

Vorherrschendes Thema an den Märkten sei weiterhin der US-Haushaltsstreit, sagten Händler. Allerdings werde davon ausgegangen, dass es in letzter Minute eine Einigung zwischen Demokraten und Republikanern geben werde, um eine Zahlungsunfähigkeit und damit verbundene Turbulenzen für die Weltwirtschaft abzuwenden.

Bis Donnerstag muss die Schuldenobergrenze in den USA angehoben werden, danach können die USA ihre Rechnungen und die Zinsen für ihre Anleihen nicht mehr zahlen. Zu Beginn der entscheidenden Woche im US-Haushaltsstreit hat sich der Führer der Demokraten im Senat, Harry Reid, vorsichtig optimistisch gezeigt, die Zahlungsunfähigkeit abwenden zu können. Er habe mit seinem republikanischen Gegenüber, Mitch McConnell, konstruktive Gespräche geführt und sei zuversichtlich, sagte Reid am Sonntagabend in Washington. Einzelheiten des Gespräches wurden nicht bekannt.

Die Verbraucherpreise in China sind im September im Jahresvergleich um 3,1 Prozent auf ein Siebenmonatshoch gestiegen. Experten hatten einen Anstieg von 2,9 Prozent erwartet. Im Vormonat hatte der Anstieg bei 2,6 Prozent gelegen. Wie das nationale Statistikamt weiter mitteilte, fielen die Erzeugerpreise im September um 1,3 Prozent im Jahresvergleich. Im August waren sie um 1,6 Prozent gefallen.

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

Von

rtr

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