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20.03.2013

09:27 Uhr

Börsen in Asien

Zypern-Krise verschreckt Anleger in Fernost

Das Scheitern des EU-Rettungsplans für Zypern hat an den meisten asiatischen Aktienmärkten am Mittwoch für Verunsicherung gesorgt. Die Verluste hielten sich allerdings in Grenzen, da Investoren mit einer Lösung in letzter Minute rechneten.

Markt reagiert auf Zyperns Entscheidung

Video: Markt reagiert auf Zyperns Entscheidung

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SydneyDie wichtigste Leitbörse der Region, Tokio, hatte wegen eines Feiertages geschlossen. Noch sei es relativ ruhig, aber die Risiken blieben bestehen, sagte RBC-Expertin Sue Trinh in Hongkong. "Die Regierung muss sich nun um 'Last-Minute-Optionen' bemühen und es bleibt unsicher, wie sie das genau machen will."

Zyperns Parlament hatte am Tag zuvor die umstrittene Zwangsabgabe für Bankkunden abgelehnt, die Voraussetzung für Hilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds in Höhe von zehn Milliarden Euro war. Der Inselrepublik droht nun die Staatspleite. Für gewisse Erleichterung sorgte die Europäische Zentralbank, die den Kreditinstituten des Landes die notwendige Liquidität dennoch im Rahmen der bestehenden Regeln zur Verfügung stellen will. Die zyprischen Banken bleiben noch mindestens bis einschließlich Mittwoch geschlossen. Danach befürchtet die Notenbank einen Ansturm auf die Schalter.

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Zyperns Finanzminister Michael Sarris wirbt in Moskau für Unterstützung. Weil viele Russen ihr Geld in Zypern angelegt haben, hofft Zypern auf russische Hilfe. Der konservative Präsident Nikos Anastasiades will am Mittwochmorgen mit den Parteichefs über das weitere Vorgehen beraten.

Der MSCI-Index für die asiatischen Länder außerhalb Japans erholte sich wieder, nachdem er im Handelsverlauf zunächst auf ein neues Jahrestief gefallen war und lag nur noch leicht im Minus. Zu den größten Verlierern gehörte der südkoreanische KOSPI, der rund ein Prozent nachgab. Händler nannten zur Begründung die Erwartung einer weiteren Schwächung des Yen durch den neuen japanischen Notenbankchef. Dies würde südkoreanische Exporteure belasten. Samsung -Aktien verloren erneut ein Prozent. Nach der Vorstellung seines neuen Smartphones am Donnerstag hatten die Papiere bereits fünf Prozent eingebüßt.

Gegen den Trend stieg der Hang-Seng-Index in Hongkong zur Überraschung vieler Experten rund ein Prozent, in Shanghai verbuchte der Leitindex sogar ein Plus von 2,6 Prozent. Analysten hatten zunächst erwartet, dass die Kurse wegen der anhaltenden Unsicherheit über die Rettung Zyperns erneut nachgeben. In China legten vor allem Banktitel nach Berichten über eine Lockerung von Kapitalregeln zu. Zudem zeigten sich Anleger erleichtert über eine Präzisierung der vor kurzem angekündigten Maßnahmen, um eine Überhitzung am Immobilienmarkt zu vermeiden.

Auch der Euro hat seine Talfahrt zum Dollar trotz der zugespitzten Lage in Zypern vorerst beendet. Die europäische Einheitswährung notierte am Mittwoch in Fernost mit 1,2903 Dollar stabil. "Die Europäer sind schon so oft mit Last-Minute-Lösungen gekommen, und das ist auch der Grund, warum es hier jetzt nicht aggressiv weiter bergab geht", sagte Callum Henderson von Standard Chartered in Singapur. "Aber je länger Europa mit einem Plan B auf sich warten lässt, desto größer wird das Risiko eines drastischen Euro-Kursrutsches."

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

20.03.2013, 10:08 Uhr

was da in BRUESSEL an "Fachleuten" zusammengekommen ist macht einen grauenhaften Eindruck. Moegen wir NIEMALS von sowas regiert werden, niemals !
in Deutschland kann sich unsere Qualitaetsregierung auf einen Generalstreik gefasst machen wenn seitens BERLIN irgendwelche Begehrlichkeiten an uns herangetragen werden; Totales Versagen der E.U. und "sowas" will uns "regieren" ICH LACH' MICH TOT !

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