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24.08.2015

17:58 Uhr

Börsen in Panik

Dax beendet Chaos-Tag knapp 500 Punkte tiefer

China erschüttert die Börsen. Der Absturz der Aktienmärkte im Reich der Mitte haben dem Dax einen der größten Tagesverluste seiner Geschichte eingebrockt. Am Ende verliert er knapp 500 Punkte – und die Angst bleibt.

Holger Schmieding

„Wir erleben eine Korrektur, die noch nicht beendet ist“

Holger Schmieding: „Wir erleben eine Korrektur, die noch nicht beendet ist“

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FrankfurtOb der heutige Handelstag als „Schwarzer Montag“ in die Börsengeschichte eingehen wird oder nicht, sei dahingestellt. Eines aber kann man ihm aber nicht absprechen – seine Dramatik. Mit einem Minus von bis zu 7,8 Prozent erlitt der Dax heute einen der größten Tagesverluste in seiner Geschichte. Zwischen seinem Tagestief von 9338 Punkten, der zugleich auch ein neues Jahrestief darstellt, und seinem Tageshoch lagen knapp 600 Punkte.

Am Ende half die leichte Erholung der US-Märkte dem Dax die Verluste zu reduzieren. Dennoch ging der Leitindex mit einem Minus von 4,7 Prozent auf 9648 Punkten aus dem Handel. Der Dow Jones notierte nach Frankfurter Börsenschluss 2,1 Prozent beziehungsweise 343 Punkte tiefer bei 16.116 Zählern. Zur Eröffnung verlor der US-Leitindex noch knapp 1000 Punkte.

Börsen-Verlierer: Die heftigsten Kursrutscher seit dem Dax-Allzeithoch

Börsen-Verlierer

Die heftigsten Kursrutscher seit dem Dax-Allzeithoch

Im Frühjahr kannte der Dax kein Halten mehr. Für welche Werte die Landung nach dem Höhenflug besonders bitter war.

An den Rohstoffmärkten kam es ebenfalls zu drastischen Kursbewegungen. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent stürzte 5,1 Prozent ins Minus auf 43,13 Dollar. Der Euro hingegen legte deutlich zu. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg um 1,8 Prozent auf 1,1594 Dollar. Zwischenzeitlich stieg der Euro sogar auf bis zu 1,1711 Dollar.

Begonnen hatte das Beben in der Nacht in China, wo der Shanghai-Composite 8,5 Prozent absackte. Die Entscheidung der Pekinger Regierung, Pensionsfonds erstmals Investitionen am Aktienmarkt zu gestatten, enttäuschte die Anleger. Börsianer hatten offenbar damit gerechnet, dass die chinesische Notenbank die Märkte mit neuen Geldspritzen stützen würde.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

„Zweifellos befinden wir uns in einer kräftigen Korrektur“, erklärt Dr. Stephan Ullrich, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. „Ausgelöst von Wachstumssorgen in der Volksrepublik China preist der Markt eine globale Rezession ein. Ich halte die Ängste um eine globale Rezession aber für übertrieben. Die USA wachsen solide mit gut zwei Prozent, Europa mit etwa 1,5 Prozent. Und auch China sollte trotz aller Probleme um Demographie, steigenden Löhnen und Schulden aufgrund massiver Infrastruktur- und Bauinvestitionen nicht in eine dauerhafte Krise abrutschen.“

Analysten von JP Morgan sind ebenfalls zuversichtlich. „Wir sind nach wie vor von den guten fundamentalen Daten insbesondere in Europa überzeugt. So war die soeben abgeschlossene Berichtssaison für das zweite Quartal insgesamt sehr positiv: 73 Prozent der Unternehmen haben wie erwartet oder sogar bessere Zahlen berichtet“. Anleger sollen sich auf eine höhere Volatilität einstellen, so die Experten. „Bislang war das Umfeld in den letzten Jahren von einer historisch sehr niedrigen Volatilität geprägt. Wenn das Volatilitätsniveau jetzt wieder ansteigt, ist das nur ein natürlicher Prozess.“

Kommentare (39)

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Herr Peter Noack

24.08.2015, 07:35 Uhr

Herr Börser und Frau Börsin sind in Panik, schreibt der Verfasser. Was meint denn sonst: "Panik packt Börsen ...." Es hat den Anschein, dass Herr oder Frau Börse an der Börse handelt. Panik kann nach landläufiger Auffassung nur und ausschließlich die handelnden Akteure erfassen, die ach so durch und durch rationale homo oeconomici sein sollen.
Wäre noch zu klären,ob Geldkapitalanleger als Angestellte von Banken, Versicherungen, Fonds usw. "Investoren" im Wortsinn sein können. Sachlich korrekter wäre es, von Investmentkäufern bzw. Investmentverkäufern zu sprechen. Was passiert denn an einer Börse, die ein Handelsort für Geldkapitalmarktprodukte ist.
Zusammenfassung: Panik ist ein emotionaler Erregungszustand, der nur Menschen erfassen kann. Dieser Erregungszustand ist alles andere als rational und kann wissenschaftlich nicht begründet werden. Panik führt fast immer zu Fehlentscheidungen und deshalb zu Fehlverhalten. Dieses Problem wird immer offengelassen.

Herr Peter Noack

24.08.2015, 07:43 Uhr

Wenn börsennotierte Kapitalanlageprodukte statrke Kursverluste aufweisen, dann versucht es doch mit Rohstoffen wie Öl, oder mit Währungen wie dem Euro. Wäre der US - Dollar nicht besser, weil dort Zinssteigerungen locken? Liebe Leute, werft das Handtuch. Diese Kurskapriolen könnt ihr doch nicht erklären. Nicht einmal nachträglich. Neben den Verlierern gibt es immer Gewinner. Wer will denn diese Gewinner an das Licht der Öffentlichkeit ziehen?

Herr Thomas Albers

24.08.2015, 08:07 Uhr

"Diese Kurskapriolen könnt ihr doch nicht erklären"

Doch.

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