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30.01.2017

23:14 Uhr

Börsen New York

Dow Jones rutscht unter 20.000 Punkte

Der Einreisestopp der US-Regierung für Bürger aus sieben Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung hat die Wall Street verunsichert. Der Dow Jones fiel am Montag wieder unter die 20.000-Punkte-Marke.

Börsen-Bericht

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New YorkDer Einreisestopp der US-Regierung für Bürger aus sieben Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung verunsichert die Wall Street. Die wichtigsten Indizes fielen zum Wochenstart. Der Dow-Jones-Index mit den Standardwerten rutschte wieder unter die Marke von 20.000 Punkten, die er vergangene Woche erstmals geknackt hatte.

„Der Markt reagiert negativ wegen der Unsicherheit, die dadurch entsteht“, sagte Robert Pavlik, Chef-Marktstratege vom Finanzhaus Boston Private Wealth. Investoren seien vorsichtig, sagte auch Peter Cardillo, Chef-Marktökonom bei First Standard Financial. In den USA gibt es in vielen Städten Proteste gegen die Maßnahmen des neuen Präsidenten Donald Trump. Zahlreiche Verbündete der USA kritisierten den Schritt scharf, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Von den großen US-Konzernen distanzierten sich unter anderem Nike, Starbucks, Goldman Sachs und Ford. Andere hielten sich zurück.

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Der Dow-Jones-Index fiel um 0,6 Prozent auf 19.971 Punkte. Der breiter gefasste S&P gab ebenfalls um 0,6 Prozent auf 2281 Stellen nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,8 Prozent auf 5614 Zähler. Nach der Trump-Wahl Anfang November waren die US-Börsen deutlich auf neue Rekordstände geklettert. Investoren spekulierten auf radikale Steuersenkungen, mehr staatliche Investitionen und weniger Regulierung.

In Frankfurt ging es zum Wochenstart ebenfalls bergab. Der Dax fiel um 1,1 Prozent auf 11.681 Punkte und gab damit einen großen Teil der Gewinne der Vorwoche wieder ab.

In der Wall Street standen wegen des Einreisestopps vor allem Fluggesellschaften unter Druck. American Airlines gaben 4,4 Prozent nach, United Continental 3,6 Prozent und Delta 4,1 Prozent.

Welche politischen Stolperfallen Anlegern 2017 drohen

Aktien

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax im Schnitt bis Ende 2017 bei rund 11.470 Punkten. Das wäre in etwa auf dem Niveau vom Jahresende 2016 "Die Dividendenrendite ist im Vergleich zu den Anleihe-Renditen weiterhin so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist in Ordnung", sagt Lars Thörs, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft Danske Capital. Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkaufe zurückgreifen.“

Über weite Strecken kam der Dax 2016 kaum vom Fleck. Das Plus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn geht zum größten Teil auf die Kursentwicklung im Dezember. Anfang des Monats übersprang der Dax die 11.000er Marke.

Als großen Risikofaktor für die Aktienmärkte sehen Börsianer die Wahlen in Deutschland, Frankreich den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien. „Die Welle der populistischen Ergebnisse ist für Europa 2017 eine große Bedrohung“, sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Ein zunehmender Nationalismus könnte der Anfang vom Ende der Euro-Zone sein.

Anleihen

An den Rentenmärkten werde es 2017 kaum etwas zu verdienen geben, ist sich Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim sicher. „Bei zehnjährigen Bundesanleihen gehen wir von einer negativen Gesamtrendite von etwa einem Prozent aus.“ Wenig besser dürfte es Anlegern mit US-Staatsanleihen ergehen: Hier sei eine Nullrendite zu erwarten. Die Ökonomen der Rabobank geben sich ähnlich skeptisch: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Donald Trumps Politik der Wirtschaft nachhaltigen Schub verleiht.“ Mögliche politische Spannungen könnten zudem die Attraktivität deutscher und US-Bonds als relativ sichere Anlagen erhöhen und damit die Renditen drücken.

Wegen der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit rund 0,3 Prozent etwa halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Ihre US-Pendants rentieren mit knapp 2,3 Prozent zwar höher als Anfang 2016. Jenseits des Atlantik erwarten Börsianer aber auch eine Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Staatsanleihen sind seit Jahren für Investoren ein schlechtes Geschäft, da die großen Notenbanken diese Papiere in großem Stil aufkaufen. Damit sollen die Finanzierungskosten für Staaten niedrig gehalten und die Konjunktur angekurbelt werden.

Devisen

Wegen der unterschiedlichen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik ist der Euro den Analysten der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank zufolge 2017 auf dem Weg zur Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei Kursen um die 1,04 Dollar - rund vier US-Cent weniger als Anfang Januar. Die Experten der Rabobank sagen dagegen ein Ende des Dollar -Höhenfluges voraus. Der konjunktur- und damit inflations- und zinstreibende Effekt höherer Infrastruktur-Investitionen in den USA werde voraussichtlich durch eine restriktivere Handelspolitik zunichte gemacht.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan wird dem Commerzbank-Analysten Peter Kinsella zufolge weitergehen. „Der Yuan gilt zwar als künstlich billig, doch ist er die mit Abstand teuerste Schwellenländer-Währung.“ Um Börsenturbulenzen zu vermeiden, werde China seine Valuta aber nur behutsam abwerten. Kinsella sieht den Dollar Ende kommenden Jahres bei 7,15 Yuan. In den vergangenen Monaten kletterte er um rund sechs Prozent auf etwa 6,90 Yuan. Anfang 2016 hatte eine rasche Abwertung der chinesischen Währung ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Erdöl

Im Januar treten die niedrigeren Förderquoten für die Opec-Staaten in Kraft. Viel hängt davon ab, ob sich die Mitglieder des Export-Kartells sowie Russland an die Vereinbarung halten. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass (159 Liter). Danach werden die Preise der US-Bank Goldman Sachs zufolge aber fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Dank der geplanten Kürzung der Fördermengen durch die großen Exportländer verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 56 Dollar je Barrel (159 Liter).

Andere Rohstoffe

Auf Kursverluste müssten sich Anleger an den Metallbörsen einstellen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Zwar steige durch die geplanten Infrastruktur-Investitionen in den USA und China die Nachfrage, gleichzeitig wachse aber auch das Angebot. Außerdem sei die Rally nach der US-Präsidentschaftswahl überzogen gewesen. Weinberg sieht den Kupfer -Preis bis Ende 2017 bei rund 5600 Dollar je Tonne. Seit September ist der Preis für das wichtige Industriemetall um ein Fünftel auf rund 5538 Dollar gestiegen.

Die Nachfrage nach der „Anti-Krisen-Währung“ Gold wird Analysten zufolge wegen der politischen Unwägbarkeiten anhalten. Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Ende 2017 auf rund 1300 Dollar von derzeit etwa 1150 steigt. 2016 verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent.

Fitbit -Aktien brachen um fast 16 Prozent ein. Der Anbieter von Fitness-Armbändern hat die Investoren mit einer schwachen Prognose und einem Stellenabbau verschreckt.

Im Blickpunkt der Woche dürften wegen neuer Quartalszahlen auch die Aktien von Apple und Facebook stehen.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 873 Millionen Aktien den Besitzer. 885 Werte legten zu, 2088 gaben nach und 123 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,76 Milliarden Aktien 681 Werte im Plus, 2221 im Minus und 168 unverändert.

Die zehnjährigen US-Staatsanleihen fielen um 2/32 auf 95-25/32. Sie rentierten mit 2,49 Prozent. Die 30-jährigen Bonds fielen um 13/32 auf 96-0/32 und hatten eine Rendite von 3,08 Prozent.

Von

rtr

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