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03.02.2016

00:11 Uhr

Börsen New York

Fallender Ölpreis schickt Wall Street auf Talfahrt

Katerstimmung an der Wall Street: Der Ölpreis fällt immer weiter und zieht die Finanzmärkte mit in die Tiefe. Exxon und Chevron lassen Federn. Chinas schwächelnde Konjunktur drückt ebenfalls auf die Laune.

Das Gebäude der New Yorker Börse in der berühmten Wall Street. ap

New York Stock Exchange

Das Gebäude der New Yorker Börse in der berühmten Wall Street.

New YorkWeiter fallende Ölpreise haben der Wall Street am Dienstag kräftig zugesetzt. Die drei wichtigsten Börsen-Indizes verloren jeweils rund zwei Prozent. Der Preisrückgang an den Ölmärkten schürte Sorgen um die Zukunft der Weltwirtschaft. US-Rohöl fiel wieder unter die Marke von 30 Dollar je Barrel, auch weil die Aussicht auf eine Einigung der Opec-Länder mit Russland auf Förderkürzungen schwand. Energietitel wie Exxon Mobil und Chevron gerieten unter die Räder. Auch die schwächelnde Konjunktur in China drückte weiter auf die Stimmung der US-Investoren. Trotzdem begehrt war aber der Google-Mutterkonzern Alphabet, der zuvor dem iPhone-Hersteller Apple den Titel des nach Börsenwert wertvollsten Unternehmens der Welt abgejagt hatte.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte pendelte im Verlauf zwischen einem Hoch von 16.420 und einem Tief von 16.108 Punkten. Er schloss mit einem Minus von 1,8 Prozent auf 16.153 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 büßte 1,9 Prozent auf 1903 Zähler ein. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 2,2 Prozent auf 4516 Stellen nach. In Frankfurt war der Dax zuvor 1,8 Prozent schwächer bei 9581 Stellen aus dem Handel gegangen. US-Rohöl wurde 5,5 Prozent billiger zu 29,88 Dollar je Barrel (159 Liter) gehandelt. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 4,6 Prozent auf 32,65 Dollar.

Die Talfahrt der Ölpreise spiegelte sich vor allem in der Bilanz von Exxon Mobil wider. Der Gewinn des weltweiten Branchenprimus brach um mehr als die Hälfte ein. Die Aktie verlor 2,2 Prozent an Wert. Chevron büßte 4,8 Prozent ein.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Dagegen wurde der Google-Konzern Alphabet 1,3 Prozent höher zu einem Preis von 780,91 Dollar je Aktie gehandelt. Apple-Papiere verloren gut zwei Prozent auf 94,48 Dollar. Der Internet-Pionier Yahoo büßte im Vorfeld seiner nach Börsenschluss erwarteten Bilanz 1,6 Prozent ein. Das Minus war im Handelsverlauf noch deutlich größer, verringerte sich aber nach Berichten über eine strategische Neuaufstellung von Yahoo.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,1 Milliarden Aktien den Besitzer. 603 Werte legten zu, 2478 gaben nach und 96 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,2 Milliarden Aktien 577 Titel im Plus, 2237 im Minus und 144 unverändert.

Der Ölpreisverfall trieb viele Investoren aus den Aktien- in die Kreditmärkte, weil US-Staatsanleihen als besonders sichere Anlage gelten. So stiegen die zehnjährigen Bonds um 30/32 auf 103-15/32. Sie rentierten mit 1,8603 Prozent. Die 30-jährigen Papiere kletterten 2-11/32 auf 106-25/32 und hatten eine Rendite von 2,6691 Prozent.

Von

rtr

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