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25.03.2013

12:44 Uhr

Börsen-Promis im Gespräch

Zypern-Rettung löst das Bankenproblem nicht

VonKatharina Schneider

An den Aktienmärkten herrscht Gelassenheit – als habe es nie ein Zypern-Problem gegeben. Prominente Börsenprofis wie Dirk Müller, Joachim Llambi und Hans Bernecker erklären, warum. So könnte es im Euro-Raum weitergehen.

An der Börse war von Zypern-Panik keine Spur, jetzt geht es weiter aufwärts.

An der Börse war von Zypern-Panik keine Spur, jetzt geht es weiter aufwärts.

FrankfurtSeit Tagen bestimmen Zypern und das Ringen um ein Rettungspaket die Schlagzeilen. Längst wurde auch öffentlich über einen möglichen Austritt aus dem Euro diskutiert. Die Situation schien brenzlig. Doch an den Aktienmärkten gehen die Unsicherheiten um das Mittelmeerland nahezu spurlos vorbei. Jetzt steht das Rettungspaket und der Dax setzt seinen Wachstumskurs unbeirrt fort. Ist am Ende doch alles halb so wild? Und wie geht es in der Euro-Zone weiter?

Antworten auf diese Fragen gaben am Wochenende zahlreiche prominente Börsenexperten auf der Anlegermesse in Frankfurt. In ihren Vorträgen und Podiumsdiskussionen standen die Zypern-Krise, die Zukunft des Euro-Raums und mögliche Folgen für die Anleger im Vordergrund. Die Messebesucher hingen an ihren Lippen und drängten sich zu Hunderten um die Bühne.

Mit dabei auch Dirk Müller, vielen besser bekannt als Mister Dax. „Zypern ist nicht systemrelevant“, sagte der ehemalige Börsenhändler. „Wir reden über ein Land, das vielleicht die wirtschaftliche Leistungskraft von Bremen hat, wenn überhaupt.“

Eine Chronologie der Zypern-Krise

25. Juni 2012:

Zypern bittet die Eurozone um Hilfe, nachdem zwei große Banken im Fahrwasser der Griechenland-Krise Verluste von zusammen 4,5 Milliarden Euro erlitten.

1. Juli:

Ungeachtet der Krise übernimmt Zypern für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft.

8. Oktober:

Die EU drängt Zypern, einem Rettungsplan der Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) zuzustimmen. Dieser sieht Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst sowie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer vor. Die Verhandlungen mit der regierenden Linkspartei Akel ziehen sich aber hin.

3. November:

Der "Spiegel" meldet unter Berufung auf einen Bericht des Bundesnachrichtendienstes, dass eine Rettungsaktion für Zypern vor allem Inhabern russischer Schwarzgeld-Konten nutzen würde. Russische Staatsbürger hätten bei zyprischen Banken 26 Milliarden Dollar (20,1 Milliarden Euro) gebunkert.

22. November:

Die zyprische Regierung beziffert den Finanzbedarf des Landes auf rund 17 Milliarden Euro.

11. Januar 2013:

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängt Zypern bei einem Besuch auf der Mittelmeerinsel zu Reformen.

24. Februar:

Der als Sparkurs-Befürworter geltende Konservative Nikos Anastasiades wird zum neuen Präsidenten Zyperns gewählt.

4. März:

Angesichts anhaltender Vorwürfe der Europartner, ein Paradies für Geldwäsche zu sein, stimmt Nikosia einer unabhängigen Prüfung der Finanzströme auf die Insel zu.

16. März:

Die Finanzminister der Eurozone und der IWF wollen Zypern mit bis zu zehn Milliarden Euro unterstützen. Die Differenz zu den ursprünglich verlangten rund 17 Milliarden Euro muss Nikosia durch höhere Staatseinnahmen aufbringen, etwa durch Privatisierungen und eine Anhebung der Unternehmenssteuer, vor allem aber durch eine Abgabe auf Bankeinlagen, die insgesamt 5,8 Milliarden Euro bringen soll.

18. März:

Unter öffentlichem Druck kündigt Nikosia an, das Rettungspaket zugunsten der Kleinanleger neu zu verhandeln. Die Banken bleiben vorerst geschlossen, um panikartige Abhebungen von den Konten zu verhindern. Die Eurozone fordert Nikosia am Abend auf, "Einlagen unter 100.000 Euro vollkommen zu garantieren".

19. März:

Die zyprische Regierung beschließt, Bankeinlagen von unter 20.000 Euro von der Zwangsabgabe auszunehmen. Dennoch fällt das Rettungspaket am Abend im Parlament durch - es gibt keine einzige Ja-Stimme. Vor dem Parlament jubeln tausende Menschen nach der Ablehnung.

20. März:

Zyperns Finanzminister Michalis Sarris verhandelt in Moskau über mögliche russische Hilfen, die Verhandlungen führen aber zu keinem Ergebnis. Die einflussreiche Orthodoxe Kirche auf Zypern bietet ihre Hilfe an: Sie will der Regierung ihr Vermögen zur Verfügung stellen.

21. März:

Zypern will anstelle der Zwangsabgabe auf Bankguthaben einen eigenen Rettungsfonds einrichten. Die EZB erhöht den Druck auf das Land: Sie erklärt, die zyprischen Banken ohne internationalen Rettungsplan nur noch bis zum 25. März mit Notkrediten zu stützen.

22. März:

Merkel warnt Zypern davor, die Geduld der Eurostaaten auszureizen. Am Abend stimmt das zyprische Parlament ersten Maßnahmen eines neuen Rettungsplans zu, darunter einem Gesetz zur Bankensanierung und der Einrichtung eines nationalen Solidaritätsfonds.

23. März:

Zyprische Medien berichten über eine Einigung zwischen zyprischer Regierung und Troika auf ein Konzept für die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben.

24. März:

Der zyprische Präsident Anastasiades reist zu Verhandlungen nach Brüssel, wo auch die Euro-Finanzminister zusammenkommen. In der Nacht zum 25. März stimmen die Euro-Finanzminister dem Rettungspaket zu.

25. März:

Nach einem dramatischen Verhandlungsmarathon in Brüssel einigen sich Euro-Staaten, Internationaler Währungsfonds und Zyperns Regierung auf ein Hilfsprogramm von 10 Milliarden Euro. Großanleger müssen sich auf Verluste einstellen. Einlagen unter 100.000 Euro bleiben jedoch unangetastet.

28. März:

Erstmals seit fast zwei Wochen öffnen die Banken wieder. Allerdings gibt es für Abhebungen und den Zahlungsverkehr strenge Beschränkungen.

So sieht es auch der Wertpapierhändler und Tanzjuror Joachim Llambi: „Zypern macht nur 0,2 Prozent des Marktes in der EU aus, das ist verschwindend gering.“ Auch einen Domino-Effekt für andere Länder fürchtet Llambi nicht. Und Hans Bernecker setzte noch einen drauf: „Mich interessiert dieses Problem überhaupt nicht“, sagte der Börsenbriefautor. Den Banken fehlen Milliarden, diese Löcher müssten geschlossen werden. „Wer die schließt, weiß ich nicht, aber sie werden geschlossen werden und dann gehen wir wieder zur Tagesordnung über“, so Bernecker.

Doch selbst, wenn es nicht zu einer solchen Rettung, sondern zu einem Austritt aus dem Euro käme, dürften die Folgen für das europäische Finanzsystem überschaubar sein: „An den Börsen würde das kurzfristige Unsicherheit hervorrufen“, meint Llambi. Doch: „Die Problematik käme erst dann, wenn Länder wie Italien und Frankreich an so einem Punkt stehen würden. Aber ich bin davon überzeugt, so weit wird es in diesen Ländern gar nicht kommen.“

Was aus ökonomischer Sicht einfach erscheint, sieht politisch betrachtet, jedoch ganz anders aus: „Wirtschaftlich ist es irrelevant, ob ein Land wie Zypern oder Griechenland in der EU oder im Euro ist“, sagte Michel Friedman. Doch man dürfe die psychologischen und politischen Aspekte nicht vergessen: Deshalb müssten auch Entscheidungen getroffen werden, die nicht rein ökonomisch begründet sind. „Einfach so aussteigen ist auch gemäß den Verträgen nicht möglich“, so der Jurist.

Kommentare (19)

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thanx

25.03.2013, 13:06 Uhr

auf Merkel & CO. ist halt Verlass !!! Die lassen keinen Pleite gehen, koste es was es wolle !

Account gelöscht!

25.03.2013, 13:07 Uhr

Lieber Herr Llambi, "100% Sicherheit", heisst, man ist allwissend. Da ist mir nur einer in unseren Breiten bekannt. Nähme man Sie beim Wort, dürfte man gar nicht investieren. "Wissen und Vokubular", Herr Friedmann, sind auch zwei Paar Stiefel. Vielleicht ist es an der Zeit, dass Sie sich einmal um das kümmern, was Sie nicht wissen? Das alles klingt mir doch zur sehr nach Fischmarkt.

Republikaner

25.03.2013, 13:12 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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