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23.01.2014

10:18 Uhr

Börsen-Rally

Leerverkäufe feiern Comeback

Für Verkäufer geliehener Aktien waren die Jahre mit steigenden Kurse eine Zeit der Verluste. Doch viele Börsianer glauben, dass die Kurse bald auf dem Gipfel ankommen. Dann sitzen Leerverkäufer am längeren Hebel.

Sie galten einst als ein Verstärker der Finanzkriese: Leerverkäufe. Auf dem Höhepunkt der Börsen-Rally feiern sie ihr Comeback. dapd

Sie galten einst als ein Verstärker der Finanzkriese: Leerverkäufe. Auf dem Höhepunkt der Börsen-Rally feiern sie ihr Comeback.

Gerade der Höhepunkt einer Rally ist für Investoren, die auf fallende Kurse wetten der Moment, wieder auf die Pirsch zu gehen. Das heißt, Aktien zu verkaufen, die man sich im besten Fall nur geliehen hat, um sie später zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen - also sogenannten Leerverkäufe zu tätigen. „Ich denke, das ist keine schlechte Zeit, Geld für das einzusammeln, was wir tun”, sagt Jim Chanos, Präsident und Gründer von Kynikos Associats und einer der prominentesten US-Leerverkäufer.

Chanos Art, Geld zu verdienen, ist umstritten. Wenn die Aktien steigen, hält man die Shorties, wie sie im Börsenjargon gerne genannt werden, für dumm. Verkaufen sie aber in eine Talfahrt hinein - wie während der Bankenkrise 2007/2008 - stehen sie für die dunkle Seite. Ihm sei es lieber, Anleger für seine Strategie zu gewinnen, wenn Kritiker ihn für einen „Dorftrottel” hielten, denn für einen „bösen Geist”, sagte Chanos.

Vor allem Verkäufe von Aktien, die man nicht einmal geliehen hatte, gerieten im Umfeld der Folgen der Lehman-Pleite ins Visier der Regulierer. Diese sogenannten ungedeckten Verkäufe von Finanztiteln wurden zeitweise sogar verboten.

Die Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

5. April 1991

In Frankfurt geht das „Interbank Informations System” - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

19. Januar 1996

Die Börse führt den MDax ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDax auf 50 Unternehmen verkleinert.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

10. März 1997

Start des Neuen Marktes. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Am 24. März 2003 wird als inoffizieller Nachfolger der TecDax eingeführt, dem 30 Tech-Aktien angehören.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading” - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Zunächst werden 109 Aktien auf Xetra gehandelt. Später öffnet die Börse Xetra für alle deutschen sowie für europäische und US-Aktien.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2000

Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Beim Börsendebüt am nächsten Tag erreicht die Aktie in der Spitze knapp 85 Euro. Heute notieren die Infineon-Titel bei 6,60 Euro. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

1. Juni 2007

Erstmals seit März 2000 steigt der Dax wieder über 8000 Punkte.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

21. Januar 2008

Der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate leitet die Talfahrt des Dax ein. Am 21. Januar fällt der Index um mehr als 500 Zähler oder sieben Prozent auf 6790 Punkte.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

22. Mai 2013

Der Mai wurde für den Dax der Monat der Rekorde. Nachdem der Dax ein Rekordhoch nach dem anderen knackt, liegt das neue Allzeithoch bei 8.558 Punkten.

25. Oktober 2013

Der Dax schafft zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

7. November 2013

Neuer Rekord: Der Dax steigt zwischenzeitlich auf ein Allzeithoch von 9193 Punkten, gab bis zum Handelsende aber einen Teil der Gewinne wieder ab. Zum Börsenschluss reichte es für 9081 Punkten. Die Anleger feierten die überraschende Senkung des Leitzinses durch die EZB auf 0,25 Prozent.

25. November 2013

Der Dax beginnt die neue Handelswoche mit einer Rekordjagd. Schon in den ersten Minuten springt der Index über das alte Rekordhoch von 9254 Punkten und pendelt bereits vormittags an der Marke von 9300 Punkten.

2. Dezember 2013

Trotz eines ruhigen Präsenzhandels konnte der Dax an diesem Montag eine neue Bestmarke setzen: Er stieg am Vormittag bis auf 9424,83 Punkte.

30. Dezember 2013

Der Dax beendet seine Jahresendrally knapp über der Marke von 9500 Punkten.

4. Februar 2014

Der Dax startet stark ins neue Jahr und erreicht am 17. Januar mit 9789 Punkten abermals ein Rekordhoch. Börsianer hoffen, dass der Index nun über die 10000-Punkte-Markte springt und werden enttäuscht: Gegen Monatsende geht dem Dax die Puste. Am 31. Januar schließt er bei 9349 Punkten und läutet den Februar mit fallenden Kursen ein.

Dass es in den vergangenen Jahren um die Leerverkäufer still geworden war, lag vor allem an der Rally an den Aktienbörsen. „Jeder, der sich 2013 gegen den laufenden Trend gestellt hat, hatte ein Problem”, fasst Helaba-Analyst Christian Schmidt zusammen.

Einem entsprechenden Index der Credit Suisse zufolge verloren Leerverkäufer im vorigen Jahr 25 Prozent ihres Einsatzes. Wer dagegen auf steigende Kurse gewettet und Aktien gekauft hatte, konnte mit einem Gewinn von beispielsweise mehr als 25 Prozent im Dax aufwarten.

Dieser Trend dürfte 2014 auch in Europa nur noch gebremst weiter gehen. Von Reuters befragte Banken und Brokerhäuser rechnen damit, dass der deutsche Leitindex Ende des Jahres bei 10.000 Punkten steht. Seit Jahresbeginn hat der Dax in der Spitze schon gut zwei Prozent gewonnen und ist nur knapp drei Prozent von der technisch und psychologisch wichtigen Fünfstelligkeit und damit dem Kursziel vieler Geldhäuser entfernt.

Kommentare (2)

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Seifenblase

23.01.2014, 13:14 Uhr

"Für Verkäufer geliehener Aktien waren die Jahre mit steigenden Kursen eine Zeit der Verluste. Doch viele Börsianer glauben, dass die Kurse bald auf dem Gipfel ankommen. Dann sitzen Leerverkäufer am längeren Hebel." Zuvor wird nochmals richtig Werbung für Aktien gemacht, dass auch der letzte Michel in Aktien investiert, weil es ja keine Alternativen gibt, und dann geht es mithilfe von Goldmann und Co. im freien Fall Richtung Süden.

Seifenblase

23.01.2014, 13:15 Uhr

"Für Verkäufer geliehener Aktien waren die Jahre mit steigenden Kursen eine Zeit der Verluste. Doch viele Börsianer glauben, dass die Kurse bald auf dem Gipfel ankommen. Dann sitzen Leerverkäufer am längeren Hebel." Zuvor wird nochmals richtig Werbung für Aktien gemacht, dass auch der letzte Michel in Aktien investiert, weil es ja keine Alternativen gibt, und dann geht es mithilfe von Goldmann und Co. im freien Fall Richtung Süden.

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