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15.10.2014

09:53 Uhr

Börsen und Psychologie

Wie der größte Feind des Anlegers entlarvt wird

VonOliver Stock

Ökonomen haben erkannt: Nicht der Kopf, sondern der Bauch bestimmt unser Verhalten als Anleger. Ein neues Buch erklärt, welche Gefühle uns leiten dürfen - und welche besser nicht.

Anleger lassen sich viel zu oft von ihren Emotionen leiten - ein Fehler. Getty Images

Anleger lassen sich viel zu oft von ihren Emotionen leiten - ein Fehler.

DüsseldorfNatürlich, Sie sind ein perfekter Anleger. Sie kaufen dann, wenn der Kurs niedrig ist. Sie denken langfristig. Sie analysieren Unternehmen und finden die, die unterbewertet sind. Ein Abrutscher an der Börse lässt Sie völlig kalt, denn Sie wissen: Auf Dauer stehen Sie auf der Gewinnerseite. Schon allein, weil Sie ja auch sichere Dividendentitel im Depot haben.

Oder vielleicht nicht? Haben Sie etwa schon mal etwas gekauft, als es zu spät war? Haben Sie dann den Verlust eisern ausgesessen, obwohl sich die Aktie nie wieder erholt hat? Gehören Sie etwa zu denen, die sich bei ihrer Investitionsentscheidung von Gefühlen leiten lassen?

Dann sind Sie mit einem neuen Buch, das Sie wahlweise auf Ihren Nacht- oder Schreibtisch legen können, gut bedient. „Gierig. Verliebt. Panisch.“ heißt es und stammt aus der Feder der Börsenbuchautorin und Handelsblatt-Redakteurin Jessica Schwarzer. Es ist für alle die gedacht, die schon einmal geahnt haben: Der größte Feind des Anlegers ist der Anleger selbst.

Das Buch baut auf einen noch jungen Zweig der Ökonomie auf, der sich Behavioral Finance  nennt, auf deutsch: die verhaltensorientierte Finanzmarktanalyse. Sie berücksichtigt den menschlichen Faktor. Sie kalkuliert ein, dass Anlageentscheidungen oft nicht mit dem Kopf, sondern aus dem Bauch heraus getroffen werden.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Kernstück dieser Börsenwissenschaft ist die Einschätzung, wie wir Gewinne und Verluste wahrnehmen. Verluste wiegen viel schwerer als Gewinne, etwa zweieinhalbmal so hoch, schätzen die Verhaltensforscher. Wer das weiß, versteht, warum Anleger Gewinne schnell mal mitnehmen und Verluste selten aushalten, ohne sich selbst zu betrügen. „Die Börse, das ist eine Geschichte von hartnäckigen Verlierern und wankelmütigen Gewinnern“, schreibt Schwarzer.

Ihr Buch ist da stark, wo sie die Anleger in allzu menschliche Typen einteilt: den Mitgerissenen, den Gierigen, den Verliebten, den Leichtgläubigen – zehn dieser Charaktere hat sie ausgemacht und widmet jedem ein einzelnes Kapitel.

Kommentare (4)

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Herr Dr. Peter Lustig

15.10.2014, 10:10 Uhr

Herr Stock,

schön, dass Sie hier kostenfrei das Buch einer Ihrer Mitarbeiterinnen bewerben.

Würde es nicht zum differenzierten Journalismus dazugehören, ebenfalls alternative Lektüre zu nennen? Alleine schon aus Objektivitätsgründen und um kommerzielle Interessenskonflikte zu vermeiden.

Deshalb meine Alternativempfehlung:

- Sparen Sie sich das Geld für dieses "neue" Buch und kaufen Sie bewährte Finanzklassiker, wie z.B.:

- Jason Zweig "Your Money, Your Brain"
- Graham "Intelligent Investieren"
- Kostolany "Die Kunst des Geldanlegens"

etc.

Herr Heinz Klein

15.10.2014, 10:58 Uhr

Der Handelsblatt-Online-Chefredakteur rezensiert ein Buch einer Handelsblatt-Online-Ressortleiterin? Und dann soll ich nach dem zweiten Absatz das Busch kaufen? (abgesehen davon, dass der Preis von 25 Euro für ein eBook eine Frechheit ist)

Was hat das noch mit Journalismus zu tun?

Ich empfehle Ihnen, über solche Angebote beim nächsten Mal "ANZEIGE" zu schreiben, sonst freut sich der Presserat über Arbeit!

Herr Gerd Luetjen

15.10.2014, 11:53 Uhr

Leider muss ich meiner Vorkommentatoren zustimmen. Dieser Artikel ist nichts als eine peinliche Werbung und einer - bisher jedenfalls - seriösen Zeitung, wie dem Handelsblatt, unwürdig. Einzig positiv ist zu erwähnen, dass Sie nicht verschweigen, dass ihr hochgejubeltes Buch von einer Kollegin stammt.
Es sollte beim Handelsblatt einen Chefredakteuer geben, der seine Aufgaben auch als Journalist ernst nimmt und derartige Patzer verhindert.

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