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10.10.2012

12:29 Uhr

Börsenängste

Wann kommt der große Crash?

Großinvestoren fürchten den nächsten Börsenabsturz, vergleichbar mit der Lehman-Pleite 2008. Bereits in den kommenden Monaten wird es krachen, glauben sie. Und versuchen, sich strategisch ganz neu aufzustellen.

Dunkle Wolken über den Hochhäusern der Banken in Frankfurt am Main. Der nächste Absturz kommt bestimmt, meinen Großinvestoren. dpa

Dunkle Wolken über den Hochhäusern der Banken in Frankfurt am Main. Der nächste Absturz kommt bestimmt, meinen Großinvestoren.

London, DüsseldorfEin wenig unheimlich ist sie schon, die Rally: Seit Wochen klettern an den großen Börsenplätzen dieser Welt die Aktienkurse. In Frankfurt, in London, an der New Yorker Wall Street oder in Tokio. Der Dax notiert deutlich oberhalb der Marke von 7.000 Punkten; der altehrwürdige Dow Jones Index hat die Hürde von 13.000 Zählern längst überschritten. Dabei warnen Volkswirte, dass der Weltwirtschaft die nächste Rezession drohe. Und die Euro-Krise noch lange nicht ausgestanden sei. Eigentlich müssten die Aktienkurse fallen, nicht steigen. Jim Rogers, der weltbekannte Rohstoffspekulant empfiehlt vorsorglich, sich einen Bauernhof in Asien zu kaufen.

Vielen Großinvestoren ist deshalb ein wenig mulmig zumute. Irgendetwas stimmt nicht mit dieser Rally. Die Gründe für den wundersamen Kursanstieg sind zwar bekannt: billiges Geld und die Angst der Investoren vor Inflation. Allerdings weiß niemand so recht, ob die laxe Geldpolitik der Währungshüter erfolgreich sein wird. Ob die Weltkonjunktur wieder anspringt und die Eurokrise sich irgendwann verflüchtigen wird.

Viele institutionelle Investoren gehen deshalb davon aus, dass der schöne Schein trügt. Dass es nochmal krachen wird an den Börsen - und zwar so richtig. So fürchten mehr als zwei Drittel der Großanleger, dass in den kommenden zwölf Monaten eine Katastrophe vom Ausmaß der Lehman-Pleite die Märkte erschüttert.

Rund 71 Prozent der Anleger hält ein solches Extremszenario für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich. Das Dumme daran: Nur ein geringer Teil der Investoren glaubt, er sei gut genug gegen ein solches Beben an den Märkten abgesichert. Viele würde ein neuerlicher Börsencrash hart treffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Vermögensverwalters State Street.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Dabei hat das Management von Extremereignissen spätestens mit der Finanzmarktkrise an Bedeutung gewonnen. "Tail Risks" nennen die Angelsachsen Ereignisse dieser Art; sie treten selten auf, entfalten aber eine extrem zerstörerische Wirkung. Die Lehman-Pleite war ein solcher Fall. Billionen Dollar wurden nach dem Zusammenbruch der einst so stolzen Investment-Bank rund um den Globus vernichtet.

Kommentare (46)

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Account gelöscht!

10.10.2012, 12:46 Uhr

So ein Quatsch!

Glaubten diese Investoren tatsächlich an "den großen Crash", dann würde jeder einzelen für sich klamheimlich seine Positionen glatt stellen bzw. derart absichern, dass der Crash ein Vermögen bringen würde. Allein diese Absicherung aber würde ja das aktuelle Niveau schon in den Keller treiben.

Da ist es aber nicht. Überzeugt von der eigenen Crash-These sind die Protagonisten also ganz offensichtlich nicht!

Das Handelsblatt als Sprachrohr derjenigen, die an großen Bewegungen viel verdienen, gleichgültig in welche Richtung Kurse springen, wir zunehmend unseriöser.

Heute Hurra schreien und von Jahresendrally oder von dem großen Potenzial der Aktien sprechen um Morgen vom anstehenden Weltuntergang zu berichten.

Und dabei sind seit Monaten keine überraschenden neuen Erkenntnisse dazu gekommen. Immer dieselbe Sülze mit den gleichen Phrasen im HB. Wirklichj ärmlich!

Kattskralle

10.10.2012, 12:48 Uhr

Ein paar dieser "Experten" shorten ja schon seit geraumer Zeit öffentlichkeitswirksamst gegen Aktien... Wundert mich nicht daß die sich mittlerweile einen Kursrutsch herbeisehnen.

Das Dumme ist wohl daß mitterweile nicht mehr die großen Banken und Zocker an prominentester Stelle in Aktien investiert sind - sondern eher solide orientierte Sparer und Anleger die weniger den schnellen nominalen Gewinn als vielmehr Schutz vor Inflation im Sinn haben.
Diese Anleger lassen sich wohl auch nicht so leicht rausschütteln - und unter solchen Bedingungen kann shorten dann auch squeeze-technisch total nach Hinten losgehen.

Na wer weis - vielleicht heben ja alsbald die zu schließenden Short-Positionen dieser "Anlage-Genies" den Dax auf 8000 und mehr. Und richtig lustig wird´s erst wenn auch dann die zitierten wahren Anleger es einfach nicht nötig haben "Inflationsgewinne" zu "realisieren".

Account gelöscht!

10.10.2012, 12:50 Uhr

Solch ein luschig zusammengestöpselter Artikel sollte nicht auf die Titelseite von Handelsblatt.de

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