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02.12.2013

17:45 Uhr

Börsenaufsicht droht mit Strafen

Rüffel für die Ratingagenturen

Die Europäische Börsenaufsicht knöpft sich die Ratingagenturen vor. Bei der Vergabe von Bonitätsnoten sollen sie geschludert haben – obwohl die Ratings die Zukunft eines Landes beeinflussen. Jetzt drohen Strafen.

Mit den Auf- und Abstufungen der Bonitätsnoten eines Landes sollen nicht nur Führungsmitglieder beauftragt gewesen sein, hat die ESMA herausgefunden. Jetzt drohen den Ratingagenturen strafen. AFP

Mit den Auf- und Abstufungen der Bonitätsnoten eines Landes sollen nicht nur Führungsmitglieder beauftragt gewesen sein, hat die ESMA herausgefunden. Jetzt drohen den Ratingagenturen strafen.

LondonNach einem Rüffel der Europäischen Börsenaufsicht ESMA droht den Ratingagenturen eine Strafe wegen Mängeln bei der Veröffentlichung der Bonitätsnoten für Staaten. „Sie sollten ihr Verfahren beschleunigen und sicherstellen, dass sie ihr Haus in Ordnung bringen“, mahnte ESMA-Chef Steven Maijoor am Montag. Konkret wirft er den Platzhirschen Moody's, S&P und Fitch vor, Rating-Änderungen schleppend zu veröffentlichen und zugleich mit laschen internen Kontrollen Informationslecks zu begünstigen.

Die EU hat in den vergangenen drei Jahren in mehreren Gesetzesinitiativen eine engere Überwachung der mächtigen Ratingagenturen auf den Weg gebracht. Diese beeinflussen mit der Bewertung der Kreditwürdigkeit von Staaten die Kosten, die Länder für frisches Geld am Kapitalmarkt zahlen müssen. Gerüchte und Schwankungen an den Märkten in der Zeit vor der Veröffentlichung von Ratings hatten die Aufsicht auf den Plan gerufen. Die Behörde fand nun heraus, dass die Agenturen teils mehr als fünf Tage verstreichen ließen, bevor sie eine Rating-Entscheidung kommunizierten. In einem Fall dauerte es zwei Wochen. Dabei gilt für die Agenturen die Regel, die Entscheidung „zeitnah“ zu veröffentlichen und zuvor eine Karenzzeit von mindestens 24 Stunden einzuhalten, um den betroffenen Staaten intern die Möglichkeit zum Hinweis auf Fehler zu geben.

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

Wie die ESMA herausfand, nehmen es die Agenturen auch beim Personal nicht immer so genau: In Einzelfällen wurden rangniedrige oder neue Mitarbeiter mit Führungsaufgaben im Rating-Prozess betraut. All diese Mängel könnten die „Qualität, Unabhängigkeit und Integrität“ der gesamten Bonitätsbewertung von Staaten beeinträchtigen, rügte der ESMA-Chef. Die Ratings selbst hinterfragte die Behörde indes nicht. Die Agenturen müssen nun Pläne vorlegen, um die Mängel abzustellen. Obwohl die ESMA in dem dritten Aufsichtsbericht nicht darüber entschieden hat, ob Regeln verletzt wurden, wird ein Vorgehen wegen früherer Versäumnisse der Agenturen nicht ausgeschlossen. Nach den ab Januar 2014 geltenden Regularien dürfen die Agenturen Änderungen bei Ratings nur nach einem festen Veröffentlichungskalender kommunizieren.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Pequod

02.12.2013, 18:06 Uhr

So ist bei diesem Ratingspiel bisher noch kein einziges
Land auf 'd' - wie 'default' von den Ratingagenturen
gesetzt worden, obwohl sich z.b. Griechenland seit 2010
im Insolvenzstadium befindet und wie andere Pleitelän-
der von der EZB mit dem ELA System der Notenpresse über
Wasser gehalten werden. So werden mit diesem Rating-
spiel künstlich Haussen und Baissen für den Spekula-
tionsbereich der Banken erzeugt, vermeidet aber tun-
lichst die finale Einstufung des 'default' um nicht
den CDS Markt zusammenbrechen zu lassen, womit die
fünf amerikanischen Großbanken und ebenfalls die Ra-
tingagenturen vor dem Ruin stehen würden.

Account gelöscht!

02.12.2013, 19:26 Uhr

Pequod ich stimme ihnen voll zu. Beachtenswert ist auch, dass die Ratingagenturen Ableger der amerikanischen Großbanken sind. Man ist sich dort selbst am Nächsten. Motto: wir lassen die Allgemeinheit bezahlen, damit wir wieder satte Milliardengewinne machen.

pro-D

02.12.2013, 19:27 Uhr

So, endlich schlägt Deutschland mit der EU zurück.

Wir ja auch Zeit, dass wir uns im wir uns im Wirtschaftskrieg gegen die kriegstreibenden USA entlich mal erwehren.

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