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17.01.2016

18:12 Uhr

Börsenausblick

Licht am Ende des Tunnels

Die internationalen Börsen sind nicht gut in das neue Jahr gestartet. Nun erwarten Experten eine Stabilisierung der Kurse. Auf Unternehmensseite steht die neue Woche im Zeichen der Banken.

Börsianer warten mit Spannung auf die Pressekonferenz des EZB-Chefs Mario Draghi am Donnerstag. Reuters

Wann legt die EZB nach?

Börsianer warten mit Spannung auf die Pressekonferenz des EZB-Chefs Mario Draghi am Donnerstag.

FrankfurtNach dem verpatzten Jahresauftakt an den internationalen Börsen sagen Experten ein Ende der Talfahrt voraus. „Da sich die Konjunktur trotz zahlreicher Störfeuer bislang als recht robust erweist und anders als 2008 keine Rezession droht, stehen die Chancen auf eine Erholung der Notierungen im weiteren Jahresverlauf insgesamt gut“, betonte Helaba-Analyst Markus Reinwand. „Schließlich wirken gerade die gegenwärtig stark zur Verunsicherung beitragenden Preisrückgänge bei Rohstoffen in den Verbraucherländern wie ein Konjunkturprogramm.“

Der Ölpreis ist allein in den vergangenen beiden Wochen um rund 20 Prozent gefallen. Damit ist dieser Rohstoff so billig wie seit zwölf Jahren nicht. Kupfer notiert auf einem Sechseinhalb-Jahres-Tief. Beim Dax summiert sich das Minus seit Jahresbeginn auf rund elf Prozent. Etwa ein Drittel dieses Verlusts stammt aus der abgelaufenen Woche.

Commerzbank-Experte Andreas Hürkamp begründete seine Prognose einer bevorstehenden Stabilisierung der Aktienmärkte mit der anhaltend lockeren Geldpolitik der Notenbanken, vor allem in der Euro-Zone und in China. Er setze auf eine Entwicklung wie 1991, als der Dax nach einem Auftaktverlust das Börsenjahr mit einem Plus von mehr als 13 Prozent abschloss. Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, mahnte dagegen zur Vorsicht. „Die Lage an den Börsen bleibt angespannt, und es ist keine nachhaltige Verbesserung der Stimmung in Sicht.“

Die besten Anlagen 2015

Deutsche Staatsanleihen

Es war vor allem die Europäische Zentralbank die mit ihren Anleihekäufen die Kurse auch der deutschen Staatsbonds immer weiter nach oben trieb. Im Gegenzug sackten die Renditen. Zuletzt sind sie aber wieder gestiegen – so dass für Anleger mit Bundesanleihen nur magere Erträge aus Kursgewinnen und Zinsen blieben. Wer 100.000 Euro in einen Korb aus Bundesbonds steckte hat jetzt 100.310 Euro auf dem Konto. Das ist weniger als sich im Schnitt mit Tagesgeld erwirtschaften ließ.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr; Wertentwicklung ohne Transaktionskosten
Quelle: Bloomberg

Aktien Euro-Zone

Die Spreizung im Euro-Raum ist recht groß. Der größte Gewinner in diesem Jahr ist bislang die Börse in Dublin, die mehr als 30 Prozent zulegte. Die Indizes in Spanien, Luxemburg und vor allem in Griechenland und Zypern stürzten dagegen ab. Der Euro Stoxx 50 für die Standardwerte im Euro-Raum gewann 5,1 Prozent, somit wurden aus 100.000 Euro 105.100 Euro.

Deutsche Aktien

Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Dax gesteckt hat, kann sich über ein Plus von 10,26 Prozent, also von 10.260 Euro freuen Noch viel besser entwickelten sich Nebenwerte. Der MDax der mittelgroßen Aktien legte rund 23 Prozent zu, der TecDax 34 Prozent. Auch an anderen europäischen Börsen hatten die Small Caps oft die Nase vorn.

Amerikanische Staatsanleihen

Die Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember konnte US-Bonds bislang nicht viel anhaben. Unter dem Strich und im Mittel aller Laufzeiten sind die Kurse etwas höher als zu Jahresbeginn – und die Renditen entsprechend leicht gesunken. In Dollar gerechnet brachten US-Staatsanleihen Investoren so einen Gesamtertrag aus Zinsen und Kursgewinnen von gut einem Prozent. Da der US-Dollar jedoch deutlich zulegte, profitierten Euro-Anleger: Sie können sich 100.000 in US-Staatsanleihen angelegten Euro jetzt über einen Depotstand von 111.650 Euro freuen.

US-Aktien

Die US-Börsen haben sich von ihrem Einbruch im Sommer erholt – und nach jüngsten Spurt bislang ein mageres Jahresplus geschafft. Der gestiegene Dollar hilft aber Euro-Investoren, die nicht währungsgesichert in den USA angelegt haben. Der S&P 500 stieg in Euro gerechnet um 11,81 Prozent. Aus 100 000 Euro wurden bis kurz vor Jahresschluss 111.810 Euro.

Chinesische Aktien

Kaum eine Börse war so in den Schlagzeilen wie die chinesische. Bis zum Frühjahr stieg sie rasant – dann kam der Absturz. Dabei schreckten die Sorgen um eine Abschwächung der Wirtschaft der Volksrepublik die Investoren weltweit auf. Dennoch notierten der Leitindex Shanghai Composite immer noch deutlich fester als zu Beginn 2015 und auch der Yuan hat auf Jahressicht zum Euro zugelegt. So wurden aus 100.000 im Shanghai Composite angelegten Euro 116.980 Euro

Japanische Aktien

Die Notenbank pumpt weiter Geld in den Markt und das Reformprogramm von Ministerpräsident Shinzo Abe zur Ankurbelung der Wirtschaft greift – wenn auch langsamer als viele erwartet hatten. Entsprechend holprig ging es auch 2015 am japanischen Aktienmarkt zu. Unter dem Strich gilt jedoch: Der Nikkei 225 Index gewann 2015 gut neun Prozent. Gleichzeitig wertete der Yen zum Euro kräftig auf. 100.000 in den Index investierten Euro vermehrten sich deshalb auf 120.020 Euro.

Griechische Staatsanleihen

Auch sie verblüffen Investoren und gelten als zu riskant für eine seriöse Anlage. Im Sommer fürchteten die wenigen Anleger die noch griechische Bonds handeln den Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum. Die Kurse der Staatsbonds fielen drastisch. Sie erholen sich jedoch seit sich das dritte Hilfspaket für Hellas abzeichnet. Die Folge: Wer 100.000 Euro in griechische Staatsbonds verfügte hat jetzt 121.190 Euro.

Venezolanische Aktien

Die Börse in Caracas ist der Überraschungssieger des Jahres, und das obwohl die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge in der Rezession steckt. An der Börse werden jedoch nur sehr wenige Aktien gehandelt, die Umsätze liegen täglich bei meist nur ein paar tausend Dollar. Aktien sind aber für venezolanische Investoren eine Möglichkeit ihre Bolivar vor dem Wertverfall angesichts der Inflation von 160 Prozent zu retten. Außer den heimischen Investoren legt kaum jemand Geld in Caracas an. Dennoch: Theoretisch konnten Anleger 361.80 Euro verdienen, wenn sie Anfang des Jahres 100.000 Euro in Venezuelas Leitindex IBC investierten.

Vor diesem Hintergrund warten Börsianer mit Spannung auf die Pressekonferenz des EZB-Chefs Mario Draghi am Donnerstag. Wegen der drohenden Deflation, einer Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, wetteten immer mehr Anleger auf zusätzliche Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB), sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus City of London. Die Währungshüter hatten ihr Wertpapier-Ankaufprogramm allerdings erst im Dezember verlängert. Daher rechnen Experten frühestens für März mit neuen Schritten, wenn die EZB ihre aktualisierten Inflationsprognosen vorlegt.

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