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16.04.2016

16:22 Uhr

Börsenausblick

Öl und Firmenberichte beschäftigen Anleger

VonAnke Rezmer

Trotz einer Schwäche am Freitag legten die führenden europäischen Aktienindizes die beste Woche seit Monaten hin. Nun könnte es wieder ungemütlicher für Investoren werden. Zwei große Themen dürften die Anleger umtreiben.

Ölpumpe auf einem Ölfeld im Golfstaat Bahrain im Sonnenuntergang: Der Golfanrainer Katar ist am Sonntag Gastgeber des wichtigen Opec-Treffens. AP

Öl im Blick der Investoren

Ölpumpe auf einem Ölfeld im Golfstaat Bahrain im Sonnenuntergang: Der Golfanrainer Katar ist am Sonntag Gastgeber des wichtigen Opec-Treffens.

FrankfurtZwei große Themen dürften Anleger in der kommenden Woche umtreiben: Das Treffen der Ölproduzenten in Katar am Sonntag und die Saison der Quartalberichte der Unternehmen. Beides hätte das Potenzial, um die Aktienmärkte gehörig durcheinander zu wirbeln, meinen Analysten und Strategen.   

Am Sonntag schauen Anleger höchst gespannt auf die katarische Hauptstadt Doha. Dort werden die wichtigen erdölproduzierenden Länder des Ölkartells Opec und Russlands versuchen, sich auf eine Begrenzung der Fördermenge zu einigen. Ecuadors Ölminister Carlos Pareia hat bereits versucht, die ölproduzierende Gemeinde auf einen gemeinsamen Kurs einzuschwören. Das Treffen in Doha sei elementar für die Entwicklung des Rohölpreises in der nahen Zukunft, sagte Pareia.  „Wir hoffen, eine Übereinkunft zu erreichen, die hilft einen Markt zu kontrollieren, der aktuell extrem niedrige Preisniveaus markiert.“ Letzteres sei für niemanden gut, nicht für große Ölproduzenten, auch nicht für die Kleinen.

Eine Einigung der Ölförderer gilt indes als unwahrscheinlich. So schließen etwa die Analysten der Helaba kurzfristig ein erneutes Nachgeben der Preise nicht aus, denn es gebe immer noch hohe Überkapazitäten am Ölmarkt. Zudem gehe der jüngste Anstieg zu großen Teilen auf das Konto von Spekulanten. Am Freitag sank der Ölpreis bereits deutlich. Der Preis für ein 159-Liter-Fass der Nordsee-Ölsorte Brent gab um gut zwei Prozent nach auf 41,54 Dollar.

Trotz einer Schwäche am Freitag legten die führenden europäischen Aktienindizes die beste Woche seit Monaten hin. Nun könnte es wieder ungemütlicher für Investoren werden.  

Die Folgen des Billigöls

1. Billiges Erdöl treibt die Wirtschaft an

Tatsache ist: Europas Verbrauchern nutzen die Niedrigpreise sehr. Im Februar war Energie im Euroraum dem Statistikamt Eurostat zufolge 8,0 Prozent günstiger als vor einem Jahr, bei Haushaltsenergie und Sprit in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 8,5 Prozent. Von Mitte 2014 bis Ende 2015 verbilligte sich das „schwarze Gold“ um zwei Drittel, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut meldete beim Rohstoffpreis-Index den tiefsten Stand seit 2004. Die Deutschen gaben 2015 laut Mineralölverband 13,5 Milliarden Euro weniger für Sprit und Heizöl aus. Auch große Teile der Industrie freuen sich: Je billiger der Schmierstoff der Weltwirtschaft, umso mehr Entlastung im Einkauf.

Wahr ist aber auch: Die Chemie zum Beispiel muss bessere Konditionen oft mit niedrigeren Preisen für Kunst- oder Farbstoffe an ihre Kunden weitergeben. Beim Branchenriesen BASF etwa sank der Überschuss 2015 auch deshalb um fast ein Viertel auf rund 4 Milliarden Euro.

2. Bald steigen die Ölpreise stark, dann kommt das böse Erwachen

„Langfristig dürfte ein steigender (Öl-)Preis die Geldentwertung anheizen“, glaubt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Gefahr: Wenn es mächtigen Förderländern gelingt, das Fracking in den USA aus dem Markt zu drängen, könnte das Angebot knapp werden und die Kosten hochkatapultieren. Für Flüssigtreibstoffe ermittelte die französische Bank Société Générale von 2005 bis 2015 einen Rückgang der Preise um fast 30 Prozent. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht aber allerspätestens 2021 deutliche Erhöhungen. „Für Verbraucher ist es einfach, sich durch niedrige Preise einlullen zu lassen, aber sie sollten die Signale nicht überhören“, warnte IEA-Chef Fatih Birol.

Zwar ist vor allem die kühlere Konjunktur in China ein Grund; dort gab es 2015 mit 6,9 Prozent das schwächste Wachstum seit 25 Jahren. Aber auch unklare Ziele des Opec-Kartells spielen eine Rolle. Der Iran will nach dem Ende der Sanktionen Öl exportieren, die Saudis und das Nicht-Opec-Mitglied Russland peilen eine Deckelung der Produktion an. Wenn mehr US-Quellen dicht machen, könnten am Ende Engpässe - so fürchtet Birol - zu „nach oben schießenden Ölpreisen“ führen.

3. Das Billigöl würgt den Börsen-Boom endgültig ab

Weltweit haben Aktienbesitzer nach dem Jahreswechsel herbe Verluste einstecken müssen. Ein Grund, der neben der befürchteten schwächeren Weltkonjunktur oft genannt wird: das Ölpreis-Tief. Dauerhaft billige Rohstoffe werten die Märkte als Zeichen schrumpfender Nachfrage.

Chinas Schwäche sorgt weiter für Zweifel - zusammen mit den dortigen Finanzmarkt-Turbulenzen und Exporten, die im Februar um ein Fünftel einbrachen. Und wie lange können Förderer Kredite voll bedienen? „Wir erwarten, dass Banken in ölexportierenden Regionen ein höheres Gläubiger-Risiko haben“, warnt die Ratingagentur Moody's. Sie prüft eine Abstufung von zwölf Förderländern, darunter Russland und Saudi-Arabien. Das Preistief werde wohl noch „mehrere Jahre“ dauern.

4. Das Klima verliert, denn günstiges Öl blockiert die Energiewende

Beim Pariser Klimagipfel Ende 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft auf einen Verzicht auf fossile Brennstoffe bis Ende des Jahrhunderts. Solange die Abkehr von Öl, Gas und Kohle nicht klappt, verschleppt das Ölpreis-Tief die Energiewende zusätzlich, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Deutschlandfunk: „Ein niedriger Ölpreis behindert den Umstieg Richtung Energiesparen.“ Prognosen zum Welt-Energiebedarf gibt es viele. So erwartet BP, dass die Fossilen auch 2035 den Löwenanteil (60 Prozent) zur globalen Versorgung beitragen, obwohl erneuerbare Quellen parallel zulegen.

Die Schwellenländer wollen jedoch mehr Wohlstand - und brauchen dafür mehr Energie. Andererseits entlasten niedrige Ölpreise sie nur dann, wenn rückläufige Verkäufe sie nicht treffen. IWF-Chefin Christine Lagarde bot Hilfe an: „Der IWF steht offen für alle Mitglieder.“

5. „Die Elektroauto-Industrie wird unter niedrigen Ölpreisen leiden“

Dies sagt nicht irgendwer - sondern der schillernde Gründer des US-Elektroautobauers Tesla, Elon Musk. Über seine bei CNN geäußerte Einschätzung kann man streiten: Es gibt viele Faktoren, die eine „Verkehrswende“ erschweren. Elektroautos sind gegenüber Benzinern meist teuer, die Reichweite ist gering. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen 2015 in Deutschland gerade 12 363 reine E-Autos zusätzlich auf die Straße, verglichen mit der Gesamtzahl von 3,2 Millionen Pkw. Die Bundesregierung hat zu möglichen Subventionen noch keine klare Linie.

In der Auto-Nation USA jedenfalls schiebt das billige Öl den Absatz von Spritschluckern an. Nach Zahlen der Deutschen Bank stieg der Verkaufsanteil leichter Trucks dort zwischen 2000 und 2015 von 50 auf über 60 Prozent, während normale Pkw zuletzt 40 Prozent erzielten. Ursache: „das enorme Abrutschen der Öl- und damit der Benzinpreise“.

Die Entwicklung der Ölpreise beeinflusst die Aktienmärkte schon seit längerem in besonders auffälligem Maß. Der Preis für das „schwarze Gold“ gilt als Signal für die Einschätzung der Weltkonjunktur. Steigende Ölnotierungen hatten zuletzt die Börsen gestützt, wurde dahinter doch eine Erholung der globalen Konjunktur mit einer steigenden Ölnachfrage gesehen. Dagegen trübte ein sinkender Ölpreis die Stimmung auf dem Parkett ein. Anleger schlossen auf eine anhaltende konjunkturelle Schwäche.  

Für Bewegung am Aktienmarkt sollten zudem anstehenden Quartalsberichte der Unternehmen sorgen. Vor allem in den USA nimmt die Berichtssaison Fahrt auf. Anleger hätten sich zuletzt wieder etwas aus der Deckung gewagt, konstatiert Analyst Markus Reinwand von der Helaba. Nun komme es darauf an, dass die Kurserholung durch eine Verbesserung der Unternehmensgewinne untermauert werde, kommentiert er.

Eher pessimistisch zeigen sich die Analysten der WGZ Bank, was die jüngste Entwicklung der Firmenzahlen angeht: „In den USA ist mit einer Fortsetzung der fallenden Umsätze und Erträge zu rechnen“, meinen die Aktienspezialisten. „Zu stark sind die negativen Auswirkungen des relativ festen US-Dollar und des Investitionseinbruchs in der Erdöl- und Erdgasbranche.“

Zur Vorsicht mahnen auch Händler: Weil Aktien kurzfristig etwas überkauft seien, wäre es sicher angebracht, wenn die Märkte erst einmal eine Atempause einlegten und in eine Konsolidierungsphase einschwenkten¸ meint Markus Huber vom Wertpapierhaus City of London Markets. Dies wäre nur allzu gesund und notwendig, um den Weg zu höheren Kurse in recht naher Zukunft zu ebnen.

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