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02.09.2015

11:16 Uhr

Börsencrash in China

Händler zittern vor Markt-Aufsehern

Als wäre der Aktiencrash nicht genug, müssen sich die chinesischen Investoren nun auch noch mit Behörden herumschlagen. Ob sie bei der Aufklärung helfen sollen oder zu Schuldigen erklärt werden, bleibt ungewiss.

An der Börse Shanghai herrscht helle Aufregung. Händler fürchten sich vor Strafen. Reuters

Börse Schanghai

An der Börse Shanghai herrscht helle Aufregung. Händler fürchten sich vor Strafen.

Schanghai„Wenn ich nicht zurückkomme, kümmere dich um meine Frau.” Mit diesen Worten verabschiedete sich der Manager eines großen Investmentfonds von einem befreundeten Kollegen, als er zu einem Treffen mit den Marktaufsehern zitiert wurde. Ein anderer Fondsmanager berichtet von täglichen Anrufen der Regulierer: Sie wollen wissen, wie viel er ver- und gekauft hat.

Seit Mitte Juni hat der chinesische Aktienmarkt rund 40 Prozent an Wert eingebüßt. Die Regierung versucht nun mit aller Macht, weitere Verluste zu verhindern oder zumindest einzudämmen, sind doch ohnehin schon Hunderttausende Kleinanleger ärmer geworden durch den Wertverlust. So wurden heimische Händler und Fondsmanager aufgefordert, Aktien zu kaufen. Dabei wird auch Druck ausgeübt: Investoren dürfen bis zu sechs Monate keine Papiere verkaufen, wenn sie zuvor zu viele Titel abgestoßen haben. Auch wird die Anlagestrategie von Investmentfonds unter die Lupe genommen. So wollen die Behörden dem Verdacht von Marktmanipulation oder „boshafter” Leerverkäufe nachgehen, mit denen Anleger auf fallende Kurse wetten.

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Die immer häufiger werdenden Treffen mit den Börsenaufsehern wirkten einschüchternd, sagen mehrere betroffene Investoren der Nachrichtenagentur Reuters. Besonders ausländische Manager sind aufgeschreckt, obwohl sie nur einen geringen Anteil an chinesischen Aktien halten und damit kaum für die Turbulenzen verantwortlich gemacht werden können. „Die ausländische Fondsgemeinde fühlt sich stärker überwacht”, sagt ein ausländischer Investor. „Niemand zeigt mit dem Finger auf dich und sagt, du hast etwas illegales getan. Aber es reicht schon aus, die Leute aufzufordern, ihre gesamten Handelsaktivitäten durchzugehen.” Das erhöhe den Druck.

Auch heimischer Broker werden unter die Lupe genommen. Nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua gaben vier hochrangige Führungskräfte des größten chinesischen Brokerhauses Citic Securities inzwischen Insiderhandel zu. Zudem habe ein Vertreter der Wertpapieraufsichtsbehörde CSRC gestanden, gegen Schmiergeldzahlung seine Position dazu missbraucht zu haben, den Aktienkurs eines Unternehmens künstlich in die Höhe zu treiben.

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Etliche Chinesen glauben, der Kursrutsch am Aktienmarkt sei vom Ausland inszeniert worden - etwa durch die USA, um China beim Internationalen Währungsfonds (IWF) bloßzustellen. Dort will China durchsetzen, dass seine Landeswährung Yuan neben Dollar, Euro und anderen westlichen Devisen in den IWF-Währungskorb kommt - was nicht nur ein enormer Prestigegewinn für Peking wäre. Viele ausländische Zentralbanken würden den Yuan dann als Reservewährung kaufen. Chinas Einfluss auf die Weltwirtschaft würde dadurch stark zunehmen.

Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass ausländische Fonds sich aus China zurückziehen oder Mitarbeiter ausfliegen lassen wollen. Doch Experten schließen nicht aus, dass das noch kommt. „Die Krise unterstreicht die Notwendigkeit für China-spezifische Investitionsmodelle”, sagt Daniel Celeghin, der für das Analysehaus Casey Quirk in Hongkong Hedgefonds berät. „Einfach die Strategien zu übernehmen, die in den USA funktioniert haben, ist nicht machbar.”

Eines ist sicher: Die aufregenden Zeiten für die Investorengemeinde in China werden nicht so schnell vorbeigehen.

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