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30.07.2015

16:27 Uhr

Börsencrash

Warum China jetzt einen Mario Draghi sucht

VonStephan Scheuer

Peking pumpt Milliarden an die Aktienmärkte. Die Börsenaufsicht lässt die Märkte künstlich stützen. Doch die Kurse drehen immer wieder ins Minus. Chinas Anlegern fehlt ein Rettungsanker wie EZB-Präsident Mario Draghi.

China sucht jemanden wie EZB-Chef Mario Draghi, der „alles dafür tut, die Märkte zu stützen“.

Li Keqiang und Mario Draghi

China sucht jemanden wie EZB-Chef Mario Draghi, der „alles dafür tut, die Märkte zu stützen“.

PekingDie Turbulenzen an Chinas Börsen sind noch lange nicht ausgestanden. Am Donnerstag kippten die Kurse nach Gewinnen zum Abschluss des Handelstages wieder deutlich ins Minus. Der Shanghai Composite Index – der Leitindex des Landes – fiel um 2,2 Prozent auf 3705 Punkte, während der Shenzhen Component Index sogar um 3,33 Prozent auf 12.395 Punkte absackte. Dabei hatte die Börsenaufsicht bekräftigt, dass sie weiter mit Staatsgeldern die Kurse stützen werde.
Peking will entschlossen wirken. Aber je länger die staatliche Rettungsaktion dauert, desto stärker muss sich die Regierung anstrengen. Die Regierung hätte sich niemals so stark an den Märkten einmischen dürfen. Aber an dem Kurs werde trotz aller Kritik nicht gerüttelt, bekräftigt Zhang Xiaojun, Sprecher der chinesischen Börsenaufsicht CSRC wieder und wieder.

Was Chinas Aktienmärkten auf dem Weg fehlt, ist eine starke Führungsperson, die eine klare Linie in der Rettungspolitik ausgibt. Denn das Hin- und Her der vergangenen Wochen hat unter vielen Anlegern für mehr Verwirrung als Vertrauen gesorgt. Gleichzeitig muss sich Peking Gedanken machen, wie sich die Regierung wieder aus den Märkten zurückziehen kann. Denn staatliche Intervention ist der falsche Weg, wenn Peking langfristig auf funktionierende Börsen setzen will.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

In Europa spielt EZB-Chef Mario Draghi diese Rolle. Als sich Draghi im Sommer 2012 zur Intervention entschloss, stand die Euro-Zone vor dem Zerfall. Mit den drei Worten „Whatever it takes“ brach er mit den Grundsätzen der Währungshüter.

Die EZB werde „alles Notwendige tun”, um den Euro zu retten, bekräftigte Draghi seine Botschaft. Seitdem steht er für seine Worte ein. Dafür hat er viel Kritik geerntet. Zweifel an seiner Entschlossenheit sind aber verflogen.

Kommentare (35)

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Herr Werner Wilhelm

30.07.2015, 16:37 Uhr

Au weia! kann man nur zu diesem HB-Artikel sagen.

Die Zentralbanken könnten/sollten dafür zuständig sein, wenn die Aktienkurse zusammenbrechen?

Das hat Draghi in der Eurozone mit "Whatever it takes" gemeint?

Mann, mann, mann.

Herr Bernhard Ramseyer

30.07.2015, 16:38 Uhr

"Warum China jetzt einen Mario Draghi braucht "

Wir könnten den Echten abgeben, dann hätten wir ihn los.

Herr Werner Wilhelm

30.07.2015, 16:43 Uhr

Richtig, mit einem monetären Betonkopf wie Weidmann, Weber oder Stark an der Spitze der EZB wäre der Euro schon längst Geschichte.

Und das ist doch das was wir alle wollen.

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