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19.09.2014

12:31 Uhr

Börsenexperte im Interview

„Ich kaufe nie am ersten Handelstag“

VonKatharina Schneider

Heute geht Alibaba an die Börse. Das Investment in Neulinge ist nicht immer von Erfolg gekrönt, mit der Telekom und Air Berlin haben viele Kleinanleger Geld verloren. Oliver Roth erklärt, was Anleger beachten müssen.

Oliver Roth wechselte vom Fußballprofi zum Börsenprofi. Imago

Oliver Roth wechselte vom Fußballprofi zum Börsenprofi.

Der anstehende Börsengang von Alibaba ist aktuell in aller Munde. Auch in Deutschland gab es mal eine Zeit, als Börsengänge groß gefeiert wurden. Die Neuemissionen von Telekom und Air Berlin zum Beispiel. Sie wurden mit aufwändigen Werbekampagnen von Prominenten wie Manfred Krug und Johannes B. Kerner angepriesen. Doch für viele Aktionäre war die Investition ein Verlustgeschäft. Der Börsen-Experte Oliver Roth erklärt die Besonderheiten dieser Börsengänge und was Anleger beim Investieren in Börsenneulinge beachten sollten.

Herr Roth, Börsengänge wie Telekom und Air Berlin haben einst jede Menge Kleinaktionäre an die Börse gelockt. Später haben viele ihr Geld verloren. War der Wirbel um diese Aktien eine riesen Übertreibung?
So pauschal lässt sich das nicht sagen. Die Telekom-Aktie ist in einer Phase gestartet, als das Interesse an Aktien plötzlich ganz groß war. Alle Unternehmen, die etwas mit dem Internet zu tun hatten, wurden in astronomische Höhen gejubelt. Davon wollten auch die Privatanleger profitieren, doch der Technologiemarkt war insgesamt überbewertet. Als die Kurse später einbrachen, war die Landung umso härter.

Was Sie über die Börsenkandidaten wissen sollten

Zalando

ZALANDO (Online-Versand von Schuhen und Bekleidung)

Zeichnungsfrist: bis 29. September 2014
Erstnotiz: 1. Oktober 2014
Eigentümer: Kinnevik (35,6 Prozent), Global Founders/Brüder Samwer (16,7 Prozent), Bestseller/Anders Holch Povlsen (10,5 Prozent), Juri Milner (8,1 Prozent), Holtzbrinck Ventures (7,6 Prozent), Tengelmann (5,6 Prozent) und weitere.
Bewertung: bis zu 5,6 Milliarden Euro
Volumen: 441 bis 633 Millionen Euro
Banken: Morgan Stanley, Goldman Sachs und Credit Suisse.

Rocket Internet

ROCKET INTERNET (Holding von jungen Internet-Unternehmen)
Zeichnungsfrist: 24. September bis 7. Oktober 2014
Erstnotiz: 9. Oktober 2014
Eigentümer: Brüder Samwer (52,3 Prozent), Kinnevik (18,1 Prozent), United Internet (10,4 Prozent), Philippine Long Distance Telephone (PLDT, 8,4 Prozent), Access Industries (Len Blavatnik, 8,3 Prozent), Holtzbrinck Ventures (2,5 Prozent)
Bewertung: bis zu 6,7 Milliarden Euro
Volumen: 1,34 bis 1,61 Milliarden Euro
Banken: JPMorgan, Morgan Stanley und Berenberg.

Tele Columbus

TELE COLUMBUS (Kabelnetzbetreiber)

Zeitpunkt: Herbst 2014

Eigentümer: mehrere Hedgefonds

Bewertung: mehr als 600 Millionen Euro

Volumen: rund 300 Millionen Euro

Banken: JPMorgan, Goldman Sachs

TLG Immobilien

TLG IMMOBILIEN (Gewerbeimmobilien in Ostdeutschland)

Zeitpunkt: Herbst 2014

Eigentümer: Lone Star

Bewertung: 1,5 Milliarden Euro (inklusive Schulden)

Volumen: rund 500 Millionen Euro

Banken: UBS, JPMorgan

Steinhoff

STEINHOFF (Möbelproduktion und -handel)

Zeitpunkt: nach dem 9. September

Eigentümer: börsennotiert, Gründer Bruno Steinhoff größter Aktionär

Bewertung: knapp 9 Milliarden Euro (Börsenwert)

Volumen: Wechsel von der Börse Johannesburg nach Frankfurt, Kapitalerhöhung im Juli durchgeführt, möglicherweise weitere Platzierung im Zuge des Wechsels des Börsenplatzes.

Banken: Kapitalerhöhung begleitet von Barclays, BNP Paribas, Citigroup, HSBC und Commerzbank

Hella

HELLA (Autoscheinwerfer-Hersteller)

Zeitpunkt: Herbst 2014 möglich

Eigentümer: Familie

Bewertung: rund 3,5 Milliarden Euro

Volumen: offen

Banken: Citi, Bankhaus Lampe

Armacell

ARMACELL (Dämmstoff-Hersteller)

Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015

Eigentümer: Charterhouse Capital Partners

Bewertung: mehr als 600 Millionen Euro

Volumen: rund 300 Millionen Euro

Banken: Deutsche Bank, Bank of America Merrill Lynch, BNP Paribas

Goodgame Studios

Online-Spielehersteller

Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015 möglich
Eigentümer: Gründer (Brüder Wawrzinek)
Banken: Bank of America Merill Lynch, Berenberg und Deutsche Bank

Scout24

SCOUT24 (Betreiber von Online-Marktplätzen)

Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015

Eigentümer: Hellman & Friedman (49 Prozent), Blackstone (21 Prozent), Deutsche Telekom (30 Prozent)

Bewertung: ca. 2 Milliarden Euro

Volumen: rund 400 Millionen Euro (für 20 Prozent der Anteile)

Banken: Goldman Sachs, Credit Suisse als Koordinatoren (erwartet)

Siemens Audiologische Technik

SIEMENS AUDIOLOGISCHE TECHNIK (Hörgeräte)

Zeitpunkt: Anfang 2015

Eigentümer: Siemens AG

Bewertung: ca. 2 Milliarden Euro

Volumen: möglicherweise als Spin-off mit Ausgabe von Aktien an Siemens-Aktionäre

Banken: Auswahl in Kürze erwartet

Axel Springer Digital Classifieds

AXEL SPRINGER DIGITAL CLASSIFIEDS (Online-Anzeigenbörse)

Zeitpunkt: Anfang 2015

Eigentümer: Axel Springer SE (70 Prozent), General Atlantic (30 Prozent)

Bewertung: rund drei Milliarden Euro

Volumen: offen

Banken: noch nicht ausgewählt

Douglas

DOUGLAS (Parfümerie, Einzelhandel)

Zeitpunkt: Frühjahr 2015

Eigentümer: Advent International und Familie Kreke

Bewertung: rund zwei Milliarden Euro

Volumen: offen

Banken: noch nicht ausgewählt

Hapag-Lloyd

HAPAG-LLOYD (Reederei)

Zeitpunkt: Herbst 2015

Eigentümer: (vor Vollzug der Fusion mit CSAV ) Stadt Hamburg (37 Prozent), Kühne Maritime (28 Prozent), TUI (22 Prozent), Signal Iduna (5 Prozent), HSH Nordbank (3 Prozent), M.M. Warburg & Co (2,9 Prozent) und HanseMerkur (1,8 Prozent), CSAV erhält zunächst 30, später 34 Prozent.

Bayer Material Science

Bayer Material Science: Kunststoffe
Zeitpunkt: Herbst 2015/Frühjahr 2016
Eigentümer: Bayer AG
Bewertung: bis zu 10 Milliarden Euro
Volumen: möglicherweise als Spin-off mit Ausgabe von Aktien an Bayer-Aktionäre

Viele Anleger wähnten sich in Sicherheit, weil die T-Aktie als Volksaktie beworben wurde.
Damit hat sich das Unternehmen sehr weit aus dem Fenster gelehnt und suggeriert, dass der Staat im Notfall einspringen werde. Aber das ist natürlich nicht passiert. Auch Werbegesicht Manfred Krug hat sein Engagement im Nachhinein bereut und sich immer wieder bei den Anlegern für die Werbung entschuldigt.

Der Börsengang von Air Berlin folgte etwas später, im Jahr 2006. Auch diesmal hat mit Johannes B. Kerner ein Promi die Aktie beworben.
Zu diesem Zeitpunkt war der Schock über die Kursverluste am Neuen Markt schon wieder etwas verdaut. Doch auch diesmal wurde den Anlegern zu viel versprochen. Viele Anleger waren aber auch nicht kritisch genug. Sie lassen sich zu schnell von irgendwelchem Gequatsche blenden, statt sich selbst die Unternehmenszahlen genau anzusehen.

Nach solchen Fehlgriffen ist es also kein Wunder, dass es um die Aktienkultur in Deutschland so schlecht bestellt ist?
Daran sind aber nicht alleine die Kursverluste aus der Zeit des Neuen Marktes Schuld. Das Problem ist ganz tief in der Mentalität der Deutschen verankert: Da gab es etwa die Weltkriege, die Hyperinflation und daraus hat sich eine enorme Risikoscheu und ein großes Bedürfnis nach Sicherheit entwickelt. Nichtsdestotrotz ist die Grundidee der Börse genial. Da treffen Menschen, die eine gute Idee, aber kein Geld für die Umsetzung haben, auf Investoren, bei denen es genau umgekehrt ist.

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