Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.12.2016

15:43 Uhr

Börsengänge 2017

Die Wahlen stören – unruhige Zeiten stehen bevor

Aufgrund politischer Turbulenzen hatten Aktienemissionen in diesem Jahr einen schweren Stand. In dieser Hinsicht dürfte sich eher wenig ändern – schließlich wird im nächsten Jahr in Europa vielerorts gewählt.

Die Märkte waren in diesem Jahr sehr volatil. Das Volumen von Neuemissionen schrumpfte um fast ein Drittel. Die Börsengänge haben sich in Europa, gemessen an den Einnahmen, sogar mehr als halbiert. AFP; Files; Francois Guillot

Volatile Märkte

Die Märkte waren in diesem Jahr sehr volatil. Das Volumen von Neuemissionen schrumpfte um fast ein Drittel. Die Börsengänge haben sich in Europa, gemessen an den Einnahmen, sogar mehr als halbiert.

LondonErst der Brexit, dann die Präsidentschaftswahlen in den USA und schließlich das Verfassungsreferendum in Italien: Die Lücken, in denen die Märkte aufnahmefähig sind für Aktienemissionen, waren in diesem Jahr so klein wie lange nicht. Die Quittung: Weltweit brachten Börsengänge, Kapitalerhöhungen und Aktienplatzierungen nach Daten von Thomson Reuters mit 649 (2015: 873) Milliarden Dollar gut ein Viertel weniger ein als ein Jahr zuvor. Das Volumen von Neuemissionen schrumpfte sogar um fast ein Drittel auf 131 Milliarden Dollar, obwohl die Aktienindizes gegen Ende des Jahres auf Rekordkurs gingen. In Europa haben sich Börsengänge gemessen an den Einnahmen sogar mehr als halbiert.

„Die Märkte waren volatil in diesem Jahr“, fasst Achintya Mangla von der US-Investmentbank JPMorgan zusammen, der Nummer eins im Eigenkapital-Emissionsgeschäft (ECM) weltweit. Es habe immer wieder Phasen gegeben, in denen Börsengänge zwar gestartet worden, aber reihenweise gescheitert seien. Das werde sich auch 2017 nicht ändern - angesichts von Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden. Um die Wahltermine herum einen Börsengang zu starten, gilt als Wagnis. Je wackliger die Börsen sind, desto schwieriger ist es, einen Preis für neue Aktien zu finden. Dabei sind die Zeitfenster für Börsengänge durch die Pflicht, in den Prospekten immer die aktuellen Quartalszahlen aufzuführen, ohnehin begrenzt. „Das Volumen von Neuemissionen wird in etwa so sein wie in diesem Jahr“, sagt Mangla voraus.

Auch die maue Kursentwicklung der größten Börsenneulinge hat potenzielle Investoren und Emittenten nicht gerade ermutigt. Die Aktie der chinesischen Postbank wurde am unteren Ende der Preisspanne ausgegeben und stürzte dann um zehn Prozent ab. Sie war mit einem Erlös von umgerechnet 7,1 Milliarden Euro die größte Neuemission des Jahres. Auch die Aktie der RWE -Ökostromtochter Innogy, mit gut 4,6 Milliarden Euro der weltweit zweitgrößte Börsengang, ging nach der Erstnotiz erst einmal auf Tauchstation und lag zum Jahresende rund acht Prozent unter dem Ausgabepreis.

Dabei hätte das Emissionsjahr für die Banker in Deutschland ohne Innogy richtig finster ausgesehen: Die restlichen sieben Börsenneulinge brachten zusammen gerade 600 Millionen Euro ein. Der zweite Hoffnungsträger, die IVG-Gewerbeimmobilien-Tochter OfficeFirst, musste seine Börsenpläne aufgeben. Der Eigner des Büro- und Hotelkomplexes „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen wurde für 3,3 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Blackstone verkauft. Mit der E.ON -Abspaltung Uniper kam zwar ein zweites Schwergewicht an die Frankfurter Börse, doch die Uniper-Aktien gingen an die E.ON-Anteilseigner.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×