Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.10.2014

16:12 Uhr

Börsengang

Wenn es auf dem Parkett rutschig wird

VonAndreas Schulte

Der Börsengang ist eine Fingerübung? Von wegen. Zahlreiche Firmen unterschätzen die Kosten, die beim Gang aufs Parkett anfallen. Und manchmal zeigen Investoren nur die kalte Schulter. Wie kann es dennoch klappen?

Die Erfahrung zeigt, dass viele Unternehmer sich nicht darüber im Klaren sind, welche Aufwände ihre Börsennotierung auslöst.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Unternehmer sich nicht darüber im Klaren sind, welche Aufwände ihre Börsennotierung auslöst.

KölnUwe Bögershausen ist zufrieden: „Mit der Eröffnung unseres Vertriebsbüros in Singapur rücken wir näher an unsere asiatischen Kunden heran“, sagt der Finanzvorstand von SLM Solutions anlässlich der bevorstehenden Eröffnung der dortigen Niederlassung im September dieses Jahres. Damit setzt der Hersteller von 3D-Druckern seine angekündigte Strategie in die Tat um. Das Vertriebsnetz soll ausgebaut werden.

Das Lübecker Unternehmen muss schnell wachsen, um sich in dem jungen dynamischen Markt mit wenigen aufstrebenden Anbietern zu behaupten. Ein Zukauf ist deshalb auch noch geplant. Das nötige Kapital ist vorhanden – obwohl SLM nur gut 80 Mitarbeiter beschäftigt. Aber im Mai war das Unternehmen an die Börse gegangen und nahm dadurch 75 Millionen Euro ein.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Lange mieden Firmen das deutsche Parkett. In den vergangenen beiden Jahren gab es dort nur 13 Neuemissionen. In diesem Jahr ist SLM Solutions eines von voraussichtlich zehn bis 15 Unternehmen, die hierzulande den Schritt an die Börse wagen. Und Experten sind zuversichtlich, dass sich diese Zahl stabilisieren könnte: „Es steigt der Mut, diesen Schritt zu wagen“, sagt Nadja Picard, Kapitalmarktexpertin bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften Pricewaterhouse Coopers.

Denn die Rahmenbedingungen sind gut wie lange nicht mehr. Der Dax steht konstant hoch, die lange währende Niedrigzinsphase scheint noch länger anzuhalten, hinzu kommen einige Börsendebüts der jüngeren Vergangenheit. Doch der Weg aufs Parkett und seine Folgen werden längst nicht von jedem Unternehmer richtig eingeschätzt. „Man wähnt sich gerne an der Börse, aber die Konsequenzen unterschätzen Unternehmer oft“, sagt Picard.

Vielen Kandidaten ist nicht klar, welche Art Investoren sie überhaupt ansprechen wollen. Tatsächlich erwägen auch Unternehmen mit geringer Profitabilität einen Börsengang. Eine hohe Profitabilität sei keine Voraussetzung, sagt Picard. Aber: „Stoßen Unternehmen dort auf Investoren mit hoher Dividendenerwartung, können sie die nicht erfüllen.“ Die Folge: Investoren stoßen die Aktie ab, der Kurs fällt.

Auch deshalb ist die Auswahl der begleitenden Bank wichtig. Denn vor dem Börsengang platziert sie die Anteile bei Investoren und beeinflusst damit maßgeblich, ob die angepeilte Summe tatsächlich eingenommen wird. „Man muss sich genau anschauen, welche Investoren eine Bank liefern kann“, empfiehlt Picard.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×