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01.10.2014

16:55 Uhr

Börsengang

Zalando enttäuscht Erwartungen

VonLisa Hegemann

Der Börsenstart ist geglückt: Der erste Preis der Zalando-Aktie notierte rund zwölf Prozent über dem Emissionspreis. Doch die hohen Erwartungen enttäuschte der Onlinehändler.

In Frankfurt hat der Handel mit Zalando-Aktien begonnen. Reuters

In Frankfurt hat der Handel mit Zalando-Aktien begonnen.

DüsseldorfEin Spalier aus Puppen: Passend zur Erstnotiz des Modehändlers Zalando hat sich das Parkett in Frankfurt in einen Laufsteg verwandelt. Zehn Schaufensterpuppen standen am Mittwoch im Eingang des Börsengebäudes, sechs Models liefen einmal um die Handelsschranke herum – ein Schaulaufen zum IPO. Auch die Fassade war im Stil eines Zalando-Pakets gestaltet. Auf dem Börsenparkett drängelten sich die Zalando-Manager, Banker, Händler und Journalisten. „Bei einem Börsengang habe ich das zuletzt bei der Telekom erlebt“, sagte Robert Halver, Händler bei der Baader-Bank.

Doch das war noch nicht alles. Der Börsenneuling ließ sich auch für das traditionelle Glockenläuten einen PR-Gag einfallen: Die Vorstände zauberten die Glocke aus einem Zalando-Paket hervor. Um kurz nach neun wurde dann der Börsenstart eines der größten deutschen Onlinehändler eingeläutet.

Der erste Preis lag um 9.21 Uhr allerdings leicht unter den Erwartungen: Mit 24,10 Euro übertraf die Erstnotiz den Emissionspreis von 21,50 Euro zwar um zwölf Prozent, vorbörslich war die Aktie aber bis zu 30 Prozent über dem Preis gehandelt worden. Zum ersten Kurs war Zalando damit allerdings knapp sechs Milliarden Euro wert – mehr als Unternehmen wie K+S oder Lufthansa.

In der ersten Handelsstunde fiel der Preis bis auf 21,55 Euro. Doch dann bekam die Aktie die insgesamt schlechte Stimmung an den Märkten zu spüren. Mit einem Kurs von 21,52 Euro notierte sie zeitweise nur noch zwei Cents über dem Ausgabepreis. "Neben den Gewinnmitnahmen vieler Anleger spielt der schwache Gesamtmarkt definitiv eine Rolle", sagte ein Händler. Vermutlich würden die begleitenden Banken aber versuchen, den Kurs bis Handelsschluss über dem Ausgabepreis zu halten. "Aber das ist reine Spekulation, das weiß man nicht." Beim Umsatz waren die Zalando-Aktien Spitzenreiter auf dem Handelssystem Xetra.

„Richtig Glück haben Anleger gehabt, die Zalando-Aktie bekommen haben und sie heute morgen direkt wieder verkauft haben. Die konnten sich über einen schönen, schnellen Zeichnungsgewinn freuen“, sagte ein Händler.

Die Anlegerstruktur bei Zalando

Verdere

Sitz: Schweden
Anteil vor dem Börsengang: 35,6 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 32,04 Prozent
Verdere ist Mehrheitseigentümer der schwedischen Gesellschaft Kinnevik. Deren Vorsitzende Cristina Stenbeck sitzt gemeinsam mit drei weiteren Kinnevik-Managern im achtköpfigen Aufsichtsrat von Zalando.

Global Founders GmbH

Sitz: Deutschland
Anteil vor dem Börsengang: 16,7 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 15,03 Prozent
Die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer stecken hinter der Global Founders GmbH. Über diese Gesellschaft halten sie auch die Mehrheit an der Start-up-Schmiede Rocket Internet. In Zalando investierte das Dreiergespann über ihren European Founders Fund. Vorbild war der US-Schuhhändler Zappos.

Anders Holch Povlsen

Sitz: Dänemark
Anteil vor dem Börsengang: 10,48 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 9,43 Prozent
Anders Holch Povlsen ist ein Modeunternehmer, der den dänischen Textilhändler Bestseller leitet.

Yuri Milner

Sitz: Luxemburg
Anteil vor dem Börsengang: 8,14 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 7,33 Prozent
Der Milliardär Yuri Milner hat einst schon in Facebook investiert und dadurch Millionen verdient. Auch in Groupon, Zynga, Spotify und AirBnB steckte er Geld. Am Börsengang von Zalando will er ebenfalls mitverdienen.

Holtzbrinck Ventures

Sitz: Deutschland
Anteil vor dem Börsengang: 7,64 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 6,88 Prozent
Holtzbrinck Ventures ist eine Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Holtzbrinck Ventures investiert in Start-ups.

Tengelmann Verwaltungs- und Beteiligungs GmbH

Sitz: Deutschland
Anteil vor dem Börsengang: 5,63 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 5,06 Prozent
Tengelmann ist eher als Einzelhändler bekannt, investiert aber auch über seine Verwaltungs- und Beteiligungs-Gesellschaft in Neugründungen.

Len Blavatnik

Sitz: Luxemburg
Anteil vor dem Börsengang: 3,58 Prozent
Anteil nach dem Börsengang: 3,22 Prozent
Der US-Milliardär ist nicht nur bei Zalando aktiv, sondern hat auch schon Hunderte Millionen in Rocket Internet gesteckt. Das US-Magazin „Forbes“ schätzt sein Vermögen auf knapp 22 Milliarden Dollar. 2013 verdiente er allein sieben Milliarden Dollar mit dem Verkauf seiner Anteile am Unternehmen TNK-BP.

Zalando-Vorstand Rubin Ritter wertete das große Interesse als Erfolg. Die hohe Nachfrage der Investoren spiegele „das große Interesse an Zalando“ wider, sagte er laut einer Mitteilung. Warum der Preis aber unterhalb der obersten Emissionsgrenze festgelegt wurde, gab der Onlinehändler nicht bekannt.

Das Versandhaus platzierte 11,3 Prozent seiner Anteile auf dem Frankfurter Parkett. Mit dem Börsengang sammelt Zalando rund 600 Millionen Euro ein. In Finanzkreisen hatte zuvor ein deutlich höherer Betrag von 750 Millionen Euro die Runde gemacht. Daten der Agentur Thomson Reuters zufolge schafft es das Berliner Versandhaus trotzdem unter die Top Ten der größten Börsengänge in der deutschen Geschichte.

Insgesamt gibt der Onlinehändler rund 28 Millionen Wertpapiere aus. Falls die drei Konsortialbanken Credit Suisse, Goldman Sachs und Morgan Stanley wegen hoher Nachfrage noch weitere Aktien ausgeben, könnte sich die Anzahl noch einmal um 3,7 Millionen erhöhen.

Kommentare (8)

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Sergio Puntila

01.10.2014, 10:08 Uhr

Vagabundierendes Kapital scheint zu lernen bei IPO's: erstmal sehn, wie das kommt, um nachzulegen ggf.
Nachdem FB den IPO verpatzt hatte hält man sich ggf zurück mit Vorschusslorbeeren.

Was an dem dahinterliegenden Problem allerdings wenig bis garnichts ändern dürfte...

Herr wulff baer

01.10.2014, 10:50 Uhr

Wie verzweifelt muß man als Anlager sein, um Verlust-Aktionär bei Zalando zu werden.
Ein bischen Bilanztrick, und schon hat man einen lächerlichen Gewinn von 3,6 Millionen herbeigezaubert.
Und die Anleger kaufen die Tulpenzwiebel trotzdem.

Carl Icahn Jr.

01.10.2014, 10:51 Uhr

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